Für Sammler ist Bad Kissingens eine echte Fundgrube. Wer für den Reiz des Alten empfänglich ist, wird beim Kramen in der Geschichte des Weltbads quasi zwangsläufig fündig. Schon der Online-Marktplatz Ebay liefert beim Suchbegriff Bad Kissingen in der Kategorie Sammeln & Seltenes Treffer in vierstelliger Größenordnung.

Stiche, Lithografien, Zeichnungen und Gemälde sind ebenso dabei wie mehr oder weniger kunstvolle Fotografien. Anstecknadeln und Tonträger werden neben Büchern und bedruckten Spielzeug-Trucks gehandelt. Und Bierkrüge neben alten Wasserflaschen. Schier unerschöpflich ist das Angebot an alten Ansichtskarten. Diese handlichen Bildbotschafter aus Sommerfrische oder Kur haben viele Freunde. Dieter Schlager ist einer von ihnen.

Schon lange ein Faible für Altes

Der 60-Jährige, der in Machtilshausen geboren wurde und seit einigen Jahren in Bad Kissingen lebt, bezeichnet sich selbst als "geschichtssüchtig". Ein bisschen merkt man das bereits auf dem Weg zu ihm. Im Treppenhaus stehen Figuren, die Nachbildungen alter Rüstungen tragen. In der Wohnung bestimmen gerahmte Dokumente oder Schriften das Bild vieler Wände.

Wann genau ihn die Sammelleidenschaft gepackt hat, vermag Schlager gar nicht zu sagen. Ein Faible für Altes habe er schon lange, erzählt er. Zu seinen ersten Erwerbungen gehörten alte Bibeln. Alte Gesangbücher und historische Schriften überhaupt habe er dann auch gesammelt. Ansichtskarten sind sogar eher ein jüngeres Gebiet für ihn.

Inzwischen bremse er seine Leidenschaft bewusst. Nur wenn er günstig etwas mit Bezug zum Königreich Bayern erwerben kann, für das er besonderes Interesse hegt, greift er zu. Während Schlager das erzählt, öffnet er quasi als Beleg einen zuvor von der Post gebrachten Umschlag mit einem günstig ersteigerten ministeriellen Schreiben aus dem Bayern des Jahres 1850.

Interessant, erzählt er, sei für ihn die Zeit bis 1900. Von den Kriegen danach wolle er nichts wissen, sagte er dazu: "Die waren schlimm genug."

Bei den Ansichtskarten gehe es ihm in der Regel um die Karte selbst, weniger um die Geschichten, die manches dieser Stücke bedruckten Kartons erzählen könnte. Deutsche Schrift könne er zwar noch lesen. Die Handschriften auf den Karten seien aber oftmals nur sehr schwer zu entziffern.

Dieter Schlager sieht sich selbst eher "als kleinen Sammler". Und Bescheidenheit ist sicher nicht verkehrt. Ganz besonders auf dem sehr vielfältigen Gebiet der Bad-Kissingen-Postkarten.

Die Sammlung Bötsch

Den Goldstandard in dieser Hinsicht setzte der 1999 verstorbene Josef Bötsch. 10 000 Karten mit Bezug zur Kurstadt hat der passionierte Sammler und Heimatforscher im Lauf seines Lebens zusammengetragen. Und die Stadt hat davon profitiert. Das Stadtarchiv übernahm Josef Bötschs Schätze in 40 braunen Lederalben.

Dass die Sammlung auf diese Weise auch "herausragenden wissenschaftlichen Wert" bekam, bestätigte Kulturreferent Peter Weidisch bereits vor etlichen Jahren. Die Ansichtskarten bebildern wichtige Abschnitte von Kissingens Weltbadgeschichte. Nicht nur Denkmalpfleger, sondern auch Bauhistoriker, Architekten oder Kunstinteressierte nutzten sie, berichtete er 2013 im Gespräch mit dieser Redaktion. Lege man Ansichten bestimmter Stellen in der Stadt nach Jahrzehnten geordnet nebeneinander, könne man nachvollziehen, wie sich Kissingen im Laufe der Geschichte verändert hat. Siegfried Farkas