Präsenz zeigen, nah an den Menschen sein, nicht nur von Plakaten herunterlächeln. In der heißen Phase des Wahlkampfes geht Sabine Dittmar im Garitzer Altort von Haustür zu Haustür, klingelt, wartet, bis jemand öffnet. "Guten Tag, ich bin Sabine Dittmar, ihre SPD-Kandidatin für den Bundestag. Ich wollte mich einmal in echt bei ihnen vorstellen, damit Sie mich nicht nur von Bildern kennen", sagt sie dann.
Seit 2013 ist die Ärztin aus Maßbach Mitglied im Parlament. Eine Diskussion über Wahlversprechen, das Programm ihrer Partei und die Positionen von Kanzlerkandidat Martin Schulz fängt sie an der Haustüre nicht an - nur wenn jemand fragt. Sie appelliert an die Leute, wählen zu gehen, verteilt Wahlkampflyer und kleine Give Aways, ein rotes Päckchen mit Pflastern zum Beispiel oder Traubenzucker für die Kinder. Dann geht es weiter zu nächsten Haustüre.


Gute Stimmung auf der Straße

Rund 1000 solcher Besuche haben Dittmar und ihre Unterstützer in den vergangenen Wochen absolviert. 1200 Plakate wurden im gesamten Wahlkreis, also in den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge aufgehängt. 130 000 Flyer sowie 5000 Kulis und Blöcke wurden verteilt. "Ich erlebe an den Haustüren und Infoständen eine andere Stimmung, als es die Demoskopen prognostizieren", sagt die 53-Jährige. In den Umfragen sind die Sozialdemokraten zwar immer zweitstärkste Partei, kamen im jüngsten ARD-Deutschlandtrend aber nur noch auf 20 Prozent Zustimmung. Dittmar schüttelt den Kopf, gibt sich kämpferisch: 30 Prozent aufwärts müsste für die SPD zu holen sein, es komme vor allem darauf an, möglichst viele Menschen am 24. September an die Wahlurnen zu bekommen. "Ich erlebe dieses Jahr viele Nichtwähler, die sagen, dass sie wählen gehen, vor allem weil sie die Rechten im Bundestag verhindern wollen", erzählt sie.


Karriere dank Perfektionismus

Seit Ende Juli ist die Gesundheitspolitikerin auf Wahlkampftour unterwegs. Wie viele Termine sie in den vergangenen Wochen wahrgenommen hat, hat sie nicht mitgezählt. Es ist Donnerstagmorgen. Ihr Campaigner René van Eckert, setzt sie bei strömenden Regen in der Nähe des Polenfriedhofs in Wildflecken ab. Der unterfränkische Reservistenverband startet in wenigen Minuten von hier in die sechste Etappe des Marschs der Verbundenheit (mehr auf). Was Dittmar zu dem Zeitpunkt nicht weiß: Von dem Parkplatz ist es ein 20-minütiger Fußweg zum Polenfriedhof, die Reservisten wird sie nie pünktlich erreichen: Wenig später lässt Dittmar sich von ihrem Helfer wieder abholen und zum nächsten Etappenziel fahren, wo sie auf die Gruppe wartet. Sie ärgert sich. "Ich bin ein sehr ordentlicher, manchmal pedantischer Mensch", sagt sie. "Das hätte mein Büro ordentlich recherchieren müssen."
Die Karriere von Sabine Dittmar wäre ohne ihren Perfektionismus und dem akribischen Willen sich zu verbessern so wohl nicht möglich gewesen. Nach dem Haupt- und Berufsschulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Kinderpflegerin, holte später das Abitur nach, studierte Medizin und praktizierte mehr als zehn Jahre in Maßbach als Ärztin. 2008 wurde sie überraschend in den Landtag gewählt. "Eigentlich war Kay Blankenburg damals unser Wunschkandidat für den Landtag", sagt Dittmar. Als der dann Oberbürgermeister in Bad Kissingen wurde, rückte sie nach und schaffte auf Anhieb den Sprung nach München. Fünf Jahre später ließ sie sich für die Bundestagswahl aufstellen und wurde zur Nachfolgerin von Susanne Kastner.


Gelassen durch den Regen

Den Regen wird Sabine Dittmar an diesem Donnerstag nicht mehr los. Beim Marsch der Verbundenheit gießt es wie aus Kübeln, bei der feierlichen Vereidigung von 500 Offiziersanwärtern der Bundeswehr in Bad Bocklet (siehe ) am Abend ebenso. Nur als sie in Garitz von Tür zu Tür läuft, lässt sich die Sonne kurz blicken. Dass das Wetter unangenehm ist, ihr der Wind sogar den sozialdemokratisch roten Regenschirm knickt, nimmt sie mit derselben Haltung entgegen, wie die wenig rosigen Umfragewerte ihrer Partei. "Die SPD hat in ihrer 150-jährigen Geschichte schon ganz andere Stürme überstanden", sagt sie und lacht.