Kunst geht fremd, das ist inzwischen ein Erfolgsprojekt, sagt Anne Kraft, Sachgebietsleiterin für die Museen beim Bezirk Unterfranken (Würzburg). Seit 2011 tauschen unterfränkische Museen jährlich für eine begrenzte Zeit untereinander einzelne Objekte aus, um sie ihren Besuchern in einem speziellen künstlerischen Kontext zu zu präsentieren. Start war dieses Jahr am 24. Juli.

Inzwischen beteiligen sich 15 Museen an dieser Aktion, darunter diesmal auch wieder Schloss Aschach, das Bismarck-Museum Bad Kissingen und das Terra Triassica in Euerdorf. Nach Krafts Angaben heißt das diesjährige Motto noch bis 3. November 2019 "Kante zeigen".

Im Rahmen der Aktion des unterfränkischen Museumsnetzwerks wanderte zum Beispiel eine aus Holz geschnitzte Figur des Heiligen Georg aus dem Aschacher Museum in die Kreisgalerie nach Mellrichstadt. Der Heilige Georg gehört zu den bekanntesten Figuren der Christen. Nach der Überlieferung soll er aus Kappadokien (heutige Türkei) stammen und seinerzeit als Legionär für den römischen Kaiser gekämpft haben. Wegen seines Glaubens starb er um 300 den Märtyrertod.

Der Kampf Mensch und Tier

Die Holzplastik gehört, zusammen mit einer weiteren Georgsfigur, zur umfangreichen Sammlung der einstigen Grafenfamilie von Luxburg, heißt es in der Broschüre zu "Kunst geht fremd". Graf Friedrich von Luxburg (1829 bis 1905) bekam sie von seiner Schwiegermutter geschenkt. Die Figur symbolisiere den Kampf des Menschen gegen das Tier, heißt es weiter. Der Heilige Georg "zeigte Kante", als er anno dazumal die Stadt Silena von einem Drachen, der die Menschen bedrohte, befreite. Betrachtet man die Figur, so platziert der Heilige Georg scheinbar entspannt die Lanze im Maul des Drachen und tötet ihn. Die Legende sagt, dass sich daraufhin zahlreiche Menschen hätten taufen lassen.

Schloss Aschach bekam als Leihgabe ein Teeservice der anthroposophischen Künstler-Kolonie Runa (1950er Jahre) aus dem Spessart-Museum Lohr. Runa wurde seinerzeit vom Unternehmer- und Künstler-Ehepaar Alfred und Friederike Rexroth gegründet. Die Künstler fertigten Werke aus Keramik und Bronze, Schmuck, Plastiken und Möbel, wird in der Broschüre erklärt. Zudem malten sie Bilder, spielten Theater und zeigten Pantomime. Nach den Vorstellungen der Künstler war das Bestreben der Runa-Formen, eine harmonische Beziehung der Gegenstände im Raum untereinander herzustellen.

Fürst Bismarck in Miltenberg

Was könnte das Bismarckmuseum Bad Kissingen ausleihen, wenn nicht einen Bismarck? Es überrascht also nicht, dass für "Kunst geht fremd" ein Porträt des bekannten Staatsmanns Fürst Otto von Bismarck (1815 bis 1898) auf die Reise ins Museum der Burg Miltenberg ging. Auf dem Gemälde präsentierte der Maler Franz von Lenbach (1836 bis 1904) den Politiker in typisch staatsmännischer Pose. Die Experten wissen es: Die Darstellung konzentrierte sich auf die Gesichtszüge. Berühmt wurde das Bild wegen des stechenden Blicks, den Bismarck zur Schau trägt, so der Katalog zur diesjährigen Aktion.

Das Bad Kissinger Bismarckmuseum hat jetzt vorübergehend eine Hostien-Monstranz aus dem Museum der Johanniskapelle in Gerolzhofen aufzuweisen. Hostien-Monstranzen leiten sich entwicklungsgeschichtlich von Reliquien-Monstranzen her. In ihnen werden, laut Broschüre, bei Gottesdiensten geweihte Hostien präsentiert. Gotische Monstranzen gibt es bislang wenige. Umso interessanter sei das Fundstück aus der Kirche von Neusetz. In der Krone des Tabernakels steht eine Figur der Muttergottes mit dem Kind. Laut Ausstellungskatalog sind seitlich die Heilige Ursula und Barbara dargestellt.

Euerdorfer Exponat in Miltenberg

In der Oberen Saline steht die Monstranz demonstrativ mitten in der Bismarckwohnung. Ob das dem Eisernen Kanzler gefallen hätte? Denn schließlich ist überliefert, dass er seit den 1870er Jahren versucht hatte, den politischen Einfluss der katholischen Kirche mit Gesetzen und Verordnungen einzudämmen. Bismarck geriet dadurch in scharfen Konflikt mit Bischöfen, Priestern- und schließlich sogar mit dem Papst.

Das Museum Terra Triassica in Euerdorf schickte einen Brachiopoden auf die Reise ins Museum der Barockscheune Volkach. Brachiopoden (Armfüßer) sind Angehörige eines Tierstamms, der ausschließlich im Meer lebt. Sie ähneln den Muscheln, sind jedoch nicht direkt mit ihnen verwandt. Ihre Art ist schon aus dem frühen Kambrium (530 Millionen Jahre) bekannt.

Umgekehrt wandert ins Terra Triassica der Sockelstein für eine Gedenktafel aus Glas aus dem Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim. Als man 1986 bei Bauarbeiten im Fußboden der Veitshöchheimer Synagoge Trümmer der zerschlagenen Inneneinrichtung fand, war darunter auch ein Fragment aus Stein mit den Resten des Davidsterns.

Der Stein war einstmals offensichtlich Teil einer Halterung für eine Platte aus schwarzem Glas gewesen, die man aus Splittern rekonstruieren konnte. In goldenen Buchstaben sind auf der Tafel 16 Veitshöchheimer Juden genannt, die als deutsche Soldaten am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatten. Sie werden dort als "tapfere Helden" bezeichnet. 1942 wurden alle Veitshöchheimer Juden - auch die, die den Ersten Weltkrieg überlebt hatten - in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet.