Hammelburg
Handel

Warum eine Institution schließt

Das letzte Fachgeschäft seiner Art in Hammelburg schließt für immer seine Pforten. Doch Inhaber Rudolf Schumm will in einer Sache weiter für seine Kunden da sein.
Der Laden ist ein Blickfang am Postamtskreisel.
Der Laden ist ein Blickfang am Postamtskreisel. Foto: Klaus Kohlhepp
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Schon jetzt ist klar: Die Schließung von Euronics-Schumm in der Saaletalstraße Ende September wird eine schmerzliche Lücke in Hammelburgs Geschäftswelt hinterlassen. Der gebotene Service wird fehlen. Denn der Erwerb eines Elektrogerätes ist die eine Sache, es dann daheim selbst zu bedienen eine ganz andere. "Die Technik ist komplexer geworden", spürt Rudolf Schumm bei seiner täglichen Arbeit.

Über eine Stunde dauere es beispielsweise, einen verkauften Fernseher auszuliefern und dabei dem Kunden möglichst alle Funktionen anschaulich zu erklären, sagt der Fachmann. Folglich ist die Laden-Schließung vor allem für weniger technik-affine Menschen eine schlechte Nachricht, weil damit ein vertrauter Ansprechpartner vor Ort fehlt. Dies bekommen Schumms schon jetzt zu spüren. Seit Mitte August künden große Plakate in den Schaufenstern vom Räumungsverkauf. "Von da an rufen Kunden an und wollen wissen, wie es nun weitergeht", berichtet Schumm.

Einst mit Röhrenfernsehern angefangen

Der Laden ist gewissermaßen eine Institution am Ort. Mit vielen Hammelburgern hat der Radio- und Fernsehtechniker im Laufe seines Berufsleben den Wandel von der analogen zur digitalen Technik durchlebt. "Gelernt habe ich 1973 noch an Röhrenfernsehern", erinnert er sich an die Zeit zurück, als es gerade Mal drei mehr oder weniger gut empfangbare TV-Programme gab. Das war noch überschaubar: "Heute haben viele, vor allem Ältere, alleine schon Schwierigkeiten, die Senderliste zu programmieren", weiß der Fachmann.

Der Wandel von den gut und gerne bis zu 50 Kilogramm schweren Flimmerkisten in den 1970er zu den schicken flachen Geräten von heute habe ja auch sein Gutes. Sie sind weniger störanfällig und brauchen mit 60 Watt fast nur noch ein Zehntel der Energie.

Neben der angebotenen Technik hat auch der Laden von Rudolf und Ellen Schumm eine bewegte Geschichte. Angefangen hat Euronics-Schumm in einer Zeit als Elektro-Römisch und Fernseh-Erb die Platzhirsche der Unterhaltungstechnik in der Stadt waren. Als sein Chef 1983 überraschend starb, bekam er die Möglichkeit seinen Lehrbetrieb Erb zu übernehmen. Das Wissen dazu brachte er von seiner erfolgreichen Meisterprüfung 1981 an der Handwerkskammer Bayreuth mit. Allerdings brauchte sein Laden eine Neuorganisation, denn dieser war anfangs auf drei Betriebsstätten verteilt: Das Hauptgeschäft und einen Plattenladen in der Kissinger Straße sowie eine Werkstatt in der Rote-Kreuz-Straße. Insgesamt waren dort vier Angestellte und sieben Auszubildende beschäftigt.

"Anfang 1986 gab es die Möglichkeit, Werkstatt und Verkauf am heutigen Standort in der Saaletalstraße zusammenzuführen", erinnert sich Schumm. Nach dem Erwerb der Immobilie am heutigen Postamtskreisel vergrößerte er die Verkaufsfläche, um sie den Marktgegebenheiten anzupassen. 2004 wurde die Ausstellungsfläche nochmals auf 140 Quadratmeter erweitert und neu eingerichtet. Um preislich konkurrenzfähig zu bleiben, hatte Schumm sich zwischenzeitlich der Einkaufsgemeinschaft Euronics angeschlossen. Die Kunden seien angesichts des Internets preisbewusster geworden, so der Fachmann. Bester Preis und bester Service passten aber nicht immer ganz zusammen, gibt Schumm zu bedenken. Deshalb habe man sich auf einen Mittelweg begeben.

Standen zunächst die Unterhaltungselektronik auch mit Videorekordern und Plattenspielern sowie Telefonanlagen im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit, so erstreckt sich das Sortiment inzwischen zur Hälfte auch auf Haushaltsgeräte.

Ende der 1980er Jahre habe man zudem mit einem Hifi-Studio zum Probehören guten Umsatz gemacht, doch die Neigung, in schwere Receiver und Lautsprecherboxen Tausende von Euro zu investieren, habe angesichts des Einzugs von Kompaktgeräten nachgelassen.

Von allzugroßer Wehmut über die Geschäftsaufgabe ist bei dem 64-Jährigen nichts zu spüren. "Alles hat seine Zeit", sagt er rückblickend. Der Laden und die Werkstatt mit den Reparaturen hätten ihn und seine Frau sechs bis sieben Tage in der Woche in Beschlag genommen. Auch die Auslieferung einer 100-Kilogramm schweren Waschmaschine sei schließlich kein Pappenstiel. Jetzt gelte es, das Leben etwas ruhiger angehen zu lassen.

Keinen Nachfolger gefunden

Zu dritt, zusammen mit seiner Frau Ellen und Verkäufer Klaus Kohlhepp, stemmt er den abschließenden Räumungsverkauf. Für die Werkstatt habe er trotz intensiver Bemühungen keinen Informationstechniker und keinen Auszubildenden mehr bekommen. Gescheitert seien bisher auch alle Bemühungen, gemeinsam mit der Handwerkskammer einen Nachfolger für das gut eingeführte Fachgeschäft zu finden. "Deshalb ist die Entscheidung gereift, das Ladengeschäft Ende September zu schließen". Geprägt waren die vergangenen Monate durch Lieferengpässe. Auf ein Waschmaschinen-Modell wartet er seit Januar.

Dankbar sind Schumms für die Treue ihrer Kunden. Auch aus Verbundenheit will Rudolf Schumm die Werkstatt noch eine Zeit weiterführen. Verkäufer Klaus Kohlhepp, der mit zu dem freundlichen Erscheinungsbild des Betriebes beitrug, wird nach über 37 Jahren Firmentreue in eine andere Branche wechseln. Wolfgang Dünnebier