Es war der klassische Polit-Rückzieher, den der Poppenhäuser Gemeinderat hingelegt hat. Bei großem Publikumsandrang beschloss das Gremium mit neun gegen sieben Stimmen, die Bauleitplanung für ein "Sondergebiet Wind" auf der Maibacher Höhe zu beenden. Ebenso wurde ein entsprechender Aufstellungsbeschluss aus dem Jahr 2014 aufgehoben.
Gleich zu Beginn hatte Bürgermeister Ludwig Nätscher zum Rückzug getrommelt.
Er sei "als Bürger der Gemeinde" zwar stolz auf die Gründung der Energiegenossenschaft EOW. Andererseits habe er im Rahmen der frühen öffentlichen Beteiligung bereits eine ganze Mappe an Einwendungen gegen das Projekt erhalten: "Da muss ich als Bürgermeister sagen, das kann ich nicht mehr mittragen."


Dittelbrunn drohte mit Klage

Protest gegen die drei Großräder, mit fast 232 Metern Höhe bis zur Rotorspitze, war auch bei den Nachbarn laut geworden. Unter Verweis auf Nichteinhaltung der 10-H-Regelung hatten die Dittelbrunner mit Klage gedroht. Aber auch in Maibach und anderen Gemeindeteilen hatte sich Widerspruch geregt, unter anderem per Unterschriftenaktion.
"Ich möchte meiner Gemeinde und den Orten so etwas nicht antun", sagte Nätscher, und erhielt Applaus. "Wir brauchen nicht weitermachen." Insgesamt seien über 10 000 Bürger betroffen. Bei der Eigentümerstruktur sei gemäß Registereintrag unklar, welchen Anteil die EOW habe, neben der Naturstrom AG und der Subfirma CS Catalytic Solutions GmbH, beide in Forchheim. Insofern wisse man nicht, wer genau Baurecht erhalte.


Frage der Wirtschaftlichkeit

Nätscher verwies zudem auf die Naturschutzbehörden, die zusätzliche Stillstandszeiten zum Schutz von Fledermäusen und Wiesenweihen gefordert hätten. Neben dem schwachen Wind würden solche Auflagen die Wirtschaftlichkeit ebenfalls beeinträchtigen. Das Argument, dass mit den drei großen Rädern viele kleine Windräder verhindert würden, wollte er nicht gelten lassen: Diese wären unwirtschaftlich.
"Der Windpark wird nur betrieben, wenn er wirtschaftlich ist", stellte Projektleiter Max Wackwitz von der Naturstrom AG fest, der mit Mitarbeitern anwesend war. Die Planer forderten "sachliche Abwägungen" und Fairness im offenen Verfahren. Kritische Stellungnahmen gebe es anderswo auch.
Bauleitplaner Matthias Kirchner gab zu bedenken, dass jede Stellungnahme der Beteiligten einzeln vom Gemeinderat behandelt werden müsse. Jede Einzel-Abwägung wäre dann anfechtbar. Kirchner warnte vor einem "sehr langen, schwierigen Prozess".


Hinweis auf Baugesetz

Geschäftsleiter Thomas Hahn erinnerte an das Bundesbaugesetz, das eine Abwägung durch die Gemeinde fordere. Das Konsensgebot bei Nichteinhaltung der bayerischen 10-H-Regel sei bereits vom Verfassungsgericht gekippt worden. "Ich muss den Konsens mit Dittelbrunn und Niederwerrn gar nicht suchen, das Baugesetz klopft uns bereits auf die Finger", so Nätschers Interpretation.
Am Ratstisch überwog die Bürgermeistersicht. Marco Kraus forderte, die Ablehnung der Bürger ernst zu nehmen, auch wenn ihm die Klageandrohung eines Allianzpartners doch etwas aufgestoßen sei.
"Im Gemeinderat sind die Räder zuletzt immer größer geworden", monierte Manfred Breitenbach und forderte namentliche Abstimmung. Ansgar Schätzlein wollte den Kompromiss. Man müsse erst einmal miteinander reden: "Lasst doch das Verfahren sauber durchlaufen." Ähnlich äußerten sich Klaus Rebhan und Edgar Ziegler.


Ktitik am Stil der Kehrtwende

"Es wurden auch konstruktive Vorschläge gebracht", sagte der EOW-Aufsichtsratsvorsitzende zu den Einwendungen. "Ich habe die Welt nicht mehr verstanden", meinte Göbel dann im Nachhinein gegenüber dieser Zeitung. Er kritisierte insbesondere den Stil der Kehrtwende. Zwei Jahre lang seien Zeit und Kosten in das Windpark-Projekt investiert worden. Antragsteller sei die Windstrom Maibacher Höhe GmbH & Co KG, mit EOW, Naturstrom und CS Catalytic Solutions als Gesellschaftern. Offenbar habe es im Vorfeld aber keine Kommunikation zwischen den Gemeinden gegeben. Wenn die Windräder nur den Eigenbedarf decken würden, könnten auch kleinere Anlagen wirtschaftlich sein. Man werde sich nun erst beraten.