von unserem Mitarbeiter Alfred Saam

Frauenroth — Am 30. Mai 1893 sandte Pfarrer Blumenkamp aus der Pfarrei Burkardroth an das Bischöfliche Ordinariat in Würzburg folgenden Brief: "Betreff: Errichtung eines Kreuzes, Witwe Maria Eva Albert geborene Schuldheis in Frauenroth will an der Straße von Frauenroth nach der Borstmühle ein steinernes Kreuz errichten lassen.
Es wird ehrerbietigst, gehorsamst hierzu die hohe oberhirtliche Genehmigung sowie die facultas benedicendi erbeten (Erlaubnis zur feierlichen Segnung).
Zu diesem Gesuche wird eine Planskizze ehrfurchtsvoll unterbreitet. Der Verfertiger ist der alt- und bestrenommierte Bildhauer Engelbert Hümmler in Nüdlingen. Die erforderliche distriktpolizeiliche Erlaubnis zur Aufstellung und feierlichen Benediktion des Kreuzes wird noch erholt werden. Ehrerbietigst, gehorsamst Blumenkamp Pfarrer"
Bereits am 2. Juni 1893 sandte das Bischöfliche Ordinariat mit einem Schreiben seine Genehmigung für die Errichtung des Kreuzes an Pfarrer Blumenkamp, und so konnte das Kreuz im selben Jahr noch errichtet werden.

Aus gut situierter Familie

Die Stifterin war Maria Eva Albert, geb. Schuldheis. Ihr Vater stammte aus der Holzmühle in Burkardroth, sie war am 8. Juli 1831 in Zahlbach 22 geboren. Am 29. Januar 1856 heiratete sie Anton Albert in Frauenroth. Die Familie Albert war eine gutsituierte Familie, die auch verhältnismäßig begütert war. Sie hatten damals eine Art Geldverleih und konnten damit den Leuten helfen, denn eine Bank auf dem flachen Land gab es damals noch nicht. So konnten sie auch Pfarrer Michael Kahler in Burkardroth ein Darlehen gewähren, der vom Kirchberg her eine Wasserleitung in das Pfarrhaus legen ließ. Die Herstellungskosten für die Leitung betrugen 800 Mark, die er bei Anton Albert aufnahm.
Pfarrer Kahler und seine Nachfolger hatten die gesamte Summe abzuzahlen, vom aufge-nommenen Kapital wurden pro Jahr 20 Mark zurückgezahlt. Der Zinssatz betrug 5 Prozent. Die 40. und letzte Rate mit 20 Mark zuzüglich Zins wurde am 22. Juli 1915 bei der Witwe Maria Eva eingezahlt.
Die Alberts taten sich aber auch als Wohltäter hervor, indem sie bei Spenden großzügig waren. Bei der Ausgestaltung der ehemaligen Klosterkirche wurde vom Kunstgeschäft M. Meinhard aus Würzburg ein gotischer Messing-Kronleuchter bestellt, der zur Beleuchtung des Kirchenschiffes nötig war und einen halben Zentner wog. Die Kosten, datiert am 29. März 1889, beliefen sich auf 315,30 Mark und wurden von Anton und Maria Eva Albert übernommen.

Kronleuchter im Heu versteckt

Bei den Glockenbeschlagnahmungen im Dritten Reich sollte neben den beiden Bronzeglocken auch der Kronleuchter im April 1942 zum Einschmelzen abgeliefert werden. Der Land-wirt Anton Metz, Enkel des Stifters, sollte den Leuchter zum Abtransport nach Bad Kissin-gen karren. Der dachte gar nicht daran und versteckte ihn in der Scheune unter Heu und Stroh. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kronleuchter in der Kirche wieder aufgehängt und an hohen Feiertagen benutzt.
Anton Albert verstarb an einer Lungenentzündung am 16. Dezember 1892. Vielleicht ihm zum Gedenken ließ seine Witwe das Kreuz im Jahre 1893 vom Bildhauer Engelbert Hümmler aus Nüdlingen errichten. Die Inschrift in der Inschriftennische in gotischer Schrift lautet:
"Betracht / O Christ mit Liebesglut / den der für Dich hingab / sein Blut / und empfehl im letzte End / Dein Seel in seine Händ".
Inschrift rechts: "Gestiftet von / Anton Albert / und dessen Gattin / Maria Eva / geb. Schuldheiß / in / Frauenroth / 1893".
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Urenkelin bezahlte Renovierung

1985 benötigte das Hochkreuz eine dringende Renovierung, die von der Bildhauerfirma Manfred Kessler aus Stangenroth durchgeführt wurde. Die Kosten wurden von der Ur- Enkelin der Stifter, Hermine, geb. Metz und ihrem Ehemann Edgar Reitelbach mit der Auszahlung ihrer Lebensversicherung übernommen.
Bei der Flurbereinigung 2000 musste das Kreuz versetzt werden, weil die Straße verlegt wurde und somit das Kreuz mit dem Rücken zur Straße stand.
Zurzeit wird das Kreuz von Hermine Reitelbach und ihren Nachkommen instand gehalten und die Anlage gepflegt, wozu auch Rudi Metz gerne beiträgt. Denn das Kreuz steht nicht nur zum Gedenken der Vorfahren in der Flur, es dient auch als Altar bei den Flur- oder Fronleichnamprozessionen, die in Frauenroth stattfinden. Auch für Maiandachten wird der Platz um das Kreuz gerne benutzt.Das Hochkreuz der Familie Reitelbach in Frauenroth.