Orgelspielen hat ihn schon als Kind fasziniert. "Es ist einfach toll, was man mit der Orgel alles machen kann, die verschiedenen Klangfarben und die vielen Möglichkeiten zu imitieren." Jakob Keller hat sofort Feuer gefangen, als ihn sein Musiklehrer nach musikalischer Früherziehung und neun Jahren Klavierunterricht mit auf die Orgelbank genommen hat.
Bei Anna Jakob war der Weg zur Orgel etwas holpriger. Schon mit fünf Jahren begann sie Klavier zu spielen, hatte aber keine Lust zu üben. "Und es hat ihr auch überhaupt nichts ausgemacht, völlig unvorbereitet in den Klavierunterricht zu kommen", erinnert sich Regionalkantor Rainer Aberle. Drei Jahre später hat Anna aufgehört, Klavier zu spielen. Aber irgendwann kam die Reue. "Ich hab' das Klavier jeden Tag gesehen, und es hat mir leid getan", erzählt sie. Trotzdem ist sie nicht zum Klavier zurückgekehrt, sondern auf die Orgelbank gestiegen. Als Ministrantin kannte sie das Instrument und erlag seiner Anziehungskraft.
"Als sie wieder kam, war sie wie verwandelt", erinnert sich Aberle. Es sei für jeden Musiklehrer ein Alptraum, wenn Schüler kommen, die nicht geübt haben, erzählt er.
Dieses Problem hat Aberle aber heute weder mit Anna noch mit Jakob. "So ein Unterricht macht Spaß, es lohnt sich." Seine beiden Orgelschüler üben täglich ein bis zwei Stunden, Jakob in Stadtlauringen, Anna in Geldersheim. Den Schlüssel für die Kirche und die Orgel haben sie längst.
Die beiden 16-Jährigen sind die Musterschüler des Regionalkantors. "Sie sind ganz außergewöhnlich", betont Aberle. Orgelschüler sind im Landkreis sonst eher Mangelware. Für Aberle kein Wunder. "Schauen Sie doch mal in unsere Gottesdienste, da sind kaum mehr Familien oder junge Leute. So lernen die Kinder das Instrument gar nicht erst kennen." Anna und Jakob spielen auch schon in den Gottesdiensten und bessern damit ihr Taschengeld auf.
Daran denkt auch der Orgellehrer gerne zurück: "Mit 15 Jahren habe ich mein erstes Geld mit dem Orgelspielen verdient und mir gleich ein Paar Sambaschuhe gekauft." Obwohl die Orgel jetzt nicht gerade ein modernes Instrument ist, hat Jakob von Gleichaltrigen noch nie etwas Abfälliges über seine Leidenschaft gehört. Ganz im Gegenteil. "Die sind alle sehr interessiert, und die erste Frage ist immer: Wie geht denn das mit den Füßen?", erzählt Jakob. Er hat vor Kurzem seine erste Orgelprüfung, den D-Schein, gemacht. Dazu musste er auch Gesangunterricht nehmen. Das gehört zur Ausbildung eines Organisten. "Sie haben doch oft genug keinen Kantor, dann muss eben der Organist singen", erklärt Aberle.
Jakob aber hat von Anfang an rigoros gesagt: "Ich sing nicht", erinnert sich der Orgellehrer. Ein halbes Jahr vor seiner Prüfung musste er dann doch zur Gesanglehrerin Ingrid Peppel. "Ich hatte ganz viel Angst", erinnert sich Jakob, aber dann "kam‘s plötzlich raus und jetzt macht‘s Spaß." Peppel verstehe es, die Schüler zu begeistern, weiß Aberle. Der Schritt zum Gesangunterricht steht jetzt auch für Anna an. Die Stimme wird getestet und die Stimmbildung angegangen, aber Anna singt schon im Chor und hat deshalb keine so große Hemmschwelle.
Anna beginnt jetzt eine Lehre als Kauffrau im Büromanagement im Josefskrankenhaus. "Meine Mutter hat gleich organisiert, dass ich da in der Mittagspause Orgel spielen kann." Der Zugang zur Orgel in der Kapelle des Krankenhauses stehe ihr offen. Jakob will auf alle Fälle bis zum A-Schein kommen und erwägt sogar, Kirchenmusik zu studieren.
Das würde Aberle freuen: "Kirchenmusiker können wir immer brauchen, viele Stellen können schon heute nur mit ausländischen Organisten besetzt werden", erklärt er. Aber: "Ein junger Mensch, der Kirchenmusik studiert, braucht ein zweites Standbein", mahnt der Regionalkantor, "eine pädagogische Ausbildung oder eine Spezialisierung." Man wisse ja nicht, wie es in 20 bis 30 Jahren um die Kirchen bestellt sei, ob diese dann noch hauptberufliche Kirchenmusiker zahlen könnten.
Spannend bleibt es aber nicht nur in Richtung Kirche, auch die Orgel ist ein spannendes Instrument, jede ist ein bisschen anders.
Und Jakob zeigt dann, dass die Königin der Instrumente entgegen allen Gerüchten auch modern klingen kann. "Wichtig ist, dass es groovt und durchdacht artikuliert ist", begeistert sich Aberle, und Jakob lässt es grooven. "Man muss den Schwung in sich haben", sagt Jakob .
Wer jetzt Lust bekommen hat, die Königin der Instrumente auszuprobieren, kann sich bei Regionalkantor Rainer Aberle melden, Tel. (0 97 21) 53 38 03.