Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss", heißt es in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000. Flüsse, Bäche, Seen und auch das Grundwasser in der gesamten Europäischen Union sollten bis 2015 - in Ausnahmefällen bis 2027 - in einen guten ökologischen und chemischen Zustand versetzt werden, so das Ziel der Richtlinie.

Und heute, fünf Jahre vor dem Zieldatum: Wie sieht die Wasserqualität der Flüsse und Bäche in Unterfranken aus? Nur vier von insgesamt 93 Flusswasserkörpern (Fließgewässereinheiten) in Unterfranken haben das Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie schon erreicht. Dies ist die Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf eine Anfrage der Grünen im Landtag um den Würzburger Abgeordneten Patrick Friedl.

In einem gutem ökologischen Zustand sind nur der Stöckigsbach bis oberhalb Zell am Ebersberg (Lkr. Haßberge), die Hafenlohr mit ihren Nebengewässern (Lkr. Aschaffenburg und Main-Spessart), der Haslochbach mit seinen Nebengewässern (Lkr. Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart) und die Els mit ihren Nebengewässern (Lkr. Rhön-Grabfeld). Nur vier weitere Gewässer in Unterfranken könnten bis 2027 in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden, so die Staatsregierung: Die Sinn unterhalb von Bad Brückenau bis zur Mündung in die Fränkische Saale, die Erf von der Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg (Main-Tauber-Kreis) und Bayern (Lkr. Miltenberg) bis zur Mündung in den Main, die Elsava bis Rück, einem Ortsteil von Elsenfeld (Lkr. Miltenberg) und der Aubach (Lkr. Aschaffenburg und Main-Spessart).

Im Landkreis Bad Kissingen ist der Zustand der größten Fließgewässer, also von Saale, Sinn, Thulba und Lauer, derzeit mäßig und somit befriedigend, sagt Leonhard Rosentritt, dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen. Die Festsetzungen der Europäischen Wasserrichtlinie werde man im Landkreis bis 2027 in der Gesamtheit nicht ganz erreichen, stellt Rosentritt fest.

"Wir machen viele Maßnahmen, um die Gewässerökologie zu verbessern", erklärt der Wasserexperte. Luft nach oben gebe es vor allem bei den kleinen Gewässern der 3. Ordnung, die die Kommunen unterhalten müssen. Hier sieht Rosentritt Investitionsbedarf.

Durchschnittlich 150.000 Euro pro Jahr wurden laut Bayerischer Staatsregierung in ganz Unterfranken in den vergangenen drei Jahren an Fördermitteln ausbezahlt, um Kommunen zu unterstützen, die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Dies sei zu wenig, finden die Grünen. 600.000 Euro für Unterfranken und fünf Millionen Euro für ganz Bayern wären aus ihrer Sicht angemessen, um die heimischen Bäche, Flüsse und Seen wieder in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen.

Uferbereiche sind oft ein Problem

Die fehlende Durchgängigkeit der Gewässer ist eine Ursache, dafür, dass die Gewässer das Ziel eines ökologisch guten Zustands noch nicht erreicht haben. Wehre beispielsweise seien Wanderbarrieren für Wasserlebewesen, sagt Leonhard Rosentritt. Wanderhilfen können hier Abhilfe schaffen. Und es fehlen vielfach naturnahe Uferbereiche. Rosentritt gibt jedoch zu bedenken, dass Eingriffe nicht von heute auf Morgen ihre Wirkung entfalten. "Die Natur muss sich erst entwickeln".

Ein Kriterium für die Bewertung eines Gewässers ist die Fisch-Fauna: In ganz Unterfranken wurden nur 19 Flusswasserkörper mit sehr gut oder gut bewertet, 34 Flusswasserkörper mit mäßig und 27 mit unbefriedigend. Ein anderes Kriterium sind die Wasserpflanzen: Hier schneiden nur 15 Flusswasserkörper gut ab. Der Rest ist mäßig oder unbefriedigend. Weitere Kriterien zur Beurteilung eines Gewässers sind Einträge aus der Landwirtschaft oder Überläufe aus Kläranlagen oder der naturnahe Zustand.

Nicht nur für die Eintagsfliegenlarve hat es gravierende Folgen, wenn ein Bach oder Fluss in keinem guten Zustand ist. Denn je weniger Köcherfliegenlarven, Schnecken, Würmer und Flohkrebse, desto weniger Fische, die sich von ihnen ernähren können. "Je natürlicher ein Gewässer ist, desto besser ist das für die Artenvielfalt", sagen Gabriele Vierheilig vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen und Isabel Kaiser vom Sachgebiet Wasserwirtschaft bei der Regierung von Unterfranken. "... und desto besser ist es auch für uns Menschen, weil Fließgewässer viele Ökodienstleistungen für uns erfüllen", ergänzt Eva-Barbara Meidl, Biologin bei der Regierung von Unterfranken. Denn die Kleinstlebewesen und Fische reinigen das Wasser von Stoffen, die die Kläranlagen nicht ausreichend herausfiltern können.

Doch auch der Klimawandel beeinflusst die Gewässer in Unterfranken. "Wir finden weniger Tiere und weniger Arten. Die Biodiversität wird geringer", sagt Gabriele Vierheilig. Je höher die Wassertemperaturen in den Sommermonaten, desto geringer sei die Sauerstoffsättigung im Wasser. Die Folge: Viele Tiere fühlten sich nicht mehr wohl.Auch deshalb sei das Qualitätsmonitoring an den Messstellen wichtig.