Wer vor Krabbeltieren die Flucht ergreift, der sollte Giovanno Neigerts Keller in Dürrwangen (Lkr. Ansbach) meiden: Mehr als 500 vielbeinige Tierchen, teils längst präpariert, teils quicklebendig, tummeln sich dort. Wenn sie den Keller verlassen, geht Neigert mit seinen Spinnen, Skorpionen, Heuschrecken & Co. auf Tour. Am Sonntag, 22. Mai, kommt die Ausstellung "Insectophobie" von 10 bis 18 Uhr nach Bad Kissingen (Kiss-Soccer, Alte Kissinger Straße).

Neigert hat sein Hobby zum Beruf gemacht: "Als ich jung war, gab es in unserer Nachbarschaft ein Zoogeschäft. Ich habe da öfter mitgeholfen und so ist die Faszination für Spinnen entstanden. Mit 13 oder 14 habe ich meine Mutter überredet, dass ich so ein Tier zum Geburtstag bekomme, das war meine erste Vogelspinne", erzählt der 39-Jährige auf telefonische Nachfrage dieser Redaktion.

Mit der Zeit seien immer mehr Krabbeltiere dazugekommen. "Irgendwann habe ich mich entschieden, eine Ausstellung zu machen, um mein Hobby zu finanzieren. Das kam super an. Und seit 2011 mache ich das hauptberuflich."

Haltung ist teuer

Kostspielig ist vor allem die Haltung der Tiere. Beispielsweise muss die Temperatur kontinuierlich zwischen 22 und 24 Grad gehalten werden, erklärt der Experte. Die Preise für die Tiere selbst gehen weit auseinander. "Als Baby kostet eine Vogelspinne vielleicht fünf Euro. Es gibt aber auch seltene Exemplare für bis zu 1800 Euro." Im Schnitt rechnet Neigert mit 150 bis 200 Euro.

Mit rund 100 Terrarien und mehr als 500 Exemplaren reist der Dürrwangener inzwischen durch Deutschland, Österreich, die Schweiz oder auch Ungarn. Auch in Bad Neustadt, Würzburg oder Schweinfurt, wohin die Ausstellung am 2. Oktober erneut kommen wird, war Neigert schon zu Gast.

Im Gepäck sind die verschiedensten Tierarten: Skorpione, Riesentausendfüßler, seltene Käfer, Gottesanbeterinnen, Wandelnde Blätter, Gespenstheuschrecken und natürlich viele Spinnenarten, darunter die "größte lebende Vogelspinne der Welt", kündigt er an.

Neigert sieht in seiner Ausstellung auch einen pädagogischen Sinn. "Ein Mitarbeiter nimmt sich Zeit für Besucher, die ihre Spinnenphobie abbauen wollen", erklärt er. Immer wieder besuchen Menschen mit Ängsten die Ausstellung, so Neigert. "Bei 80 Prozent bekommen wir es hin, dass sie am Ende eine Spinne auf die Hand nehmen."

Teil der Ausstellung ist auch ein "Streichelzoo mit Spinnen und Insekten", kündigt der 39-Jährige an. Die Atmosphäre solle helfen, sich den verkannten Tieren zu nähern und sie nicht als bösartige Kreaturen zu sehen, so Neigert. Man habe das Ziel, nach und nach Angst und Ekel vor den oft unbeliebten Tieren zu nehmen.

Entscheidend sei es, sich mit den Tieren und den oft irrationalen Ängsten vor ihnen auseinanderzusetzen. "Laut Fachliteratur herrscht eine Urangst des Menschen, von Tieren gebissen zu werden. Dazu kommt das ungewöhnliche Aussehen der Spinnen mit ihren acht Beinen. Meine persönliche Meinung ist die, dass es sehr darum geht, wie es vorgelebt wird. Wenn Eltern sich vor Spinnen ekeln, werden die Kinder das auch tun. Meine Tochter hatte mit acht Jahren schon eine auf dem Arm. Für uns ist das wie ein Hamster mit acht Beinen", erklärt er schmunzelnd. Simon Snaschel