Es ist schnell passiert. Gerade in der dunklen Jahreszeit. Eine Unachtsamkeit am Steuer und der Fahrer übersieht das Reh am Straßenrand, das gerade die Straßenseite wechseln will. Es kommt zum Zusammenstoß - was nun?

"Prinzipiell sollten sich Verkehrsteilnehmer verhalten wie nach jedem Unfall", sagt Florian Heuring, zuständig für den Sachbereich Verkehr bei der Bad Kissinger Polizei. "Das heißt, Warnblinker anschalten und wenn man das Auto verlassen muss , eine Warnweste tragen." Außerdem sollte in jedem Fall die Polizei verständigt werden. "Das ist insbesondere wichtig bei unübersichtlichen Stellen." Außerdem ist es versicherungsrechtlich wichtig, dass die Polizei vor Ort war und den Unfall aufgenommen hat. "Dass die Polizei nicht zum Unfallort kommt, ist die Ausnahme."

Wildunfall: Wen Sie zuerst kontaktieren sollten

"Manche melden den Unfall erst später. Das sollte nicht sein, egal wie der Zustand des Tieres war." Dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit nach dem bayerischen Jagdgesetz. Denn wenn ein Reh mit gebrochenen Läufen mehrere Stunden oder Tage im Graben liegt, handelt es sich um Tierquälerei. "Die Polizei muss sofort informiert werden", appelliert Heuring an die Verkehrsteilnehmer. Denn: Die Beamten leiten weitere Schritte ein. Beispielsweise informieren sie den Jagdpächter. Dieser tötet das schwer verletzte Wild oder startet eine Nachsuche.

Dabei handelt es sich um Detektivarbeit für Jäger und Hund. Am Unfallort sucht das Gespann nach der Fährt des Tieres. "Die Stelle sollte genau lokalisiert werden und dem Jäger mitgeteilt werden", sagt Dr. Helmut Fischer, Vorsitzender des Bad Kissinger Jägervereins. Sein Credo: "Je mehr Informationen der Jäger hat, desto eher weiß er, worauf er sich einstellen muss." Denn je nachdem, wie sehr sich das Tier beim Unfall verletzt hat, kann sich eine Nachsuche ziehen. "Deshalb ist es wichtig zu erfahren, wie sich das Tier unmittelbar nach dem Zusammenstoß verhalten hat."

Überlebt das Wild den Zusammenstoß und flüchtet, hilft beispielsweise ein Blick auf die Läufe. Lahmt das Tier, kann sich die Nachsuche verzögern. Auch ein benommenes Wegtorkeln des Wilds gibt dem Jäger und seinem Hund wichtige Anhaltspunkte für ihre Detektivarbeit. "Ideal ist es, wenn es erst gar nicht zum Unfall kommt. Im Straßenverkehr sollte man deshalb die Warnschilder ernstnehmen und runter vom Gaspedal gehen." Komme es dennoch zu einem Unfall, sollte in jedem Fall die Polizei informiert werden.

Gefährliche Hotspots: Wo immer wieder Wildunfälle passieren

Heuring von der Bad Kissinger Polizei betont: "Es ist ein sehr umfangreiches Thema." Von 2019 auf 2020 seien Wildunfälle im Landkreis maßgeblich für steigende Unfallzahlen verantwortlich. Wichtig sei bei den Verkehrsteilnehmer ein geschärftes Bewusstsein. "Das gilt gerade für Strecken die wildunfalltypisch sind. Zum Beispiel wenn sich auf der einen Straßenseite Wald und auf der anderen Wiese befindet." An solchen Stellen sei mit Wildunfällen zu rechnen.

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Um es erst gar nicht zum Zusammenstoß kommen zu lassen, hat Heuring Tipps: "Die Geschwindigkeit sollte angepasst werden. Verkehrsteilnehmer sollten in solchen Bereichen langsamer fahren, als es die Geschwindigkeitsbegrenzung zulässt." Im Vorfeld könne man versuchen, den Zusammenstoß durch eine Gefahren- oder Notbremsung zu vermeiden. Von Ausweichmanövern rät Heuring ab.

Die Polizei verfolgt bei Wildunfällen einen ganzheitlichen Ansatz. "Wir haben uns im Herbst mit den Dienststellen Bad Brückenau und Hammelburg sowie mit Behörden wie der unteren Jagdbehörde oder der Straßenverkehrsbehörde getroffen." Gemeinsam erarbeiten die Beteiligen nun eine Herangehensweise für Hotspots im Landkreis.

Hilfe für Wild: Warnsysteme für Tiere aufgestellt

"Ein Hotspot ist im Bereich der Strecke vom Lauterer Kreisel nach Waldfenster", sagt Heuring. Die Stelle gilt berechtigterweise als Schwerpunkt: 2019 kam es zu 23 Wildunfällen auf einer Strecke von etwa 300 Metern. "Wir werten das aus, und schauen, was sich vor Ort machen lässt." Das Problem vor dem Heuring und seine Mitberater stehen: "Die Tiere gewöhnen sich an aufgestellte Warnsysteme." Dazu zählen blaue Reflektoren an den Leitpfosten oder aber digitale Warntafeln. Letztere seien laut Heuring störanfällig.

Dennoch kann Technik helfen. Mittlerweile gibt es verschiedene Apps für das Smartphone, die dabei helfen sollen, Wildunfälle zu verhindern. Der digitale Wildwarner warnt Autofahrer bei der Fahrt durch Gefahrengebiete mit erhöhtem WIldwechsel. Bei der App "wuidi" erfolgt die Warnung via Bluetooth-Kopplung direkt über das Auto. Dank eines Hintergrundmodus' ist keine Bedienung während der Fahrt notwendig. Die App kann dadurch problemlos im Straßenverkehr eingesetzt werden (wir berichteten). Jäger oder auch Autofahrer pflegen in die App Gefahren-Abschnitte mit erhöhtem Wildwechsel ein. Die Daten werden analysiert und dem Verkehrsteilnehmer über die App zur Verfügung gestellt.

Kommt es dennoch zu einem Wildunfall, erhält der Nutzer eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und auf Basis der GPS-Daten die Kontaktdaten des zuständigen Ansprechpartners, der Polizeidienststelle oder des Jagdrevier-Inhabers.

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