Jährlich werden mit dem Schwimmbad in Wildflecken rote Zahlen geschrieben. Mehr als 100 000 Euro kostet der Spaß die Gemeinde im Jahr. Jetzt soll das Schwimmbad für etwa zwei Millionen Euro saniert werden - April 2016 soll es losgehen. Derzeit wartet die Gemeinde noch auf die Bewilligung von Stabilisierungshilfen. Dadurch würde das Bauvorhaben zu 70 Prozent vom Freistaat Bayern mitfinanziert. Aber sollten die Stabilisierungshilfen wirklich für ein Bauprojekt ausgegeben werden, mit dem bislang kein Gewinn erzielt werden konnte? "Ja" - sagen die Besucher des Schwimmbades. Der zwölfjährige Pascal wäre traurig, wenn das Schwimmbad geschlossen wird. "Ich habe hier doch Schwimmen gelernt." Auch die anderen Kinder der Hauptschule und dem Hort Wildflecken, die bei der Nachmittagsbetreuung im Schwimmbad angetroffen werden, sind für die Sanierung. "Ich würde mich freuen, wenn das hier bleiben würde", sagt die zehnjährige Marie-Sophie.


Für Alt und Jung

Nicht nur die Jüngeren haben das Schwimmbad in Wildflecken mittlerweile lieb gewonnen. Auch die Älteren, die bei der Aqua-Aerobic teilnehmen, sind einstimmig für die Umbauarbeiten. "Es ist total wichtig, dass das Schwimmbad erhalten bleibt. Es gibt kaum noch Becken, wo man das Schwimmen lernen kann. Es gibt nur noch Spaßbäder. Fast die Hälfte aller Kinder kann nicht mehr schwimmen", sagt Maria Klebl aus Bischofsheim. Bademeister Martin Voigt verrät: "Der Verdienst ist nicht so wichtig wie die soziale Aufgabe. Wenn man das Schwimmbad streichen würde, würde eine Lücke entstehen. Auch die sportliche Betätigung, der Gesundheitserhalt und der soziale Aspekt würden fehlen."


Fahrgemeinschaft ins Bad

Der scheint auch bei den meisten Befragten eine große Rolle zu spielen. In Fahrgemeinschaften haben sich die Senioren aus Riedenberg und Oberwildflecken zusammengetan, um zum Aqua-Aerobic-Kurs zu kommen. Auch eine Weihnachtsfeier haben sie im letzten Jahr zusammen gefeiert. Ohne den gemeinsamen Schwimmkurs würden diese wöchentlichen Treffen wohl seltener werden. Im Monat kommen an die 2000 Besucher zum Schwimmen - einige sogar aus Eichenzell, Sterbfritz, Schondra, Brendlorenzen und Hettenhausen, verrät uns der Bademeister. Auch die Lagerfeuerwehr schickt die Mitarbeiter zum Betriebssport ins Schwimmbad. Besonders schön findet Martin Voigt, dass er bereits mehreren Generationen das Schwimmen beigebracht hat. "Ich hatte bei mir früher ein Mädchen im Schwimmkurs. Jetzt kommt sie mit ihrem Baby zu mir. Und auch die Oma der jungen Frau kommt hierher. Es ist hier sehr familiär. Das ist ein Generationsschwimmbad."


Förderverein sammelt

Seit 17 Jahren ist Martin Voigt im Geschäft und hat 2002 die Prüfung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe bestanden. Er ist auch im Förderverein Hallenbad Wildflecken, der vor sechs Jahren gegründet wurde und sich aus etwa 150 Mitgliedern zusammensetzt. Der Förderverein sammelt Spenden und organisiert Veranstaltungen. Die Einnahmen werden für die Sanierung des Schwimmbades verwendet.Und zu sanieren gibt es viel, immerhin soll das Schwimmbad dann wieder für die nächsten 30 Jahre halten, so der Bademeister.


Provisorium an Außenwänden

Neben der Heizung, Elektrik und Filtertechnik müssen vor allem die einfachverglasten Fenster ausgetauscht werden und die Isolierung verbessert werden. Momentan haben die Fördermitglieder provisorisch zehn Zentimeter dicke Styroporplatten an den Außenwänden befestigt, damit die Energiekosten verringert werden.
Wie es mit dem Bad weiter geht, wenn die Förderung nicht bewilligt wird, daran möchte Martin Voigt noch nicht denken. "Ich gehe nirgends anders hin, solange das Bad auf hat. 120 Prozent für das Bad." Sarah Zubel