Die Sanierung der Kirche St. Josef geht weiter. Im Jahr 2015 hatte die Kirchenstiftung bereits schadhafte Stellen außen an einem Großteil des Kirchenschiffs ausbessern und die Fassade neu streichen lassen. Jetzt ist das Teilstück eingerüstet, in dem sich der Chorraum befindet. Ob und wann der Kirchturm an die Reihe kommt, steht bislang noch in den Sternen. Denn angeblich trägt dort die politische Gemeinde die Baulast.
Der Marktgemeinderat lehnt eine solche Verantwortlichkeit jedoch ab.

Pfarrer Manfred Finger (Poppenlauer) sucht schon mehrere Jahre nach einem historischen Dokument, das die Zuständigkeit der Gemeinde für den Kirchturm belegt. Denn für ihn ist klar, dass diese Verantwortung auch heute noch gilt. Politische Gemeinde und Kirche seien damals deckungsgleich gewesen, sagt der Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaft im Lauertal im Gespräch mit der Redaktion. Wer im Gemeinderat war, engagierte sich auch in der Kirchengemeinde. Weichtungen hatte damals noch einen Bürgermeister, so Finger. Und dann habe die Kommune in einem ähnlichen Sanierungsfall halt gesagt: "Also gut, die Glocke oder die Kirchenuhr zahlen wir."


Stöbern in alten Unterlagen

Doch das waren mündliche Vereinbarungen. Finger stöbert schon lange in alten Unterlagen und auch die Weichtunger Bürger brachten ihm historische Dokumente, die er studierte. In etlichen Unterlagen von früher ist auch belegt, dass die Gemeinde für Kosten an der Kirche aufkam. So gibt es zum Beispiel ein Protokoll des Königlichen Amtsgerichts Münnerstadt von 1840, in dem laut Finger steht, dass die Gemeinde an der Kirche etwas sanieren ließ. "Aber die Verpflichtung der Kommune für die Kirchen-Baulast steht nirgendwo explizit drin", bedauert der Pfarrer.


Erster Antrag vor drei Jahren

Schon im Jahr 2013 habe man sich im Marktgemeinderat mit dieser Thematik befasst, nachdem ein Antrag der Kirchenstiftung vorlag, sagt Bürgermeister Matthias Klement auf Anfrage. Die Ratsmitglieder seien damals, noch unter Bürgermeister Johannes Wegner, mehrheitlich der Ansicht gewesen, dass die Kommune für die Weichtunger Kirche keine Verpflichtung hat. Vor einiger Zeit habe die Kirchenstiftung neue Dokumente vorgelegt, welche die Rechtsabteilung der Diözese Würzburg zuvor geprüft und für stichhaltig befunden hatte, erzählt Klement. Er habe daraufhin den ganzen Sachverhalt von der Kommunalaufsicht des Landratsamts prüfen lassen. "Dort war man jedoch der Meinung, dass sich dadurch nichts geändert hat und die Kommune nicht für den Kirchturm zuständig ist."

Im Zuge der Gleichbehandlung der Ortsteile könne die Gemeinde die Baulast für den Kirchturm nicht übernehmen, so Klement. Für den Bürgermeister gilt da die Richtlinie des Gemeinderats: Die Kommune übernimmt 2,5 Prozent der gesamten Bausumme, wenn an den Kirchen eine Maßnahme ansteht.

"Wir müssen den Chorraum heuer machen und hätten auch den Turm gern mitgemacht, allerdings auf Kosten der Kommune", sagt Finger. Jetzt wurde der Turm erst mal zurückgestellt. Für die Sanierung des Kirchengebäudes setzte die Kirchenstiftung 900 000 Euro an. Der Kirchturm würde die Kommune 165 000 Euro kosten, schlüsselt Finger die Investitionen auf.

Derzeit sind die Arbeiter oben im Dachstuhl über dem Chorraum am Werkeln. Das Gebälk ist stark verwurmt und muss konserviert werden, erklärt Kirchenpfleger Paul Erhard vor Ort und zeigt auf die maroden Balken, die die Arbeiter freilegten. Zudem muss das Dach komplett neu mit Biberschwanz-Ziegeln eingedeckt werden.


Außen bröckelt der Sanstein

Aber auch an der Außenfassade dieses Teilstücks des Gotteshauses sind etliche Maßnahmen notwendig. So bröckelt beispielsweise das Sandstein-Material der Fenstereinfassungen an etlichen Stellen erheblich, führt Erhard an einem Fenster plastisch vor. "Das muss ausgebessert oder ganz erneuert werden." Und an Sockel und Wänden sind die Arbeiter stellenweise tätig: Dort wird Füllmaterial in die Wand verpresst, um die Statik der Kirche zu unterstützen, erklärt Erhard.

Wie die Sache mit dem Kirchturm ausgeht, darüber lässt sich nur spekulieren. Der ablehnende Bescheid der Kommunalaufsicht ist jedenfalls noch nicht lange her, sagt Finger. Das Bischöfliche Ordinariat in Würzburg habe jedoch signalisiert, dass man den Bescheid anfechten wird.