Die Altstadtidylle rund um den "Wankelbrunnen" ist wieder ein bisschen gemütlicher und schöner geworden. In Sichtweite des Baderturms ziert eine sieben Meter lange Holzbank seit einigen Tagen die Südwestecke des "Halser"-Hauses und bietet - besonders in lauen Sommerabendstunden - ein gemütliches Plätzchen zum Ausruhen, Plauschen und Genießen eines heimischen Schoppens.

"Ich bin ein wenig neidisch, weil die Altstadtbürger hier besonders aktiv sind", gestand stellvertretender Bürgermeister Reimar Glückler zur Einweihung am Dienstagabend. Sein Lob galt den Herstellern der Ruhebank: der jungen, heimischen Holzbildhauerin Maria Budewitz, die zwei Holzfiguren als Bankabschlüsse und Armlehnen - ein typisches Hammelburger "Winzer-Herrle" und sei "Frääle"- schuf; und ihrem Vater Reinhard Budewitz, der die Sitzgelegenheit zimmerte.

Der Obst- und Gartenbauverein stiftete diesen Ruhesitz, der, wie Vorsitzender Reiner Reuß betonte, mit rund 1 800 Euro aus Feiererlösen am Wankelbrunnen finanziert wurde. "Da ist kein Cent der Mitgliedsbeiträge eingeflossen", betonte er stolz.

"Dess is was für die, die sich ausruh‘ wölle, vo die Nochbern und is ganz doll", lobte die Kreisvorsitzende der Obst- und Gartenbauvereins, Irmgard Heinrich in bestem Heimatdialekt. "Damit hat der Obst- und Gartenbauverein Hammelburg wieder etwas Originelles und Schönes für die Stadt erbracht."

Reinhard Budewitz und Tochter Maria haben sich "bestes, gerade gewachsenes Eichenholz" für ihr Werk ausgesucht. Budewitz wollte nicht verraten, wie viele Arbeitsstunden er in die Bank (mit Fußauflage!) investiert hat. Aber es dürften wohl locker um die 50 Stunden gewesen sein.

Tochter Maria, die das bunt bemalte Winter-Pärchen schnitzte, hat seit dem vergangenen Monat ihren Meisterbrief als Holzbildhauerin in der Tasche. "Ich habe alle vier Bereiche - Theorie, Praxis, kaufmännischer Sektor und den Ausbildungsschein - absolviert und bestanden. Die Bestätigung, der Meisterbrief, wird in Kürze überreicht", informierte sie.

Die junge Holzbildhauerin will in ihrer Heimatstadt bleiben und von Hammelburg aus auf selbstständiger Basis ein Kleinunternehmen aufbauen. "Ich hoffe, dass ich Kunden aus der Region generieren kann", gibt sie sich optimistisch und verweist auf bereits erledigte Aufträge wie bei der Kgl. priv. Schützengesellschaft, für die sie eine Schützenscheibe schnitzte. Auch die gelungene Figur der Hl. Agnes in der Spitze des Wankelbrunnens stammt von ihrer Hand.

Als eine der wenigen Holzbildhauerinnen in der Nahregion erlernte Maria Budewitz ie ihr Handwerk in drei Jahren an der Holzschnitzschule Bischofsheim und absolvierte danach ihren Meisterkurs im thüringischen Empfertshausen und in Schweinfurt.