Dem historischen Bewusstsein von Lehrern und Schülern helfen die Freunde des Frobenius-Gymnasiums etwas auf die Sprünge. Auf ihre Rechnung ließen sie eine Schulfahne von 1896 restaurieren. Um eine Auseinandersetzung mit der Schulgeschichte kommt man beim Besuch der Bildungseinrichtung jetzt buchstäblich kaum mehr herum. Unübersehbar hängt das hergerichtete Tuch im zentralen Treppenaufgang der Schule hinter Glas.

Restaurierung in Polen

"Ein schönes Dokument der Schulgeschichte", freut sich Schulleiter Matthias Ludolph über die Errungenschaft. Sie zeigt den Heiligen Aloysius, den Schutzheiligen für junge Studenten.

So ändern sich die Zeiten: Zum Betrachten der Fahne müssen Menschen dieser Tage in die Schule, früher hatte sie einen Platz mitten in der Gesellschaft. Hinter ihr scharten sich einheimische Lateinschüler bei Einzügen, Umzügen und Festveranstaltungen, wie dem Maifest oder bei Preisverleihungen. Dies hat Studiendirektor Werner Seitz mit Hilfe der Schulchronik von 1925 recherchiert.

"Ihren ersten Einsatz dürfte sie wohl bei der Fronleichnamsprozession 1896 erlebt haben", so Seitz, der dem guten Stück im Jahresrückblick 2021 ein eigenes Kapitel widmet. Seinerzeit war es Tradition, dass die Schüler der Königlich Bayerischen Lateinschule, dem Vorläufer des Gymnasiums, an Prozessionen teilnahmen. "An den Anblick der Knaben mit ihren Schirmmützen, die der Fahne hinterher marschierten, war man selbstverständlich gewöhnt", schließt Seitz aus den historischen Quellen.

Und was will uns das Symbol im 21. Jahrhundert sagen? Für Schulleiter Matthias Ludolph bietet es eine Chance, sich mit dem aktuellen Lehren und Lernen im historischen Kontext auseinander zu setzen. "Das hier ist ja alles nicht vom Himmel gefallen", geht er auf die Errungenschaften des Bildungsbetriebes ein.

Auch Manfred Gerlach, Vorsitzender der Freunde des Frobenius-Gymnasiums, freut sich darüber, dass die Fahne so einen prominenten Platz gefunden hat. Jahrelang schlummerte dieses Stück der Schulgeschichte in den Physik-Sammlungen. Zum 350-jährigen Bestehen der Schule kehrte es 2019 wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zurück.

Weil der Stoff samt Stickereien in einem bedauerlichen Zustand war, kam eine Restaurierung ins Gespräch. Doch die war alles andere als ein Pappenstiel. "Neben einem ideellen hat die Fahne auch einen materiellen Wert", weiß Gerlach. Schon die Vorfahren sammelten für die Symbolik. 325 Mark kamen zusammen, um die Arbeit in Luxemburg in Auftrag zu geben.

Ersatz hätte 18 000 Euro gekostet

Ein kompletter Ersatz für die Fahne hätte 18 000 Euro gekostet, haben die Sponsoren ermittelt. Eine regionale Spezialfirma stellte für die Sanierung einen Aufwand von 10 000 Euro in Aussicht. Beides hätte den Kostenrahmen gesprengt.

Über Kontakte in Hammelburg kamen die Verantwortlichen an eine Firma in Polen, welche die Fahne für 2000 Euro aufbereitete. Dafür nahmen die Fachleute die Darstellungen vom alten Tuch ab und übertrugen sie auf ein neues. Für die schonende Präsentation des restaurierten Stoffes schafften die Freundes des Gymnasiums außerdem für 2000 Euro einen Schaukasten mit Spezialglas an.

Nun setzt der Hingucker also einen Anreiz, sich mit der Schulgeschichte auseinander zu setzen. Auch kritisch, wie es etwa Wolfgang Seitz im Jahresbericht 2021 der Schule tut. Denn den Heiligen Aloysius hatten die Verantwortlichen einst nicht zufällig für die Darstellung auf der Schulfahne ausgewählt. Dieser Spross der Herzöge von Mantua lebte von 1568 bis 1591.

Er wird von vielen Gläubigen verehrt, weil er dem elterlichen Wohlstand entsagte und sich für die geistliche Laufbahn bei den Jesuiten entschied. Im Alter von 23 Jahren starb er bei der Krankenpflege durch die Pest. Mit der Hinwendung zum Kreuz hat er nach dem Weltbild der Jesuiten den Tod besiegt.

Diese Symbolik färbte wohl auf die Lerninhalte am Gymnasium ab: "Damit erklärte man die Priesterlaufbahn zum höchsten Ziel der Ausbildung und stellt den Schülern Keuschheit und Askese als höchste Tugenden vor", folgert Wolfgang Seitz aus seiner Auseinandersetzung mit der Heiligenfigur. Der Studiendirektor geht in seiner Einschätzung sogar noch weiter: "Man muss diese Haltung schon für die damalige Zeit als provinziell rückwärts gewandt bezeichnen", schreibt er. Immerhin sei sie aber nicht dem damaligen Zeitgeist entsprechend deutsch-nationalistisch gewesen.

Ehrenplatz auch an neuer Schule

Auch nach Fertigstellung der neuen Schule im geplanten Schulcampus am Sportzentrum soll die Fahne einen Ehrenplatz bekommen. Für Schulleiter Matthias Ludolph ist die Fahne auch der einer zweigleisigen Schulgeschichte, die auch reformatorische Ansätze widerspiegelt. Namenpatron Johannes Frobenius (etwa 1460 bis 1527) hat als Sohn der Stadt auf seinem späteren Lebensweg mit seinen Verdiensten um die Druckkunst der Verbreitung von humanistischem Gedankengut große Verdienste erworben. Wolfgang Dünnebier