Für die einen ist es einfach ein frisch gepflügter Acker. Braun, etwas schlammig, hier und da ragen vereinzelte Stoppeln des geernteten Getreides in die Luft und ein paar Steine, die die Bodenarbeiten des Landwirts zutage gefördert haben, verteilen sich über die Flur. Für die anderen ist dieser Kulturboden voller Relikte längst vergangener Zeit.

Der Arbeitskreis Archäologie "Mittleres Saaletal" rund um Kreisheimat- und Archivpfleger Roland Heinlein
hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Relikte der heimischen Vor- und Frühgeschichte zu erkunden, zu erhalten und zu schützen. "Der Idealzustand wäre", sagt Heinlein, "dass im Bereich von Morlesau bis Aschach für alle vorgeschichtlichen Fundstätten so genannte 'Denkmalpaten' zu finden". Bisher gibt es diese im Bereich Langendorf, Elfershausen, Wartmannsroth, Euerdorf, Sulzthal und für das Thulbatal.


Eine spannende Aufgabe

Der Denkmalpate begeht regelmäßig in seinem Bereich die Fluren und Wälder, um Hinweise aus der Vergangenheit zu finden und zu kontrollieren. Neue Funde, wie Steinwerkzeuge, Keramikarbeiten oder aber auch Hügelgräber werden von den Ehrenamtlichen erfasst, dokumentiert und an das Landesamt für Denkmalpflege übermittelt. Keinesfalls suchen die Hobbyarchäologen mit Metalldetektoren oder Spaten nach Artefakten. Gesetzlicher Auftrag der Denkmalpflege ist es, Bodendenkmäler zu erhalten und vor Zerstörung zu bewahren. Solange die Bodendenkmäler in ihrem originalen Fundzusammenhang eingebettet bleiben, sind sie einzigartige Zeugnisse der Vergangenheit: das archäologische Erbe unserer Vorfahren im Boden.


Etwa 20 ehrenamtliche Mitglieder

Mindestens zweimal im Jahr trifft sich der offene Arbeitskreis mit seinen rund 20 ehrenamtlichen Mitgliedern zu gemeinsamen größeren Ortsbegehungen oder zu Schulungen. Bei einem der Treffen hatte sich der Arbeitskreis Archäologie Mittleres Saaletal in Machtilshausen verabredet. Bodendenkmalpate Bernd Marquardt kontrollierte mit den anderen einige vor mehreren Jahren dokumentierte Hügelgräber. "In Deutschland gibt es Hügelgräber regional beinahe durchgängig ab der späten Jungsteinzeit (3000 v. Chr.) über die Bronzezeit (1600 v. Chr.) bis in die Eisenzeit (450 v. Chr.). Sie waren typische Grabstätten der damaligen Oberschicht", erklärt er.
Auf den Äckern zwischen Machtilshausen und Wasserlosen hat er viele Hinweise auf eine, vielleicht sogar mehrere größere Siedlungen in diesem Gebiet gefunden, die bereits in der Bandkeramischen Kultur der frühen Jungsteinzeit (5000 v. Chr.) entstanden sind. Bandkeramische Kultur gilt als die älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit. Neben Steinbeilen und Dechseln hat Bernd Marquardt typische Keramik, Pfeilspitzen und auch Teile von Schmuckstücken gefunden. Dass dieses Gebiet lange besiedelt gewesen sein muss, war den Hobbyarchäologen bereits bekannt, doch jeder Fund ist ein weiteres Puzzlestück der Geschichte.


Das Suchen startet nach der Ernte

Gemeinsam begeht der Arbeitskreis das Gelände. Archiviert und dokumentiert wird alles vom zuständigen Bodendenkmal-Paten. Aktuell sucht der Arbeitskreis noch nach einem Raum, an dem die Fundstücke aus dem Landkreis sachgemäß gelagert und zusammengetragen werden können.

Suchen können die Ehrenamtlichen natürlich nur, wenn der Landwirt die Ernte eingefahren hat. Deshalb sind die Frauen und Männer vor allem im Herbst und Winter unterwegs. Organisiert werden diese Begehungen von Roland Heinlein. Er ist seit 2008 als Kreisheimatpfleger auch für die Bodendenkmäler im Bäderlandkreis zuständig. "Es gibt viele Aktive und Interessierte im Landkreis", berichtet er. Sie nähmen auch sehr gerne an den regelmäßig organisierten Fort- und Weiterbildungsangeboten oder speziellen Themenveranstaltungen teil, die der Arbeitskreis zusammen mit seinem Betreuer Dr. Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege durchführt. So haben Interessierte die Möglichkeit mehr über die Geschichte ihrer Heimat zu erfahren, lernen Funde zu bestimmen und richtig zu dokumentieren oder werden mit neuen Datenbanken vertraut gemacht. Ja, die Steinzeit braucht heutzutage Internet.


Mitarbeiter werden noch gesucht

Wer Lust hat beim Arbeitskreis Archäologie Mittleres Saaletal mitzumachen, kann sich gerne mit Roland Heinlein in Verbindung setzen: Tel. 09736/1277, E-Mail "roheinlein@gmx.de".