"Du kannst etwas verändern! Ich habe nur keinen Bock darauf...", diesen und ähnliche Sprüche warf Kabarettist Olaf Schubert seinem Publikum in der Schlossberghalle in Nüdlingen um die Ohren. Und das Publikum war begeistert. Schubert gab sich im Rahmen der Tournee zu seinem Bühnenprogramm "So!" die Ehre. Eine solche Gelegenheit musste genutzt werden, entsprechend waren die Plätze ausverkauft.
Dabei ist Schubert durchaus ein Künstler, der polarisiert, mit der eigenwilligen Art des Sachsen im gelb-schwarzen Pullunder muss man erst einmal umgehen können. Als die Show begann, hatten zur Überraschung mancher Besucher zwei Musiker, ein Trompeter und ein Gitarrist, ihre Plätze eingenommen und spielten Jazz. "Alles aus Kalkül", meinte Bert Stephan, Trompeter, Schuberts Mann fürs Finanzielle und einführender Redner. "Je schlechter wir klingen, desto besser wirkt er daneben!" Nun gut, da die Herren nun aber gar nicht schlecht spielen, durfte man von Schuberts Seite auf Großes hoffen.
Vollkommen zu Recht, denn Schubert unterhält bestens, von Anfang an. Wo andere Künstler vielleicht erst die Menge anheizen müssten, um Stimmung aufkommen zu lassen, nimmt er das Publikum mit seiner unkonventionellen Art in Beschlag und lässt es bis zum Schluss nicht mehr los, von einer halbstündigen Pause einmal abgesehen.
Aber nicht nur durch diese musikalischen Einlagen, die Schuberts Bühnenprogramme übrigens schon seit geraumer Zeit prägen, gestaltete sich das Programm vielfältig, auch die Themenauswahl war breit gefächert. Ökologische Ernährung, Streiks, die andauernde Ausrüstungskrise der Bundeswehr, allgemeine Unehrlichkeit, Gleichberechtigung, digitale Medien, all das und noch mehr behandelte Schubert mit der ihm eigenen Eloquenz, von ihm selbst zwischendurch als "orale Spasmen" bezeichnet.
Auch die Bundeskanzlerin blieb nicht verschont. "Angela Merkel wurde also vom hässlichen Entlein zu ... keinem schönen Schwan. Ein Nutzschwan eben." Und in diesem Sinne brachte Schubert einen Spruch nach dem anderen an. "Steuerzahler, entrichte den Tribut, du Sack!" (Weil Post vom Finanzamt nie schön ist und grundsätzlich immer unfreundlich klingt, erläutert der Kabarettist.)

Freche Seitenhiebe

Beim Thema Ernährung und Übergewicht erklärt Schubert: "Man sieht eine Menschengruppe, und dann ist es doch nur einer ..." Ein andermal "schmiegt sich mir ein Lächeln auf die Lefze". Und um die Welt zu verbessern, muss man halt was tun, frei nach dem Motto: "Wenn man den Garten düngen will, reicht es nicht, durch den Zaun zu furzen."
Aber zwischendurch gibt es auch immer wieder ironisch freche Seitenhiebe, sei es gegenüber dem Begleitgitarristen Jochen Barkas oder auch dem Publikum und dem Veranstaltungsort. Solche spontanen Einbeziehungen zeichnen nicht nur aufmerksame Künstler aus, sie kamen bei den Nüdlingern auch unheimlich gut an. Nach etwa eineinhalb Stunden dann das vermeintliche Ende, das noch einmal durch eine Zugabe aufgeschoben wurde. Der "Preis" dafür kam in Form einer äußerst unterhaltsamen Verkaufspräsentation für Schuberts CDs und musikalischen Arbeiten durch Herrn Stephan daher.

Winzig kleines Solo

Beim großen Finale ließ es sich Olaf Schubert nicht nehmen, eine E-Gitarre umzuschnallen. Mehr hat er nicht damit gemacht, vorerst. Als er dann schließlich als Schlusspunkt die Gitarre doch noch für ein winzig kleines Solo nutzte, war die Stimmung im Saal perfekt.
Die Gäste waren vollends begeistert. Selbst von Seiten der für die Sicherheit auf der Veranstaltung zuständigen Männer der Freiwilligen Feuerwehr Nüdlingen ließ sich entsprechende Zufriedenheit vernehmen, doch war man auch hier "von der Musikalität der Show echt überrascht und begeistert", meinte zumindest Florian Wilm, der den gesamten Auftritt neben der Bühne verfolgt hatte. Eine unheimlich lustige Show, die deutlich Lust auf mehr macht.