Saisonauf-takt des TSV Bad Königshofen gegen den Meisterschafts-Mitfavoriten TTF Ochsenhausen und gut drei Viertel der Shakehands-Arena waren leer. Die Stimmung der etwa 230 Zuschauer war aber dennoch des Öfteren am Siedepunkt, aber auch am Ende, als die 2:3-Niederlage feststand, nicht am Tiefpunkt.

Die Besucher sahen gleich wieder ihren Krimi von dreieinhalb Stunden Länge. In dem der Täter bereits nach zwei der fünf möglichen Matches überführt schien, ehe sich doch eine Wende ergab. Und sich beim Stand von 2:2 im Schlussdoppel ein fünfter Satz und ein Finale entspann, das die Wende der Wende bedeutete. Gnadenlos für die Gastgeber.

Steger verliert überraschend

Bastian Steger an Position 1 war gegen den jungen Polen Samuel Kulczycki eigentlich ein Sieg und die Führung zugetraut worden. Er enttäuschte keineswegs, hatte Normal-, vielleicht keine Glanzform. Aber der Pole hat sich unerhört stark weiter entwickelt.

Das Publikum war sofort da, Steger auch, aber Kulczycki spielte respekt- und hemmungslos auf gegen einen der besten Einzelspieler der vergangenen Saison. Der allerdings nur den zweiten Satz für sich verbuchen konnte.

Nun stand also Filip Zeljko, für den die Erwartungen nicht ganz so hoch hingen, gehörig unter Druck. Er, 276. der Weltrangliste, sollte gegen die Nr. 28, den US-Amerikaner Kanak Jha, einen Sieg schaffen? Er enttäuschte nicht, war aber hinterher enttäuscht. Nur den dritten Satz (12:10) verbuchte er für sich. 0:2 - der Krimi drohte Kurzformat zu bekommen.

Die ganze Last lag im Duell der taktischen Dreier auf den Schultern von Kilian Ort, der mit Gold und Silber, vom WTT-Contender-Turnier in Budapest zurückgekommen war. Er traf auf den zwei Jahre älteren Simon Gauzy, Nr. 20 der Welt, der in Tokio im Achtelfinale am Chinesen und späteren Boll-Bezwinger Ma Long gescheitert war. Dieses sensationelle Fünf-Satz-Match, das Ort mit 9:11, 11:8, 11:4, 4:11, 12:10 gewann und seine Mannschaft wieder zurück in die Erfolgsspur führte, war Weltklasse.

Kilian Ort spielt groß auf

Gauzy war nach Liam Pitchford der zweite Top-20-Spieler, den der Bad Königshöfer binnen vier Tagen bezwingen konnte. Wobei der Höhepunkt eine Serie von sensationellen Ballwechseln im fünften Satz beim 12:10 waren.

Der Anschlusstreffer war also gelandet, Bastian Steger sollte der Ausgleich gelingen. Was, obwohl gegen Kanak Jha, auch zu erwarten war. Denn zweimal an einem Tag verliert ein Steger nur ganz selten.

Dieses Spiel hatte aber eine ganz andere Architektur als das vorherige: Der Grand Seigneur (40) des deutschen Tischtennis gegen den US-Boy (21). Nach einer kleinen Konzentrationsdelle im dritten Satz nahm die Klasse des Spiels im vierten noch einmal zu. Fast schien es zum Leidwesen von Steger, weil Jha schon auf 6:9 weg war. Doch dann spielte der Oberpfälzer bei den Bad Königshöfern seine ganze Erfahrung aus. Mit 11:9, 11:8, 5:11, 12:10 egalisierte Steger zum 2:2. Uund begründete die Endphase der Tätersuche des Krimis - das Schlussdoppel.

Bei dem überraschte, dass der TSV seinen frisch gebackenen Doppel-Europameister Maksim Grebnev (19) auf der Bank ließ und der in der vergangenen Saison so erfolgreichen Kombination Ort/Zeljko vertraute. Gauzy/Kulczycki waren eigentlich im Duell der vier Rechtshänder fast schon am Boden bei 2:1-Satzführung für die Gastgeber. Dann drehten sie aber noch den Spieß um und ließen Publikum und tapfere TSV-Spieler in die Röhre gucken.