Beim Bau der 26 Kilometer langen Wasserleitung, die durch das bis zu 40 Zentimeter dicke Rohr jährlich eine Million Kubikmeter Trinkwasser an die vier Übergabepunkte bei Weyer, Theres, Horhausen und Wohnau liefern soll, legen die Schweinfurter Stadtwerke ein für eine Infrastrukturmaßnahme rekordverdächtiges Tempo vor. Das Wasser aus den knapp 40 Brunnen der Schweinfurter Erfassung in der Wehr soll bis spätestens Ende 2021 in Richtung Osten fließen. Sichergestellt wird so eine Versorgung in der Größenordnung des Verbrauchs von 10 000 Häusern.

Aus dem Jahr 2017 stammt die Idee der interkommunalen Zusammenarbeit zwischen den Schweinfurter Stadtwerken und dem Zweckverband zur Wasserversorgung der Rhön-Maintal-Gruppe (versorgt in 76 Ortschaften und fast 90 000 Einwohner), dem Stadtwerk Haßfurt (30 000 versorgte Einwohner) und dem Zweckverband der Knetzgau-Sand-Wohnau-Gruppe (12 500 Kunden). Grundlage war die in Teilen der Versorgungsgebiete drohende Wasserknappheit, mit der fast ganz Unterfranken zu kämpfen hat. Schweinfurt sei dagegen "toll aufgestellt", sagte Andreas Göb, der technische Leiter der Stadtwerke beim Ortstermin in der Wehr, wo das Trinkwasser aus dem Uferfiltrat (Flussbegleitwasser) des Mains gewonnen wird. Auch ist der Wasserverbrauch in der Stadt seit den 1980er Jahren gesunken - etwa durch die Großindustrie, die gleich den Privathaushalten Wasser spart und geschlossene Wasserkreisläufe nutzt.

Bis auf Höhe der Gemeinde Theres wird die Leitung ab dem Schweinfurter Wasserwerk parallel zum Main unter Feldwegen verlegt. Ab Theres wird dann nach Süden bis Wohnau gegraben. Wegen seiner Nachhaltigkeit wird das Projekt "Nachhaltige Wasserversorgung", wofür Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe genannt sind, vom Freistaat finanziell unterstützt. Bereits Ende 2018 waren die Verhandlungen mit den Grundbesitzern (Gemeinden und 200 Privateigentümer) "gut gelaufen", so damals Thomas Kästner, Geschäftsführer der Stadtwerke. 2019 waren die Pläne ausgereift und die Ausschreibungen begannen.

Erstellt wird die Transportleitung in drei Abschnitten: bis Weyer, bis Theres, bis Wohnau, wobei die ersten beiden Abschnitte parallel erstellt werden. Dort begannen die Arbeiten bereits gleich nach dem Winter. Während auf den ersten Metern nach dem Wasserwerk die Rohre traditionell verlegt werden, ist für den Großteil der Strecke der Einsatz eines Verlegepflugs ab Sommer angesagt.

Die Arbeit mit dem Pflug gilt als besonders naturverträglich. Entfernt werden muss nur der Mutterboden. Die Maschine zieht die Rohre dann "zentimetergenau" (so Andreas Göb) ins Erdreich und verdichtet dieses auch gleich wieder. Anschließend ist der Mutterboden aufzubringen.

Für den Wassertransport durch die stets zumindest einen Meter tief in der Erde verlegte Leitung wird das Wasserwerk in der Wehr mit einer eigenen Pumpe bestückt. Bis zur Abzweigung nach Süden sind zwar nur geringe, jedoch etliche Höhenunterschiede zu bewältigen. Anschließend ist die Höhe bis Wohnau zu meistern. Zwischen Schweinfurt (226 Meter über Normalnull) und Wohnau (291) beträgt der Höhenunterschied 65 Meter. Halten sollen die Rohre übrigens zwischen 60 und 100 Jahre, was neben den Kosten die Einstufung als Jahrhundertbauwerk rechtfertigt. Gerd Landgraf