Otto von Botenlauben ist einer der wenigen Minnesänger, dessen Verse in allen drei großen Handschriften, dem Codex Manesse, der Weingartner Liederhandschrift und den Carmina Burana aufgezeichnet sind. Aber auch bei den dichtenden Zeitgenossen nimmt der Henneberger Graf durchaus eine besondere Stellung ein.

Botenlauben von Hugo von Trimberg geadelt

So fordert schon um 1250 der Minnesänger Gottfried von Neifen die Verseschmiede der Stauferzeit auf, sich mit ihrer Dichtkunst an der "steinwant von Botenlouben" (Mauern von Botenlauben) zu messen. 50 Jahre später adelt Hugo von Trimberg in seinem Dichterverzeichnis den Botenlauber, indem er ihn an die erste Stelle setzt und andere Sängerkollegen tadelt, dass diese die Melodien vergessen würden, die adelige Herren von früher gesungen hätten.

Weit bekannter als diese Aufzeichnungen sind die einprägsamen, fantasievoll gestalteten Bilder der Minnesänger, die ihren Texten an die Seite gestellt sind. Unbekannte Künstler haben sie vor über 700 Jahren auf Pergament gemalt. Weltweit bekannt, erschließen sie die lyrische Welt der gerne verklärten Zeit des Mittelalters.

Der Codex Manesse

In der "Großen Heidelberger Liederhandschrift", wie der Codex meist genannt wird, illustrieren farbige Bilder auf 137 Tafeln die Texte der abgebildeten Minnesänger. Das Werk ist nach ihrem Auftraggeber, der Patrizierfamilie Manesse bezeichnet und entstand in Zürich zwischen 1300 und 1340, also gut 50 Jahre nach Otto v. Botenlaubens Ableben.

140 Dichter hatten über 5400 Strophen verfasst. Über zwanzig Jahre haben mindestens zehn verschiedene Schreiber diese Verse zu Pergament gebracht. Fünf verschiedene Maler haben Botschaften aus den Liedern aufgegriffen, sie im Bild angedeutet und mit leuchtend frischen Farben illustriert. Den Minnetexten sind meist "sprechende" Bilder und die Wappen der Sänger zugeordnet.

Diese Sammlung höfischer Lyrik ist die bedeutendste Handschrift des europäischen Mittelalters überhaupt. Im klimatisierten Tresor hütet die Universitätsbibliothek Heidelberg den kostbaren Schatz. Für die Reihenfolge der Abbildungen wurde das Prinzip der ständischen Rangordnung zugrunde gelegt. Die Tafel 14 zeigt Otto von Bodenlaube.

Die Weingartner Liederhandschrift

Etwa zur gleichen Zeit - um 1310 - ist in Konstanz eine weitere Sammlung von Minnelyrik entstanden. Sie wird Weingartner Liederhandschrift genannt, weil sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts dem oberschwäbischen Benediktinerstift in Weingarten geschenkt wurde. Jetzt wird sie in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt.

Auch sie zeigt mittelhochdeutsche Versdichter vom Ende des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. Diese Handschrift enthält 33 Textblöcke in gotischer Minuskel und zeigt typisierte Darstellungen der Minnesänger. Sie beginnt ebenfalls mit Kaiser Heinrich VI., auf Tafel 6 folgt "Otto vo Botelaube". Dargestellt ist ein vornehmer Mann mit blonden Haaren, die ein rotes Diadem fasst (siehe Bild).

Die Carmina Burana

Die Carmina Burana sind die dritte der mittelalterlichen Quellen mit Liedern und Dichtung. Eine umfangreiche Sammlung von Handschriften, die im 11. und 12. Jahrhundert entstanden sind und über 200 lateinische, mittelhochdeutsche oder provenzalische Lied- und Dramentexte fassen. Darunter sind Liebes- und Kreuzzugslyrik, aber auch Trink- und Spielerlieder und nicht wenige Spottgesänge. Allerdings sind hier die Dichter nicht porträtiert.

Entstanden um 1230 haben zwei Schreiber sie auf 119 Blatt Pergament geschrieben. 1803 wurde die Handschrift im Kloster Benediktbeuren gefunden. Weltweit bekannt wurde die Sammlung auch durch Carl Orffs Vertonung von 1936. Diese Solo- und Chorgesänge gehören zu den meistgespielten klassischen Werken überhaupt.

Erinnerungen heute

Die Bedeutung Ottos hat die Stadt Bad Kissingen 1965 mit einem Denkmal der Kissinger Bildhauerin Lore Friedrich-Gronau gewürdigt: Er sitzt als Harfe spielender Sänger auf dem Minnesängerbrunnen im Herzen der Stadt vor dem Rathaus. Zum 750. Todestag 1994 hat Stadtarchivar Peter Weidisch mit Band 1 der Bad Kissinger Archiv-Schriften einen wertvollen Aufsatzband herausgebracht, der vom vielseitigen Botenlaubers handelt.

Seit 1984 erinnert der Heimatverein Reiterswiesen an der Burgruine mit den Botenlauben Festspielen an den wohl bedeutendsten Sohn der Stadt, beim Rakoczyfest erinnern Otto und Gemahlin Beatrix an glanzvolle Zeiten vor 800 Jahren.

Coronabedingt müssen die im vorigen Jahr geplante Ausstellung und das Historienspiel am 30. Mai zum 800-jährigen Jubiläum der Rückkehr der Botenlauber aus dem Heiligen Land ausfallen.

Auch die Botenlauben-Festspiele vom 18. bis 20.September 2021 werden zumindest in gewohnter Form eher unwahrscheinlich.