Sie sind Männer mit aktivem politischem Amt, pendeln teilweise zwischen Berlin und ihrem Wohnort in Unterfranken und sind meist täglich auf mehreren Terminen und Versammlungen. Doch sie haben noch eine andere wichtige Rolle: Sie alle sind Väter. Wie stemmen sie diese Doppelrolle und welche Unterstützung haben sie?

Auch Väter stehen vor der Herausforderung, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Wie schaffen sie das? Wir haben vier Politiker aus der Region gefragt. Das sind ihre Antworten:

1. Landtagsabgeordneter Steffen Vogel (CSU) aus dem Stimmkreis Haßberge

"Ich habe meine Kinder schon öfter mit zur Arbeit genommen, das ist gar kein Problem und da gab es auch keine negativen Kommentare - im Gegenteil. Aber für die Kinder ist das natürlich oft sehr langweilig. Mein jüngerer Sohn ist acht Jahre alt und lebt bei meiner Frau und mir, meine beiden älteren Söhne leben bei meiner Ex-Frau. Da kann sich jeder vorstellen, wie die zwei Großen reagieren, wenn sie am Wochenende bei mir sind und es dann heißt: 'Wir gehen jetzt auf Versammlungen.'

Vielleicht muss sich auch die Erwartungshaltung in der Partei und der Bevölkerung ändern. Ich würde mir wünschen, dass es öfter akzeptiert wird, dass ich nicht vor Ort bin, wenn es heißt: Papa-Wochenende. Wir verzichten als Mandatsträger ohnehin häufig auf Familienzeit und da muss man sich diese bewusst nehmen. Ich würde dennoch sagen, dass es Väter in der Politik leichter haben als Mütter, weil das Verständnis ein anderes ist. Bei Männern geht man davon aus, dass die Frau zu Hause bleibt, während der Mann in der Politik engagiert ist. Bei einer Frau wird aber automatisch davon ausgegangen, dass sie sich um die Kinder kümmert, während es sich viele nicht vorstellen können, dass der Mann zu Hause bleiben könnte - leider."

2. Landtagsabgeordneter Patrick Friedl (Grüne) aus Würzburg

"Heute ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Vereinbarkeit von Familie und Politik nicht einfach ist. Sie erwischen mich an einem freien Tag für die Familie. Heute Morgen hatte ich aber auch schon zwei Anrufe aus meinem Büro. Die Politik ist darauf angelegt, immer sofort und aktuell verfügbar zu sein. Meine Familie muss da sehr viel Rücksicht nehmen, wofür ich sehr dankbar bin. In den vergangenen Jahren hat sich sehr viel auf Digitales umgestellt. Dadurch bin ich physisch zwar häufiger anwesend, aber real nicht, weil ich zum Beispiel in digitalen Sitzungen bin, die gern mal den gesamten Tag in Anspruch nehmen.

Bis zu meinem Landtagsmandat haben meine Frau und ich uns die Betreuung unserer Tochter geteilt. Ab dem Moment, wo ich in den Landtag gewählt wurde, war aber klar: Das ist so nicht mehr möglich. Ich habe den Eindruck, dass es von Außenstehenden eher Respekt als Ablehnung dafür gibt, dass man als politisch Verantwortlicher versucht, zum Beispiel bei Schul- und Arztterminen der Tochter präsent zu sein.

Alleinerziehend im politischen Amt zu sein, kann ich mir nur schwer vorstellen. Wie soll das gehen? Da bräuchte es zusätzlich feste Betreuungspersonen. Die zeitlichen Belastungen und Abwesenheitszeiten auf Terminen sowie im Landtag in München machen das nur schwer möglich."

3. Bundestagsabgeordneter Karsten Klein (FDP) aus Aschaffenburg

"Als Familienvater von drei Kindern, in diesem Umfang politisch aktiv zu sein, wäre nicht möglich, wenn meine Frau das Familienleben nicht managen würde. Sie hat, nachdem unser dritter Sohn geboren wurde, ihren Job aufgegeben und kümmert sich seitdem voll um unsere Kinder. Ohne Hilfe, sei es durch die eigene Familie oder externe Hilfe, wäre dieser Job für mich unmöglich. In den Sitzungswochen sehe ich meine Kinder nur am Wochenende und auch da sind noch Parteiveranstaltungen und Ähnliches.

Ich habe mich aber bewusst für eine Familie und Kinder entschieden, deshalb möchte ich mir die Zeit dafür auch nehmen, aber klar, das ist oft ein großer Balanceakt. Ich glaube, dass es Frauen, vor allem wenn die Kinder noch kleiner sind, noch viel schwerer in der Politik haben. Die Bindung vom Kleinkind zur Mutter ist noch mal intensiver. Unmöglich ist es aber nicht, das beweisen meine Kolleginnen täglich. Da spielt aber auch mit rein, dass der politische Betrieb in den vergangenen Jahren deutlich toleranter gegenüber Familien geworden ist. Kolleginnen und Kollegen bringen am Wochenende zum Beispiel ihre Kinder mit zu Abstimmungen oder Veranstaltungen. Das ist in der Partei kein Problem. Es stehen bei solchen Veranstaltungen parallel immer auch Betreuungsangebote für Kinder zur Verfügung, so dass es immer irgendwie machbar ist. Auch zu Abstimmungen im Bundestag haben Kolleginnen und Kollegen schon ihre Babys mitgebracht."

4. Bürgermeister Matthias Bielek (Freie Wähler) aus Dettelbach

"Bürgermeister einer Stadt zu sein und gleichzeitig Familienvater, funktioniert nur mit der richtigen Ehefrau. Unsere Tochter ist knapp zwei Jahre alt und geht noch nicht den ganzen Tag in die Kita. Die Zeit tagsüber, in der sie betreut werden muss, übernimmt logischerweise meine Frau. Ich habe meine Tochter aber auch schon mit ins Büro genommen.

Das ist natürlich nicht die Regel, aber es kommt schon mal vor. In meinem Amt habe ich die Freiheit, dass ich meine Termine selbst steuern kann. Dadurch habe ich an manchen Stellen deutlich mehr Flexibilität als ein Vater im Angestelltenverhältnis mit festen Arbeitszeiten.

Deshalb möchte ich gar nicht jammern. Mit einer guten Organisation ist die Elternschaft und mein politisches Amt miteinander vereinbar. Der entscheidende Faktor ist natürlich meine Frau, die mir den Rücken freihält. Bisher bin ich noch nicht auf Unverständnis gestoßen. Solang ich als Bürgermeister erreichbar bin, merkt es keiner, wenn ich Mittwochs um 14 Uhr Feierabend mache, um den Tag mit meiner Tochter zu verbringen. Ich weiß aber nicht, wie die Leute reagieren würden, wenn ich drei- oder viermal einen Termin absagen würde, wegen meiner Tochter." Gina Thiel