Weich gleitet das Messer durch den Teig - dazwischen Käsesahnecreme. Nebenan knallt laut der Sektkorken, und schon werden die Gläser gefüllt. Gut gelaunt und unter viel Gelächter werden die neuesten Nachrichten ausgetauscht. Was sich nach einer Daily-Soap auf dem Pferdehof anhört, ist die "Mittwochs-Kuchenrunde" auf dem Lindenhof. Direkt neben den großen Scheiben, die den Blick auf die Reithalle freigeben, treffen sich Annette Mayr und ihre Freundinnen nach dem gemeinsamen Reitunterricht zu Kaffee, Kuchen und einem kleinen Gläschen Sekt.
Gefunden hat sich die Gruppe erst auf dem Pferdehof von Gerold Ort. Hier in Hambach hat er im Herbst 1993 mit dem Bau des Lindenhofs begonnen. Heute stehen in seinen Ställen 80 Pferde, darunter zwölf eigene. "Schon mein Opa war Pferdezüchter", erzählt Ort. Zwischenzeitlich habe die Familie allerdings keine Pferde mehr besessen, um sich auf die Landwirtschaft zu konzentrieren. Mit dem Halten von Sport- und Freizeitpferden habe er sich heute seinen Kindheitstraum erfüllt, so der Pferdewirt.
Um so vielen Pferden ein Zuhause bieten zu können, hat Gerold Ort seinen Hof in den letzten 20 Jahren ständig erweitert. Neben der Reithalle mit 1200 Quadratmetern bietet der Lindenhof drei Außenplätze, auf denen die Tiere täglich bewegt werden können: Zwei Dressurplätze und ein großer Springplatz mit 3000 Quadratmetern. Rund herum führt eine 600 Meter lange Galoppbahn. Eine Geländestrecke mit 80 Naturhindernissen kann vom Anfänger bis zum Olympiasieger genutzt werden.


Gesundheitscheck beim Füttern

Wer nicht ausreiten oder trainieren möchte, der gymnastiziert sein Pferd in der Longierhalle oder auf dem Longierplatz. Steht kein Training an, stehen die Pferde auf einer der 25 Koppeln, die mit bis zu einem Hektar auch Platz für mehrere Tiere bieten. Wenn um sieben Uhr dann die Arbeit auf dem Hof beginnt, wird bereits bei der ersten Futterrunde der Gesundheitszustand jedes Tieres gecheckt. Die Durchschnitts-Miete einer Pferdebox von 350 Euro pro Monat umfasst neben dem Füttern und der Kontrolle der Tiere auch die Instandhaltung des Geländes und das Ausmisten der Ställe. Hier sind viele helfende Hände gefragt, deshalb ist der Lindenhof über die Jahre auch zum Ausbildungsbetrieb geworden. Vier Lehrlinge befinden sich in der Ausbildung zum Pferde- oder Landwirt. Neben ihnen arbeiten zwei Teilzeit- und eine Vollzeitkraft auf dem Hof.
Weitere Unterstützung erhält Gerold Ort von seiner Frau und von Sohn David, der inzwischen Mitinhaber des Pferdehofes ist. Gemeinsam wollen sie noch einmal richtig Vollgas geben: "Das erfordert Mut, Überzeugung und Willenskraft", weiß Ort. Im Vordergrund stehen nicht nur große Projekte wie Um- oder Neubauten, auch kleinere Arbeiten wie die Frischwasserversorgung für jede Koppel, gehören zum Konzept. Der ganzjährige Pferdepensionsbetrieb allein sei für einen Pferdewirt in Franken jedoch kein sicheres Standbein, erklärt Ort.
Deshalb produziert er seit 2004 sein eigenes Futter. Mit dem Raps- und Getreideanbau hat sich Gerold Ort ein zweites Standbein aufgebaut. Drei bis vier Kilogramm Kraftfutter frisst ein gesundes Pferd je nach Leistung und Saison am Tag - insgesamt 90 Tonnen verdrücken die vierbeinigen Bewohner des Lindenhofs jährlich. Während der Rest vermarktet wird, wandert also ein kleiner Teil des Getreides in die eigene Kraftfutterproduktion.


Ohne Pflanzenschutz und Dünger

Zusätzlich benötigen die Tiere täglich zehn bis zwölf Kilogramm Heu. Um vom Markt unabhängig zu sein, baut Ort auch dieses selbst an, auf sogenannten extensiven Wiesen, also ohne Pflanzenschutz und Dünger. Mit dem Projekt "Brönnhof" hat er sich vor zwei Jahren ein drittes Standbein aufgebaut: Landschaftspflege mit Tieren. Nun wird der alte US-Übungsplatz umweltschonend gepflegt: Auf 60 der 2275 Hektar halten Wildpferde und Angus-Rinder das Gras und die Hecken kurz.
Auf dem Nationalen Naturerbe haben die Tiere die Möglichkeit, artgerecht zu leben, wobei sich die Herden ständig erweitern. Erst vor kurzem kamen erneut Kälbchen und Fohlen zur Welt. Das nachhaltige Projekt liegt Ort sehr am Herzen: "Als Zwölfjähriger bin ich zum ersten Mal auf dem Pferd über den Brönnhof geritten, seitdem war ich von der Schönheit des Gebietes begeistert." Heute fährt er täglich die 15 Kilometer vom Lindenhof zu seinen Tieren - auch wenn sie dort weitestgehend auf sich allein gestellt leben, kontrolliert der Pferdewirt jeden Tag den Gesundheitszustand und die Wasserversorgung.


Turnier wieder im August

Ort züchtet wie sein Großvater Pferde. "Die Pferdezucht ist für mich eher ein Hobby", erklärt er. Zu lang dauere die Aufzucht und Ausbildung, um daraus ein richtiges Geschäft zu machen. Dennoch möchte er nicht darauf verzichten: "Wir leben für unsere Pferde, da gehört das einfach dazu." Da auf dem Lindenhof je ein Drittel Freizeit-, Dressur- und Springpferde trainiert werden und Vater und Sohn selbst gerne an Wettkämpfen teilnehmen, veranstaltet Ort auch internationale Vielseitigkeitsturniere. Damit ist er einer von drei Veranstaltern in Bayern und der einzige in Franken. Reiter aus 14 Nationen haben an Wettkämpfen am Lindenhof teilgenommen. Das nächste Turnier ist vom 24. bis 26. August. Lena Köster