An diesem Vatertag scheint die Sonne, die Luft ist warm. Perfektes Wetter für einen Ausflug ins Grüne oder ein Eis in der Fußgängerzone. Allein die Vorstellung, diesen herrlichen, freien Tag in der Schule zu verbringen, dürfte bei vielen Schülern spontane Fluchtreflexe auslösen. Nicht so für die Mitglieder der Theatergruppe "Spektakulös", die für ihre Aufführung am Mittwoch, 23. Mai, üben.

"So lange es die Theaterproben sind, ist es o. k.", meint Lorena Schmidt. Da könne man schon einmal einen freien Tag investieren. Lorena kam schon in der Grundschule zum Theaterspielen und übernimmt in Kathrin Heinrichs' Stück "Geldfieber" die Rolle der Oberschwester Anneliese.

"Das Theater ist losgelöst von der Schule", meint Leiterin Nicole Wirth. Die Schüler können sich in der Theatergruppe anders geben, als während des Unterrichts. Dass sie sich sogar an einem schulfreien Tag zum Üben treffen, zeige, "dass alle voll dahinterstehen", meint die Lehrerin.


Schauspielern soll Spaß machen



Sie leitet die Theatergruppe der Realschule bereits seit neun Jahren. Die Aufführung der Kriminalkomödie "Geldfieber" ist ihr achtes großes Projekt. "Wir spielen eigentlich nur lustige Stücke", sagt sie. Die Welt sei schließlich ernst genug, den Jugendlichen soll das Schauspielen Spaß machen. Und die Besucher sollen sich an einen unterhaltsamen Abend erinnern. Spaß ist laut Nicole Wirth Programm: "Die Schüler lachen sich schon scheckig, wenn sie nur ihre Kostüme anprobieren."

Der Eindruck bestätigt sich. Kurz vor Probenbeginn ist es sehr unruhig. Alle unterhalten sich, es wird viel gelacht. Die Proben scheinen momentan noch eher nebensächlich. Erst langsam kehrt Ruhe ein, und die Besetzung für die erste Szene des ersten Aktes kommt auf der schlicht ausgestatteten Bühne zusammen. "Wir spielen meistens mit wenig Bühnenbild. Die schauspielerische Leistung steht im Vordergrund. Und zu viel Dekor lenkt meist ab", klärt die Gruppenleiterin auf. Während der Proben greift sie immer wieder ein und gibt Anweisungen: "Jetzt musst du dich hinsetzen wie bestellt und nicht abgeholt."


Ältere übernehmen Verantwortung



Nicole Wirths Truppe ist bunt gemischt. Einige Schüler sind bereits Jahre dabei, andere geben in der kommenden Woche ihr Bühnendebüt. David Kunkel beispielsweise macht demnächst seinen Abschluss und gehört zu den Erfahrenen. Bei den Proben denkt er mit und gibt den Jüngeren Hilfestellungen und Tipps. Laut Wirth sei es normal, dass die Älteren Verantwortung übernehmen. Spektakulös sei "wie eine große Familie", findet die Lehrerin. Deshalb werden auch Ehemalige zu den Vorführungen oder den jährlich stattfindenden Probetagen in Münnerstadt eingeladen.

Der gute Draht zu der Gruppe ist für Nicole Wirth wichtig. Das fange schon bei der Auswahl der Stücke an. "Wenn ich ein Skript lese, läuft das Stück vor meinen Augen bereits wie ein Film ab", schildert sie. Sie wisse dann bereits, welcher Schüler für welche Rolle passe. Meistens stellt sie der Gruppe drei Stücke zur Wahl. Was dann letztlich umgesetzt wird, entscheiden die Hobbyschauspieler. Im Oktober oder November beginnen dann die ersten Proben. "Am Anfang den Text zu lernen, ist etwas stressig", findet Lorena, obwohl es ihr eigentlich recht leichtfalle. Aber es mache schließlich Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Wenn der Text erst einmal sitze, gehe der Rest von allein.


Wer macht mit bei "Geldfieber"?



Darsteller:
Patrick Matysiak (9d), David Kunkel (10d), Valentin Hirschler (9c), Nicole Herzen (9c), Josephine Hornung (9d), Michael Müller (8b), Vanessa May (9a), Johanna Heinze (9c), Sophie Schuhmann (10c), Kathrin Vogler (9c), Alisa Knüttel (9d), Lorena Schmidt (9c), Denise Müller (9c), Albina Justus (8a), Janine Fläschner (9c), Lisa Wich (7a), Paula Platzer (7c).

Regie und Regieassistenz:
Nicole Wirth, Dominik Leber, Melanie Thurn, Franziska Häusler. Souffleuse: Christin Martin (7c). Requisite: Rebecca Harrigan (7b).
Autorin: Kathrin Heinrichs, geboren 1970 in Langenholthausen (Nordrhein-Westfalen), ist hauptberuflich Krimiautorin und Kabarettistin.