Steigende Mieten machen inzwischen auch im ländlichen Raum zu schaffen. Eine Mietpreisbremse gibt es nicht. Nur das Wohngeld aus den 60-ern funktioniert als Unterstützung für weniger Zahlungskräftige. Aktuell lohnt es sich, mal wieder nachzuschauen, ob man vielleicht für eine Förderung in Frage kommt.

Denn 2020 wurden die Sätze in ganz Deutschland angehoben und dürften für einen Anstieg der Wohngeldempfänger auch 2021 sorgen, lautet die Prognose.

Fakten gibt es für 2019, informiert der Zeitungsdienst Südwest in einer Pressemitteilung. Da waren es zum Jahresende bei uns insgesamt 312 mit Wohngeld unterstützte Haushalte. Geld bekommen Menschen, deren Miete sonst für sie nicht bezahlbar wäre, aber auch Hausbesitzer, die mangels Einkommen mit dem Unterhalt ihres Häusles Probleme haben.

Im Kreis Bad Kissingen lag das durchschnittliche Wohngeld zuletzt bei 116 Euro. Das langte in der Bundesliga der Wohngeldhaushalte zu Platz 342 unter 405 ausgewerteten Städten und Kreisen inklusive Stadtstaaten. Spitzenreiter ist der Kreis Offenbach in Hessen. Dort lag das durchschnittliche Wohngeld zuletzt bei 242 Euro.

Zuschlag für Heizkosten

Und seit Jahresanfang kommt noch was dazu: Jetzt funktioniert das Wohngeld auch noch als Notbremse bei der CO2-Bepreisung: Wohngeldempfänger bekommen einen Zuschlag, der die Mehrkosten bei der Heizung abfangen soll.

Dass die Menschen im Kreis Offenbach mehr als die im Kreis Bad Kissingen bekommen liegt nicht daran, dass sie besonders arm sind. Sondern daran, dass sie arm dran sind, weil ihre Mieten besonders hoch sind. Denn je nach Kreis oder Ort und lokalen Mieten gelten Mietenstufen und Höchstbeträge, die den Betrag bestimmen, bis zu dem die Miete durch das Wohngeld bezuschusst wird.

Zuschaussbetrag hängt von Einkommen ab

Ein Beispiel rechnet der Zeitungsdienst Südwest vor. Für zwei Personen in der niedrigsten Stufe sind es 409 Euro. In der Mietenstufe 6 sind bis zu 697 Euro Miete zuschussfähig. Das war bisher der Höchstbetrag. Aber ab 2020 wurde jetzt auch eine Mietenstufe 7 eingeführt, weil die Bandbreite nicht mehr reichte. Mietenstufe 7 deckt jetzt bis zu 767 Euro beim Paar und bis zu 1217 Euro bei einer fünfköpfigen Familie ab. Wohlgemerkt, das ist die Miete, nicht der Zuschussbetrag. Denn dessen Höhe hängt vom Einkommen ab.

Für 2019 lässt sich in Zahlen fassen, um welche Beträge es geht: An Zuschuss hat ein Wohngeldhaushalt im Kreis Bad Kissingen bis jenem Jahresende (das sind die frischesten Daten) durchschnittlich 116 Euro pro Monat erhalten.

282 Haushalte in Bad Kissingen bei der Miete unterstützt

Nach den Daten der Regionaldatenbank der Statistischen Landesämter wurden 282 Haushalte bei der Miete unterstützt (111 Euro im Monat), 30 Haushalte erhielten Lastenzuschuss (167 Euro pro Monat), sprich, sie hatten ein eigenes Häuschen oder eine Eigentumswohnung.

Der Einzelbetrag läppert sich. 2015 hatte das durchschnittliche Wohngeld hier noch bei 95 Euro gelegen. 443 Haushalte wurden mit 0,51 Millionen Euro unterstützt. Warum 2015? Weil 2016 das Wohngeld wieder angehoben wurde und dann bis Ende 2019 unverändert blieb.

Das Wohngeld hat eine vergleichsweise lange Geschichte. Nach heutigen Begrifflichkeiten war es die Mietpreisbremse 1.0, die in den 60-ern erfunden wurde. Das Problem damals: zu wenig Wohnungen, zu hohe Mieten. Die Lösung: Als 1965 das erste Wohngeldgesetz beschlossen wurde, sollte es Einkommensschwachen helfen, ihre Miete zu bezahlen oder ein Häusle behalten zu können.

Wohngeldrechner im Internet

Heute gibt es für eine vierköpfige Familie mit 2300 Euro Einkommen und einer Miete von 740 Euro beispielsweise 262 Euro. Über den Daumen gepeilt und ohne Gewähr, weil die Berechnung recht kompliziert geworden ist. In der Stadt gibt es mehr als auf dem Land.

Es gibt zwar Wohngeldrechner im Netz, aber die liefern nur einen Daumenpeilwert. Die Rechner zeigen aber, dass das 21-Prozent-Mieteanteil-am-Einkommen-Ziel aus den Sechzigern heute wacker verfehlt wird: Da wären bei der Beispielfamilie nur 483 Euro Miete zu berücksichtigen.

Der gute Rat an die Zielgruppe heißt: Am besten lässt man sich das am Amt ausrechnen. Das könnte sich künftig sogar noch mehr lohnen, informiert der Zeitungsdienst Südwest weiter. Denn ab 2022 wird das Wohngeld regelmäßig an die Miet- und Einkommensentwicklung angepasst.

Artikel von Wolfgang Dünnebier