Etwas aufgeregt sind die Zehntklässlerinnen Luisa Prucha, Julia Schreiber und Sylwia Wichary schon. Aber sie freuen sich über die Gelegenheit, ihre Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Schließlich haben sie für ihre Werke viel Freizeit investiert. Julia deutet auf ihr Lieblingsbild, eine Porträt-Zeichnung ihres kleinen Cousins. Dafür habe sie etwa zwei Tage gebraucht. Von der ersten Idee bis zum fertigen Bild "kann es manchmal aber auch länger dauern", erzählt sie.
"Die Basis ist der Realismus", erläutert Kunstlehrerin Tanja Berressen-von der Haar die Herangehensweise ihrer Schülerinnen. Das heißt, dass die jungen Künstler die Personen und Gegenstände, die sie im Alltag sehen, als Motiv wählen. Sie versuchen, diese so real wie möglich abzubilden. Die meisten Arbeiten spiegeln deshalb die Interessen, Hobbys und das persönliche Umfeld wider. Deshalb trage die Ausstellung auch den Titel "Ansichtssachen".

Leidenschaft und Engagement


Die Kunstausstellung lebt von der Leidenschaft und dem Engagement der jungen Damen. Alle drei besuchen neben dem regulären Kunstunterricht einen Intensivkurs, den Berressen-von der Haar betreut. Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe für eine Stunde, um Grundtechniken der Malerei zu lernen: welche Materialien erzielen welche Wirkung, wie sind die Proportionen eines Menschen, wie beeinflussen Perspektive, Bildausschnitt und Komposition den Gesamteindruck des Bildes.
Die Bleistift-Zeichnung ist bereits seit Jahrhunderten wichtiger Bestandteil in der Kunst. "Die Idee wird immer durch die Zeichnung festgehalten", sagt die Kunstlehrerin. Julia benutzt gerne den Bleistift für Stillleben und Porträts. "Damit lassen sich gut Kontraste darstellen", meint sie. Luisa hat ebenfalls eine Vorliebe für Porträts, zeichnet aber auch Aktbilder oder Kleider. Später will sie als Modedesignerin arbeiten. Wenn sie Kleider ausarbeitet, legt sie deshalb großen Wert auf kleine Details. Gesichter fallen ihr leicht, solange sie sich nicht selber darstellen muss: "Ich find's schrecklich, mich selber zu malen", verrät sie. Malen ist immer Gefühlssache. Luisa macht sich vorher wenig Gedanken darüber, wie das Werk am Ende aussehen wird. Wenn ihr das Bild gefällt, ist es fertig, wenn nicht, muss sie eben noch etwas verändern. Bei einem Porträt empfand sie Gesicht und Hals als zu leer. Also verpasste sie der Frau einfach ein Tattoo.
Auch für Sylwia ist das Malen reine Bauchsache. Sie zeichnet dann, wenn sie von der Inspiration überfallen wird. "Manchmal setze ich mich abends um elf Uhr an den Schreibtisch, obwohl ich kurz vorher noch ins Bett wollte" sagt sie lächelnd. Die Malerei liebt sie schon immer. Dennoch hat sie nicht vor, ihr Hobby zum Beruf zu machen: "Es gibt einfach Tage, an denen man nichts malen kann", begründet sie. Wenn sie sich in solchen kreativen Löchern befinde, mache nicht einmal das Malen Spaß.
Es muss einfach ungezwungen sein, dann kommt der Erfolg von selbst. Letztes Frühjahr gewann die damals 17-jährige den 1. Preis im Wettbewerb "La vie en BD" (Das Leben in Comics), den der Klett-Verlag ausgeschrieben hatte. Aber das sei "alles Zufall" gewesen, winkt sie bescheiden ab. Der Zufall scheint ihr ein guter Begleiter zu sein, denn er half ihr auch an der eigenen Schule. Ihr Vorschlag wird als Plakatmotiv für das Theaterstück "Der Revisor" verwendet, welches die Theatergruppe im März aufführen wird.