Freude herrschte auch über die gelungene Zusammenarbeit zwischen der "sinfonietta franconica", die unter Leitung von Hermann Freibott spielte, und dem österreichischen Pianisten Franz Vorraber. Gemeinsam war von ihnen Frédéric Chopins Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll zu hören. Vorraber weihte damit - dritter Freudengrund - den neu erworbenen Flügel ein. Und auch für den gab's lobende Töne - von Ausführenden und Zuhörern.

Ganz ruhig, ohne jede Eile ging die "sinfonietta", die an diesem Abend in glänzender Besetzung spielte, den ersten Satz an. Ausgesprochen präzise im Spiel und harmonisch im wandlungsfähigen und -freudigen Klang zeigten die Musiker sich vom ersten Takt an und bereiteten auf diese Weise ein Hörvergnügen, das den gesamten Abend über anhalten sollte.

Für Vorraber, der die musikalische Vorlage selbstverständlich aufgriff und sie im Gestus fortführte, lieferten sie eine Vielzahl von Farben und genau ausgeformten Figuren, die der Solist eigenwillig weiter gestaltete. Er spielte mit angenehmer Nüchternheit, aber nicht Empfindungslosigkeit - im Gegenteil. Subtil war sie in sein gerades, bis in Details ausgearbeitetes Spielen verpackt; es brachte manche Formel oder Figur, manchen Lauf, der bei vielen Interpretationen untergeht, überraschend ins Bewusstsein.

Extrem direkt, auf das Notwendige beschränkt und gerade darum so aufregend war beispielsweise das abschließende Rondo (bei dem auch der gelegentlich sich ergebende Wechsel zwischen fahlem Streicherklang und hell dahin perlenden Klaviertönen reizvolle Gegensätze schuf) gespielt. Eine Art, unverblümt Tatsachen in differenzierten Ausformulierungen in den Raum zu stellen, die faszinierte. Und staunende Freude konnte man empfinden bei den zahlreichen virtuosen Passagen, die so herrlich unangestrengt gespielt waren. Skalen aus glasklar von einander getrennten Tönen und Wogen kraftvoll, aber immer behutsam geformter Akkorde wechselten, cantabel modellierte Melodien leuchteten daraus hervor. Gute, deutsche Pianistenschule und ein Auge stets auch auf Meister Scarlatti gerichtet.

Ein erstaunlich flexibles Orchester und ein in der musikalischen Aussage wortgewandter Pianist fanden hier in angeregtem Miteinander zusammen. Das neue Instrument unterstützte dieses Treffen: Der Flügel brachte viele (auch orchestrale) Farben ins Spiel, er hat Kraft und vermag den großen Saal mühelos zu füllen, ohne dass er aufdringlich wirkt. Im Piano zeichnet er gut und war im Konzert in der Lage, sich vom Orchester abzusetzen oder damit zu verschmelzen.

Das ist es, was der Hörer wahrnimmt. Doch auch der Spieler war mehr als zufrieden: "Ein schönes Instrument", sagte er nach dem Konzert. "Es ist für den Raum klanglich genau passend und spielt sich sehr gut." Nicht unwesentlich findet Vorraber die Tatsache, dass es noch ein in Deutschland hergestelltes, hochwertiges Instrument ist. Die Entscheidung für die Investition in ein gutes Instrument begrüßt er: "Es ist gut, dass so etwas hier gemacht wird. Das ist nicht selbstverständlich." Der Saal, sagt er, habe für Konzerte, wie sie künftig hier auch angeboten werden sollen, eine optimale Größe. "Ich fänd‘s toll, wenn es laufen würde", äußert er sich zu der Reihe, die er mit der "sinfonietta franconica" nun eröffnet hat.

Wünschenswert wäre das in der Tat. Übrigens auch, wenn mancher Konzertgänger beim Betrachten des Programmblatts skeptisch sein mag: Nicht überall, wo Grieg und Kleine Nachtmusik draufstehen, ist Kitsch und Käse von gestern drinnen. Denn was die "sinfonietta" bei Grieg ("Zwei elegische Melodien") an unterschiedlichem Kolorit und Stimmungen, die zugleich süßes Gift und Brüchiges zeigten, war beeindruckend. Und die straff und energisch begonnene Mozart-Serenade war richtig belebend. Mit Witz und Finesse waren die vier Sätze gespielt, wohl wissend um deren Popularität, aber nicht im Bemühen, nur billige Erwartungen zu entsprechen. Hier durfte Mozart durchaus ab und an die Zunge herausstrecken, und eintaktige Themen wanderten, einem Ballspiel ähnlich, mit äußerster Genauigkeit durch die Instrumentengruppen, statt müde von einem Pult zum nächsten geschoben zu werden.

Wenn das Niveau so bleibt, ist der "Bad Bockleter Musikfrühling" sicher für einige Überraschungen gut - und wird doch ein Programm bieten, bei dem die Hemmschwelle nicht allzu hoch ist.