Der Raum Bad Kissingen ist fast eine Insel der Seligen. Im Altlandkreis ereignen sich mit 37 Delikten pro 1000 Einwohner deutlich weniger Straftaten als im bayerischen Durchschnitt (ca. 50). Das geht aus der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2011 hervor, die die Inspektion jetzt vorgelegt hat. Polizeichef Stefan Haschke sagte, "die Region ist sehr sicher".
Nachdem 2010 die Zahl der bekannt gewordenen Delikte auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen war, wurde 2011 ein kleiner Anstieg von 52 auf 2051 Fälle festgestellt. Trotzdem, so Stefan Haschke, liege dieser Wert deutlich unter denen früherer Jahre.
"Böse Buben" haben es hier schwer: Auch 2011 war die Aufklärungsquote mit 65,6 Prozent wieder sehr hoch. Als ebenso positiv wertet es Stefan Haschke, dass die Bürger erneut von schwersten Straftaten weitestgehend verschont geblieben sind.
Einen besonderen Erfolg nennt es der Inspektionschef, dass seine Beamten in Zusammenarbeit mit der Kripo Schweinfurt einen Serienbrandstifter in Burkardroth ermitteln konnten. Der Ex-Feuerwehrmann (23) hatte Sachschaden in Höhe von mehreren 100 000 Euro verursacht. Das Landgericht Schweinfurt hat ihn zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.
Eine deutliche Zunahme der Delikte gab es in Bad Bocklet (164 nach 96 in 2010). Das ist laut Polizei auf zwei Betrugs- beziehungsweise Diebstahlserien zurückzuführen. Hier waren jeweils 20 Straftaten zur Anzeige gebracht worden. In der Stadt Bad Kissingen war ein Plus von 108 auf 176 Fälle festzustellen. Vor allem mehr Ladendiebe wurden erwischt und bestraft.

Mord und Totschlag


Mit 2,2 Prozent hat die Gewaltkriminalität - Straftaten gegen das Leben, Vergewaltigung, Raub, schwere und gefährliche Körperverletzung - erneut einen sehr geringen Anteil. Hier wurden 45 Delikte - darunter je ein Mord und ein Totschlag - begangen. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist mit 89 Prozent erfreulich hoch. Im Sommer hat in Bad Kissingen ein 32-Jähriger bei einem Trinkgelage einem Bekannten (26) tödliche Messerstiche beigebracht. Er muss sich vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten.
In diesem Jahr hat sich die Polizei vor allem die Bekämpfung der Straßenkriminalität vorgenommen. 2011 wurden im Raum Bad Kissingen 360 solche Delikte bekannt. Das waren 15,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2005 waren es 518 Fälle. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote auf 15,8 Prozent gesunken. Nur knapp acht Prozent der Sachbeschädigungen an Kfz wurden geklärt.
Die Bad Kissinger Polizei hat deshalb zwei Schwerpunkt-Sachbearbeiter Vandalismus bestellt. Sie bittet außerdem die Bevölkerung um aktive Mithilfe (Telefon: 0971/ 71 49-0).
Die drei Inspektionen im Kreis wollen zusammenwirken, um Zerstörungen auf Straßen, Wegen und Plätzen zu verhindern. Hier gebe es einen "überdurchschnittlich großen Deliktschwerpunkt". 2011 wurden im Landkreis 587 Sachbeschädigungen - abgebrochene Spiegel und Antennen, zerstochene Reifen, demolierte Blumentöpfe oder verschmierte Wände - bekannt. 28,3 Prozent der Fälle wurden geklärt.
Überproportional viele Kinder und Jugendliche gerieten im Zusammenhang damit in Verdacht. Laut Polizei sind die Taten nicht selten aus einer Gruppe heraus begangen worden.
Deshalb wurde die Initiative für mehr Zivilcourage "Tu was" gestartet. Durch gezielte präventive Maßnahmen wollen sie den Tätern das Leben schwer machen. Dazu wollen die Ordnungshüter mit Vereinen, Veranstaltern und Kommunen kooperieren. Geplant sind auch Vorträge und Workshops (Infos: www.aktion-tu-was.de).
Eigentumsdelikte: Im Vorjahr wurden 696 Diebstähle, Pkw-Auf- und Wohnungseinbrüche registriert (2010: 589). Die Aufklärungsquote stieg um 3,2 auf jetzt 45,3 Prozent. Es gab 167 schwere (127) und 177 (138) Ladendiebstähle.
Vermögensdelikte: 2011 wurde bei Vermögens- und Fälschungsdelikten ein Rückgang auf 254 Fälle (305) festgestellt. Den größten Anteil haben Betrügereien (194). Aufklärungsquote: 93,3 Prozent.
Rauschgiftdelikte: 113 (119) Drogenfälle wurden bekannt. Die Fahnder haben 21 Dealer erwischt und 27 Personen angezeigt, die unter Drogeneinfluss gefahren sind. Drogentote waren nicht zu beklagen.
Schwerkriminalität: 45 Straftaten fallen in die Rubrik Gewaltkriminalität. Ermittelt wurde bei einem Mord, einem Totschlag, vier Räubereien, einer sexuellen Nötigung und 38 Fällen der schweren oder gefährlichen Körperverletzung.
Häusliche Gewalt: 56 familiäre Konflikte wurden bekannt (2010: 51). 83 (67) Azeigen wurden gestellt. Das ist ein Plus von 23,9 Prozent. Das Gros waren 34 Körperverletzungen. Hinzukamen Bedrohungen, Beleidigungen und Nötigungen. 29 Mal war ein Ehepartner der Täter, zehn Mal ein Lebensgefährte. 21 Schläger standen unter Alkoholeinfluss. 15 waren Wiederholungstäter. Bei einem wurde ein Kontaktverbot ausgesprochen. Opfer waren 40 Frauen und 16 Männer. ed