Bad Kissingen
Gericht

Priester steht wegen sexuellem Missbrauch einer jungen Ministrantin vor Gericht

Eine junge Frau wirft einem Geistlichen des Bistums Würzburg sexuellen Missbrauch vor: Als sie gerade mal 12 Jahre alt und noch Ministrantin war, soll er ihre Bewunderung für ihn schamlos ausgenutzt haben. Nun muss sich der Geistliche am Amtsgericht Bad Kissingen den Vorwürfen stellen.
 

Würzburger Priester wegen Kindesmissbrauch angeklagt: Ein Priester aus dem Bistum Würzburg muss vor Gericht, da eine junge Frau ihn des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Vor zehn Jahren - damals war sie zwölf Jahre alt, ein Kind - habe er sich an ihr  vergangen. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt beurteilt den Fall als schwer und hat Anfang Juni Anklage erhoben. Am Donnerstag, 20. August, muss sich der Geistliche, der heute Anfang 40 ist, am Amtsgericht Bad Kissingen den Vorwürfen stellen.

Das Mädchen hat laut Staatsanwaltschaft für den Angeklagten geschwärmt - und bestätigte dies auch vor dem Schöffengericht. "Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich mich verliebt habe", sagte die junge Frau. "Ich habe ihm geschrieben. Ich war ziemlich hartnäckig." Doch der Angeklagte habe ihr mit Verweis auf seinen Beruf gesagt, dass dies nicht gehe.

Geistlicher aus Würzburg wegen schwerem Kindesmissbrauch vor Gericht

Laut Anklage soll es damals zwischen der Minderjährigen und dem Pfarrer zu mindestens einem Zungenkuss und zwischen November 2010 und Februar 2011 in einem Wald am Rande einer unterfränkischen Gemeinde zu sexuellen Handlungen gekommen sein.

Der katholische Priester hat eine sexuelle Beziehung mit einer ehemaligen Ministrantin eingeräumt. Die Beziehung habe allerdings erst nach dem 18. Lebensjahr der jungen Frau begonnen, sagte der 43-Jährige bei seiner Befragung durch die Polizei im Frühjahr 2019, aus der der Vorsitzende Richter am Amtsgericht Bad Kissingen am Donnerstag vorlas.

Die Beziehung zu der heute 22-Jährigen habe er im Februar 2019 beendet. "Es hat mich innerlich zerrissen", erklärte der Pfarrer mit Blick auf das für Priester geltende Zölibat - ein Versprechen vor Gott, ehelos und keusch zu leben. Kindesmissbrauch bestritt er in der Befragung.

Priester gesteht Beziehung zu Klägerin - doch erst als sie über 18 war

Staatsanwältin Isabell Simon geht davon aus, dass der Angeklagte wusste, dass die Schülerin damals noch minderjährig war. Die Anklage lautet daher auf sexuellen Missbrauch von Kindern und schweren sexuellen Missbrauch von Kindern.

Der Fall ist diffizil - und er nimmt eine Sonderstellung ein. Er ist der einzige in Bayern, bei dem es aufgrund der von der katholischen Kirchen an die Staatsanwaltschaften ausgehändigten Personalakten zur Anklage gekommen ist. Dabei sah es anfangs auch hier nicht danach aus. Die Ermittlungen waren zunächst im März 2019 eingestellt worden.

Der Grund dafür lag laut Leitendem Oberstaatsanwalt Axel Weihprecht darin, dass aufgrund der in der Akte vermerkten Angaben ein Tatnachweis nicht zu führen gewesen sei. Dann habe die Frau neue Angaben gemacht, die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen. Aufgrund der Schwere der Taten - zwei werden dem Priester zur Last gelegt - liege die Verjährungsfrist bei 20 Jahren, so Weihprecht.

"Schock" für Gemeinde: Missbrauchsfall bei Gottesdienst bekannt gegeben

Öffentlich bekannt wurde die Beschuldigung Ende Februar dieses Jahres. Da gab das Bistum bekannt, dass Bischof Franz Jung den Geistlichen suspendiert und eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet habe. Der Generalvikar informierte die Gemeinde beim Gottesdienst. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats sprach damals von "Schock".

Dass überhaupt kirchliche Personalakten den Staatsanwaltschaften vorlagen, hat direkt mit der Missbrauchsstudie (MHG-Studie) der katholischen Kirche tun. Die deutschen Bischöfe hatten sie 2014 in Auftrag gegeben, im September 2018 wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Die Empörung war groß: Laut Studie waren 1670 Kleriker beschuldigt worden, 3677 Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben. Untersucht worden waren von den Forschern jedoch nicht alle Akten, denn die Bistümer hatten vorab eine Auswahl getroffen. Auch der Zeitraum war unterschiedlich. Zehn Bistümer stellten Akten von 1946 bis 2015 zur Verfügung, 17 Bistümer von 2000 bis 2015.

Im Dezember 2018 hatte Würzburgs Bischof Franz Jung bekannt gegeben, dass das Bistum Akten über Missbrauchsvorwürfe gegenüber Klerikern an die Staatsanwaltschaft übergebe. Ebenso Dokumente, die gesichtet, aber in der Missbrauchsstudie nicht erfasst wurden, weil sie nicht Teil der Studienvorgabe waren.

Missbrauchsstudie der katholischen Kirche deckt Tausende Fälle auf

Die Weitergabe der Akten an die staatlichen Strafverfolgungs- und -vollstreckungsbehörden hatten im Oktober 2018 sechs Juristen gefordert und Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Sie forderten aufgrund der Studienergebnisse in ihrer Anzeige eine Durchsuchung jeder Diözese und die Beschlagnahmung der Dokumente. Dies, so der beteiligte Würzburger Strafrechtsprofessor Eric Hilgendorf damals, sei eine Reaktion auf die defizitäre Aufarbeitung des Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche. Die Staatsanwaltschaften sollten veranlasst werden, Ermittlungen aufzunehmen.

So kam ein weiterer Stein ins Rollen. In Bayern gab es laut den übergebenen Kirchenakten 204 beschuldigte Kleriker - davon allein 57 im Bistum Würzburg, die höchste Zahl unter allen sieben (Erz-)Bistümern im Freistaat. Ende Juli teilte das Justizministerium auf eine Anfrage von Landtagsabgeordneten der Grünen zu den strafrechtlichen Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie mit: 148 Fälle seien von den Staatsanwälten geprüft worden, nur in einem Fall erhoben sie Anklage. Etliche Ermittlungen seien wegen Verjährung eingestellt, so das Ministerium. Andere Tatvorwürfe seien bereits bekannt und geprüft gewesen und gegebenenfalls abgeurteilt worden.

In 49 Verfahren lag demnach kein hinreichender Tatverdacht vor, sieben wurden an die Staatsanwaltschaften außerhalb Bayerns abgegeben.

Der Fall des beschuldigten Priesters aus dem Raum Bad Kissingen ist somit der einzige, der es in Bayern vor Gericht geschafft hat. Laut den Angaben von Oberstaatsanwalt Weihprecht im Juni hat der Mann von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Es ist nur ein Verhandlungstag angesetzt. Im Raum steht ein Strafmaß von bis zu zehn Jahren Haft.