Wenn Behörden auf das Karussell gesetzt werden, wenn sie neu geordnet und zusammengelegt werden, um "die Effizienz zu steigern", "kurze Wege" zu ermöglichen, "Synergien zu nutzen", dann schaut am Ende, wenn sich der Qualm verzogen hat, das flache Land meistens in die Röhre. Aber es gibt Ausnahmen. Das Finanzministerium in München plant, die bisher bei den 80 bayerischen Finanzämtern angesiedelten Finanzkassen bis 2015 auf verbleibende 19 einzudampfen, zu konzentrieren. In Unterfranken gibt es derzeit noch 14 Kassen, aber am Ende sollen es nur noch zwei sein: Übrig bleiben Schweinfurt und Bad Kissingen.
Für die Stadt ist das natürlich eine gute Nachricht, denn das bedeutet zusätzliche Arbeitsplätze. Aber damit beginnen auch die Probleme. Die sieben bisherigen Mitarbeiter der Finanzkasse sind in das Finanzamt an der Bibrastraße integriert, wo sie auch ihre Arbeitsplätze haben. Aber künftig werden es nach Angaben der Pressestelle des Finanzministeriums 38 sein. Wo soll man die unterbringen?
Wer auf die Finanzamtsmitarbeiter hört, der erfährt, dass das Gebäude zwar schön, aber jetzt räumlich bereits mehr als ausgereizt ist. Man könnte die neuen Schreibtische nur unterbringen, wenn man sie stapelt"Das ist alles noch sehr in der Schwebe", sagt Hans-Jürgen Menninger, stellvertretender Chef des Hauses. "Konkret wird die Maßnahme erst 2013, aber wir müssen dieses Jahr mit den Vorbereitungen beginnen."

Sachverständigen einschalten


Natürlich wäre es ihm am liebsten, wenn sich alles an der Bibrastraße regeln ließe. Aber Menninger klingt nicht sehr optimistisch, wenn er von der erforderlichen Raumplanung und der Hinzuziehung eines Sachverständigen spricht. Aber vielleicht auch deshalb, weil er vom Sinn der Zusammenlegungen noch nicht so ganz überzeugt ist, schon wegen der enorm vergrößerten Einzugsbereiche der verbleibenden Kassen: "Die Finanzämter sind jetzt für viele sehr weit weg. Die Prognose ist schwer, ob die Zusammenlegung wirklich Sinn macht."
Die Würfel sind in München allerdings gefallen. Wohin also mit der vergrößerten Finanzkasse? Noch ist natürlich offiziell nichts entschieden. Aber die informierte Gerüchteküche hat, auch wenn sie noch nicht brodelt, doch ihren Betrieb aufgenommen. Und da werden zwei Namen vorrangig gehandelt: das Luitpoldbad und die Villa Hailmann - beide Gebäude, die bereits im Besitz des Freistaates sind.

Erwin Full müsste es wissen


Das Luitpoldbad wäre naheliegend, weil es zum Behördenzentrum ausgebaut werden soll. Und besonders gut informierte Kreise haben auch schon gehört, dass Gespräche in Sachen Raumbedarf stattgefunden haben. Allerdings ist Erwin Full, dem zuständigen Sachgebietsleiter im Staatlichen Bauamt Schweinfurt, nichts von derartigen Gesprächen bekannt. Und er müsste es wissen, denn er wird im Ernstfall der federführende Verantwortliche sein.
Andererseits gibt es Leute, die eins und eins zusammenzählen. Denn es ist beschlossene Sache, dass nach der Sanierung des Luitpoldbades das Wasserwirtschaftsamt dorthin umzieht. Dann wäre die Villa Hailmann frei für die Finanzkasse - allerings erst 2016.
Unter den Wasserwirtschaftlern regt sich bereits ein gewisser Unmut, obwohl doch eigentlich noch nichts offiziell ist: Es sei Unsinn, eine Behörde zu verlagern, um Platz zu machen für eine andere. Da könne man auch bleiben und die Umzugskosten sparen.
Die Wasserwirtschaftler sind vor ein paar Jahren ohnehin nur sehr ungern von Schweinfurt nach Bad Kissingen gezogen. Denn die meisten Mitarbeiter haben sich südlich von Schweinfurt niedergelassen. Die Villa Hailmann in der Kurhausstraße liegt wenigstens direkt unterhalb des Bahnhofs. Durch den Umzug ins Luitpoldbad würde sich der Weg zur Arbeit jeden Tag um eine halbe Stunde verlängern.

Auch eine Frage der Logik


Und schließlich wird auch die Logik ins Feld geführt: Die beiden Institutionen, die außer dem Wasserwirtschaftsamt bisher ins Luitpoldbad ziehen sollen, nämlich, die Staatsbad GmbH und das Vermessungamt, unterstehen dem Finanzministerium. Da wäre es doch logischer, die Finanzkasse dazu zu nehmen. Denn die Wasserwirtschaftler sind eine Abteilung des Ministeriums für Umwelt und Gesundheit.
Die "Immobilien Freistaat Bayern" hat die Villa Hailmann jedenfalls noch nicht zum Verkauf ausgeschrieben - obwohl der Erlös eigentlich in die Sanierung des Luitpoldbades fließen soll. "Die Finanzverwaltung ist vor 14 Tagen zum ersten Mal an uns herangetreten, um in die generelle Raumdebatte einzusteigen", sagte Immo-Geschäftsführer Dieter Knauer
Das Finanzministerium in München bestätigt zwar den Standort Bad Kissingen und die Zahl der Arbeitsplätze, die dort entstehen, hält sich aber ansonsten bedeckt. Bis Ende dieses Jahres wird erst einmal Oberfranken eingedampft. Die Gewinner dort heißen: Lichtenfels und Hof.

Die Finanzkasse:
Aufgabe Bei den Finanzkassen werden die Zahlungseingänge verbucht und Erstattungsbeträge zur Auszahlung angewiesen.

Belegschaft Zurzeit arbeiten in den 80 bayerischen Finanzkassen 660 Mitarbeiter. Ein Stellenabbau ist bei der Zusammenlegung nicht geplant.