Voll besetzt war die Rhönhalle bei der Bürgerinformationsversammlung zu einem möglichen Nationalpark in der Rhön. Die Stimmung in Frankenheim war durchaus positiv und offen. Zwar gab es auch kritische Stimmen, aber die grundsätzliche Bereitschaft zuzuhören und das Angebot des Ministeriums näher zu prüfen, war deutlich spürbar. Bürgermeister Georg Seiffert begrüßte neben Oliver Konopik vom Umweltministerium auch Jörg Steinhoff von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken, Michael Geier vom Biosphärenreservat Rhön sowie Landrat Thomas Habermann.
Zunächst waren nur Bürger aus dem Stadtgebiet von Bischofsheim in die Halle eingelassen worden. Dies sei den eingeschränkten Platzverhältnissen geschuldet, begründete Seiffert die Vorgehensweise. Er wollte sicherstellen, dass alle interessierten Bischofsheimer die Möglichkeit zur Teilnahme hatten. Doch schließlich war für alle Bürger, auch für die aus benachbarten Gemeinden ausreichend Platz in der Rhönhalle.
Zu Beginn stellte Seiffert klar, dass in einer Bürgerversammlung ausschließlich Bürger aus dem Stadtgebiet von Bischofsheim ein Rederecht haben. Den beiden Bürgern von außerhalb, die sich während der Versammlung zu Wort meldeten, bot Konopik ein persönliches Gespräch im Anschluss an den offiziellen Teil an.
Altbürgermeister Armin Lommel sagte eindringlich: "Ich hoffe es ist jedem klar, wir befinden uns in einer Konkurrenzsituation. Nicht der, der den meisten Widerstand leistet, wird den Nationalpark bekommen, sondern dort, wo er gewünscht wird, wo die Chance für die Entwicklung der Region gesehen wird." Es müsse aus der Region schon ein klares Ja kommen, appellierte er und begründete: "Denn die anderen Konkurrenten sind sehr sehr stark." Er bekam für dieses Statement Applaus. Christian Thalheimer verwies auf das Zukunftspotenzial eines Nationalparks. Im Dialog weiterzugehen und mehr Details zu erarbeiten, könne nicht schaden. Das sah Ingrid Reichelt-Schölch ähnlich. "Da will uns jemand ein Konzept anbieten, warum sollten wir dies ausschlagen? Es könnte ja sein, dass es langfristig etwas bringt. Wir sollten es uns zumindest anschauen, um hinterher Ja oder Nein sagen zu können."


Kurzfristiges Projekt

Eine lose Gruppierung Unterweißenbrunner hatte im Vorfeld der Versammlung einen schriftlichen Fragenkatalog eingereicht. Darin ging es unter anderem um die Kurzfristigkeit des ganzen Prozesses. Rudi Büttner: "In drei Monaten soll das alles umgesetzt werden. Andere Projekte vergleichbarer Tragweite werden in Jahren oder Jahrzehnten realisiert." Drei Monate seien es nicht, entgegnete Oliver Konopik. Nach dem Beschluss des Ministerrates im vergangenen Jahr gab es erste Gespräche mit den politisch Verantwortlichen im Herbst. Derzeit finde die Dialogphase statt, der die Konzeptphase folge.
Der Ministerrat werde am 18. Juli entscheiden, mit welcher Region ein Detailkonzept erstellt werde. "Das heißt dann noch nicht, dass der Nationalpark kommt. Die Möglichkeit auszusteigen bleibt bis zum Ende der Konzeptphase."
Jetzt gehe es für die Region lediglich darum, zu entscheiden, ob das Angebot des Ministeriums für einen Nationalpark näher betrachtet werden soll oder nicht. Konopik versicherte, dass auch in der Konzeptphase weiterhin ein enger Dialog mit der Bevölkerung gepflegt werde. "Gemeinsam soll ein maßgeschneiderter Nationalpark entwickelt werden, der zur Region passt." Ob für alle vier im Moment im Gespräch befindlichen Regionen ein Detailkonzept erstellt werde, wenn diese es wünschen, wollte Kurt Viernickel wissen. Darüber sei noch nicht abschließend entschieden, sagte Konopik. Es sei vorstellbar, dass mehrere Detailkonzepte erstellt werden.


Ausgleichsflächen

Immer wieder wurde in der Versammlung das Thema Ausgleichsflächen für große Projekte, wie die dritte Startbahn des Flughafens oder das Skigebiet am Riedberger Horn diskutiert. Konopik stellte klar, dass Ausgleichmaßnahmen für derartige Projekte im gleichen Naturraum stattfinden müssen, schon rein rechtlich könnte ein Nationalpark Rhön nicht als Kompensationsmaßnahme dienen.


Steinhoff: Nicht verquicken

Jörg Steinhoff bat, die Themen Ausgleichsflächen und Nationalpark nicht miteinander zu verquicken. "Sie haben einfach nichts miteinander zu tun." Um ein Detailkonzept zu erstellen, sei die Gründung von Arbeitsgruppen angedacht. Wer in diesen Arbeitsgruppen mitarbeiten werde und wer über die Besetzung entscheide, wollte Thorsten Riecke wissen.
Landrat Thomas Habermann bat alle interessierten Bürger sich zu beteiligen. Er könne sich Arbeitsgruppen mit 30 bis 40 Personen vorstellen. Diese Arbeitsgruppen seien keine konspirativen Vereinigungen, es gehe hier auch um Transparenz und zeitnahe Bürgerinformation, ergänzte Konopik.