Die Akzeptanz gegenüber zu lauten Motorrädern schwindet auch im Landkreis Bad Kissingen. Dabei haben die Technik-Freaks mit dem Gasgriff und der Geräuschentwicklung ihr Image ein großes Stück weit selbst in der Hand. Am kommenden Wochenende können sie das in und um Mellrichstadt bei einer Protestveranstaltung gegen ein von manchen Politikern angedachtes Sonntagsfahrverbot für Motorräder auch in der Region unter Beweis stellen.

Rücksicht erscheint wichtiger denn je, denn ein Blick in die jährliche Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigt, dass im Bäderlandkreis der Gesamtbestand an Motorrädern, Rollern, Trikes, Quads & Co, Anfang 2020 bei 8018 Krafträdern und damit um 67 Maschinen über dem des Vorjahres liegt. Das ist ein neuer Höchstwert. Die Maschinen sind dabei längst nicht mehr nur Männersache: Der Frauenanteil liegt bei 13,4 Prozent. Das bedeutet in dieser Wertung Platz 239. Spitzenreiter unter 400 Städten und Kreisen ist die bayerische Stadt Ansbach mit 16,8 Prozent, schreibt der Zeitungsdienst Südwest.

Neuer Zulassungsrekord

Demnach hat die Zahl der Krafträder bundesweit einen neuen Rekord erreicht: 4,51 Millionen Maschinen. Rund 78 Krafträder pro 1000 Einwohner waren es in Kreis Bad Kissingen. Oder in absoluten Zahlen: 8018 Maschinen. Schlüsseln wir die Entwicklung auf, ergibt sich, was den Kreis Bad Kissingen angeht, folgendes Bild: Die Zahl derer, die auf Motorrädern und -rollern, sprich zulassungspflichtigen Zweirädern unterwegs sind, stieg im KBA-Vergleich um 67 auf 7649. Die Zahl der Dreiräder liegt bei 67 (Vorjahr: 59). Bei den Quads sind 302 registriert (Vorjahr: 310).

Der Trend dauert schon länger an. Die Zahl der Krafträder stieg von 7867 im Jahr 2018 über 7951 auf den aktuellen Stand. Bei den Frauen lautet die Zahlenreihe: 1030, 1058 und 1076 für die letzten drei Jahre. Der Anteil der Männer im Besitz der betreffenden Kraftfahrzeugscheine liegt bei 86,6 Prozent (Vorjahr: 86,7 Prozent).

922 von 1000 haben kein Krad

Die Spaßmobile machen aber nicht jedem Spaß. Es soll Leute geben, die zählen die Tage bis zum 30. September. Die einen, weil sie dann ihre Maschine einmotten müssen, weil die meisten als Saisonfahrzeuge nur Schönwettergeräte sind. Die anderen, weil es dann wieder leiser wird, weil die Maschinen aus der Landschaft verschwinden.

Denn wenn wir den Zahlenspieß umdrehen, heißt das auch, dass rund 922 Menschen von 1000 im Kreis Bad Kissingen keine Maschine am Start haben. Als Nachbarn motorradfreundlicher Strecken haben sie bisweilen den Lärm. Sie warten weiter auf eine Verschärfung der Gesetze. Unter anderem sollen nach einem Gesetzentwurf Klappenschalldämpfer mit Laut-/Leise-Umschaltung zukünftig nicht mehr genehmigungsfähig sein. Übrigens voraussichtlich auch für Autos nicht.

Diese Gesetzesänderung wird zu einer Reduzierung der Realgeräuschemissionen führen, da diese Schalldämpfer in den letzten Jahren bei einigen Motorradfahrergruppen immer beliebter wurden. Jetzt hat der Bundesrat das Sagen. Was es bringt, ist noch unklar. Denn wie viele Motorradfahrer mit manipuliertem Auspuff unterwegs sind, darüber schweigt sich die Zulassungsstatistik aus. Geholfen wäre dem guten Einvernehmen, wenn manch Mann oder Frau von sich aus einen leiseren Auspuff einbauen würde.

Mellrichstädter Protest-Corso

Kommenden Samstag haben sich jene Motorradfreunde, die vor ein paar Wochen bereits in Schweinfurt eine große Pro-Motorrad-Kundgebung veranstaltet haben, für Mellrichstadt und Umgebung eine Demo in Form eines Corso vorgenommen. Ab etwa 13 Uhr sammeln sich die Biker in der Stadt an der Streu, um gegen 14 Uhr zu einer Rundfahrt zu starten.

Wie viele Motorradfahrer sich beteiligen werden, ist schwer abzuschätzen. 500 Anmeldungen liegen nach Angaben der Organisatoren vor. Aber in Schweinfurt hätten sich auch lediglich 250 Motorradfahrer angemeldet, sagen die Veranstalter. Gekommen seien dann 5000. Wolfgang Dünnebier