Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt das öffentliche Outing von 125 Beschäftigten in der katholischen Kirche. Man sehe es als Auftrag, daran zu arbeiten, "dass ein Klima der Angstfreiheit in unserer Kirche herrschen und entstehen muss", sagte der Aachener Oberhirte Helmut Dieser am Montag in Würzburg am Rande einer Tagung des Ständigen Rats der Bischofskonferenz.

Zu den 125 Pfarrern, Pastoralreferentinnen und -referenten, Religionslehrerinnen und -lehrern sowie Mitarbeitenden von kirchlichen Krankenhäusern und Kindertagesstätten, die öffentlich bekennen, lesbisch, schwul, trans, inter, queer oder non-binär zu sein, gehören mit Diözesanjugendseelsorger Stephan Schwab und Hochschulpfarrer Burkhard Hose auch zwei Priester aus dem Bistum Würzburg.

Beeindruckt von der Welle an Unterstützung

Schwab und Hose zeigten sich am Montag beeindruckt von der Welle an Unterstützung, die sie für ihre Teilnahme an der Aktion mit dem Titel #OutInChurch seitens vieler Wegbegleiter erfahren hätten. "Die Resonanz war super", freute sich Hose über viele "ermutigende Mails". Besonders berührt hätten ihn Rückmeldungen von Kollegen, die selbst nicht den Mut gehabt hätten, sich zu outen, "uns aber gleichwohl ihre Solidarität bekundet haben". Kritik sei nur vereinzelt laut geworden.

Rückendeckung gab es auch aus dem Bistum Würzburg, auch wenn sich Bischof Franz Jung selbst nicht äußerte. Sprecher Bernhard Schweßinger verwies auf Anfrage dieser Redaktion auf die Arbeitsgruppe "Regenbogenpastoral", die Jung im Frühjahr 2021 eingesetzt habe, um den "Bedarf an Seelsorge" für Personen, die sich selbst queer nennen, zu beantworten. Pastoralreferentin Lucia Lang-Rachor, die Leiterin der Arbeitsgruppe, erklärte, man werde die "immer noch bestehende Beschämung und Diskriminierung queerer Menschen in der Kirche" weiterhin zum Thema machen. Die Arbeitsgruppe sei überzeugt: "Eine Kirche, in der Menschen ohne Angst leben und arbeiten können, ist eine bessere Kirche."

Im Bistum bekannt

Auf die Frage, ob die Priester Schwab und Hose für ihr Outing mit Konsequenzen durch den Würzburger Bischof rechnen müssen, schrieb Sprecher Schweßinger, es sei im Bistum bekannt, "dass beide homosexuell sind". Jenseits der jeweiligen sexuellen Orientierung erwarte der Bischof von jedem Priester, "dass er sein Zölibatsversprechen hält" - das heißt, dass er nicht in einer Partnerschaft und dazu sexuell enthaltsam lebt.

"Reifer Umgang mit eigener Sexualität"

Homosexualität scheint derweil kein grundsätzliches Hindernis zu sein, um Priester werden zu können. Priesterkandidaten aus dem Bistum Würzburg werden laut Schweßinger nicht gefragt, ob sie homosexuell sind, bevor sie ins Priesterseminar aufgenommen werden. Es werde in der Ausbildung vielmehr Wert darauf gelegt, "sich über die sexuelle Orientierung klar zu werden, um einen reifen Umgang mit der eigenen Sexualität zu entwickeln".

Mit "keinerlei Maßnahmen" rechnen

Und wie geht die Diözese mit Menschen um, die in einer Pfarrgemeinde oder in Einrichtungen mit einem katholischen Träger arbeiten und in einer nicht-heterosexuellen Partnerschaft leben? Bernhard Schweßinger verwies hier auf den Synodalen Weg, der den Umgang mit Homosexualität diskutiere. Aktuell müssten betroffene Menschen, die beim Bistum angestellt sind, mit "keinerlei Maßnahmen" rechnen. Bei der Caritas, unter deren Dach rund 17 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei 600 eigenständigen Rechtsträgern - darunter viele Kindergarten-Vereine - in der Diözese beschäftigt sind, werde jeder Einzelfall für sich betrachtet.

Situation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

In den vergangenen Jahren hätten nur sehr wenige Mitarbeitende "aufgrund einer persönlichen Lebensentscheidung" von sich aus gekündigt. "In einigen zahlenmäßig relativ wenigen Fällen" sei die Situation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer "geklärt". Dies habe bislang "in keinem Fall zu einem Zerwürfnis beziehungsweise zu einer Trennung geführt". Michael Czygan