Vor genau 20 Jahren starb die frühere persische Kaiserin Soraya in Paris. Sie war so etwas wie die Lady Diana der 1950er Jahre und wurde als "Märchenprinzessin" weltweit gefeiert. Nur wenige wissen, dass sie auch öfter in Bad Kissingen zu Besuch war, unter anderem, weil ihre Mutter hier mehrmals kurte. Der Kissinger Teppichhändler Ahmad Khonsari erinnert sich noch recht gut an damals.

Soraya Esfandiary Bakhtiary war die Tochter des iranischen Botschafters in Bonn (von 1951 bis 1961), Fürst Khalil Esfandiary Bakhtiary, und seiner deutschen Frau Eva Carl. Geboren wurde Soraya im Iran. Später war sie in Internaten in England und in der Schweiz. Fotos der jungen Frau, die sie in der Schweiz beim Skifahren zeigten, sollen damals zufällig nach Teheran gelangt sein, wo sich der Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlavi, in das Bild der Schülerin verliebte - und sie prompt in den Iran einlud.

Verdienstorden für die Kaiserin

Das Märchen, das dann folgte, verzauberte Generationen: Im Februar 1951 heiratete das Paar vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Soraya soll damals ein 20 Kilo schweres Brautkleid von Christian Dior getragen haben. Die Kaiserin von Persien wurde als "Deutsche auf dem Pfauenthron" gefeiert und stand fortan auch in Deutschland im Mittelpunkt der Medien.

1955 kam das Kaiserpaar zu einem zweitägigen Staatsbesuch nach Bonn, wo Bundespräsident Theodor Heuss Soraya zum Empfang 50 rote Rosen überreichte. Da wurde sie mit der Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Die Kaiserin aus Persien kommt sogar im später veröffentlichten Briefwechsel von Heuss mit einem gewissen Walter Nischwitz vor. Dieser hatte nämlich den Repräsentationsaufwand für den Besuch des persischen Kaiserpaars 1955 in Baden-Baden kritisiert, wo man eigens für den hohen Besuch sogar einen Nachtigallen-Käfig im Hotelzimmer aufgestellt hatte.

Doch das Glück des persischen Kaiserpaars währte nicht lange. Denn dass Soraya kinderlos blieb, überschattete die Verbindung. Schließlich hatte sich der Schah bereits 1948 von seiner ersten Frau Fawzia scheiden lassen, weil sie ihm keinen männlichen Thronfolger hatte schenken können.

"Bubenbad"

1956 war Kaiserin Soraya genau deshalb in Bad Bocklet zu Gast. Denn im Kreis adliger Damen war das Heilbad damals längst als "Bubenbad" bekannt, in dem man seine "Unterleibsprobleme" kurieren lassen konnte, heißt es in den Bad Bockleter Annalen. Und das hatte seinen Grund: Denn schon die frühere Kronprinzessin Marie von Bayern (1825 bis 1889) hatte 1844 in Bad Bocklet gekurt.

Und nach den Anwendungen mit Moor- und Mutterlaugenbädern hatte sie im folgenden Jahr den ersehnten Thronfolger, den späteren Märchenkönig Ludwig II., zur Welt gebracht. Allen hochgestellten Damen wurde dieses Glück aber nicht zuteil, denn Soraya wurde auch nach dem Besuch in Bad Bocklet nicht schwanger. Die Ehe wurde schließlich im April 1958 geschieden.

Auch nach der Scheidung stand Soraya, der man den Titel Prinzessin zugestand, weiter im Blitzlichtgewitter des Boulevards. Sie verbrachte viel Zeit in Deutschland bei den Eltern und wurde von den Papparazzi verfolgt - bis die persische Regierung Beschwerde einlegte. Die Bundesregierung arbeitete damals eine Strafrechtsnovelle aus, die eine derartige Berichterstattung unterbinden sollte. Die "Lex Soraya" passierte aber nie den Bundestag.

Liaison mit Gunter Sachs

Soraya versuchte sich in Frankreich als Schauspielerin und hatte mehrere Liaisons. Im damaligen Jetset war sie äußerst gefragt. Im Jahr 1962 sorgte Playboy Gunter Sachs (Schweinfurt) mit seiner Verbindung zur persischen Ex-Kaiserin für Aufsehen.

Daran erinnert sich auch noch der Bad Kissinger Teppichhändler Ahmad Khonsari. "Nicht nur Soraya, sondern auch Sachs‘ spätere Ehefrau Brigitte Bardot waren damals öfter in Bad Kissingen", sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Vielleicht habe sich Sachs mit Promis auch deswegen öfter in der Kurstadt gezeigt, weil er seinerzeit hier fünf Villen angemietet hatte, wie die frühere Kohlhepp-Villa in der Kantstraße, um seine Geschäftsfreunde unterzubringen. Ob Soraya in einer solchen Villa wohnte, weiß Khonsari aber nicht.

Die persische Prinzessin sei jedenfalls damals im Bad Kissinger Spielcasino gesichtet worden. Auch das Terrassenschwimmbad soll sie seinerzeit besucht haben. Denn das war 1954, nach sehr kurzer Bauzeit, eröffnet worden und galt als das erste moderne Terrassenbad der Nachkriegszeit in Europa.

Soraya sei jedes Jahr ein paarmal in der Kurstadt gewesen, weil ihre Mutter im Hotel Fronius öfter zur Kur war, erzählt Khonsari. Sorayas Mutter sei irgendwann bei einem Spaziergang auf das architektonisch ungewöhnliche Haus mit der schwarzen Kuppel im Rosengarten aufmerksam geworden, das bis 1963 noch sein Vater führte. "Sie kam herein, und wir unterhielten uns mit ihr." Später stellte sich heraus, dass es sogar eine Querverbindung zwischen dem Schah und der Bad Kissinger Familie Khonsari gab: "Ein Bruder meiner Mutter war Pilot im Dienst des Schahs gewesen und hatte ihn immer geflogen, wenn er ins Ausland musste." Isolde Krapf