Fünf Wochen ist es her, dass ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Bad Kissingen vom Landgericht Schweinfurt zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Die Große Strafkammer hatte den Mann nach sechs Verhandlungstagen für schuldig befunden, die neunjährige Tochter seiner Lebensgefährtin in Dutzenden Fällen zum Teil schwer sexuell missbraucht zu haben sowie das Kind auf Parkplätzen auch anderen Männern gegen Geld zum Missbrauch angeboten zu haben.

Seit Dienstag steht nun die 39-jährige Mutter des Kindes vor derselben Strafkammer des Schweinfurter Landgerichts und muss sich wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern durch Unterlassen verantworten. Außerdem wird ihr mittäterschaftlicher sexueller Missbrauch von Kindern und Beihilfe durch Unterlassen zur Herstellung kinderpornografischer Schriften vorgeworfen.

Wie schon der Prozess gegen den 49-Jährigen, findet auch der aktuelle gegen die Mutter des missbrauchten Kindes unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Medienandrang am ersten Verhandlungstag war groß.

Blieb die Mutter bewusst untätig?

Um den umfangreichen Tatvorwurf zu verlesen, benötigte der Staatsanwalt eine Dreiviertelstunde. Der Verteidiger versuchte zunächst, durch eine Besetzungsrüge das Verfahren auszusetzen oder zu unterbrechen. Das lehnte die Kammer nach kurzer Beratung ab, sie hält sich für richtig besetzt.

Schon beim Prozess gegen den 49-Jährigen ging aus der Anklageschrift hervor, dass die Mutter eine Vielzahl der Missbrauchstaten geduldet haben soll. Zumindest sei sie aber nicht eingeschritten, obgleich sie als Mutter der Minderjährigen eine besondere Sorgfaltspflicht habe.

Fünfzehnseitige Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft listete in ihrer fünfzehnseitigen Anklageschrift gegen die Mutter 40 Missbrauchstaten durch angefertigte Fotos und Videos zwischen Juni 2018 und Ende Juli 2020 auf, die wegen des "bewussten Untätigbleibens durch die Angeklagte" hätten erfolgen können. Demnach soll ihr Lebensgefährte in der gemeinsamen Wohnung im Landkreis Bad Kissingen eine Vielzahl von Nacktfotos und pornografischen Videoaufnahmen von ihrer Tochter gefertigt haben.

Das Mädchen war den Ermittlern zufolge neun Jahre alt, als der 49-Jährige anfing, es unter anderem in der Wohnung, bei Fahrrad- und Campingausflügen sexuell zu missbrauchen. Zudem hatte der Mann das Mädchen fremden Männern auf Autobahnraststätten zum Missbrauch angeboten. Ein Lastwagenfahrer soll ihr nach dem Missbrauch fünf Euro und eine Packung Zigaretten gegeben haben.

Die Angeklagte schweigt zunächst

Der Angeklagten sei bewusst gewesen, dass sie als Mutter zur besonderen Fürsorge ihrer Tochter gegenüber verpflichtet gewesen sei. Trotz Dutzender sexueller Übergriffe sei die Mutter nicht eingeschritten, sondern habe sich für "bewusstes Untätigbleiben" entschieden, sagte der Oberstaatsanwalt. Auch in sechs Fällen, in denen der 49-Jährige die Tochter sexuell missbraucht habe. Laut Staatsanwaltschaft hatte ihr Lebensgefährte "emotionalen Druck" auf die Angeklagte ausgeübt, indem er beispielsweise die Trennung androhte.

Was sagt die Angeklagte zu den Vorwürfen? Erst einmal nichts, so ihr Verteidiger. Grundsätzlich wolle sich die Angeklagte umfassend zu den Vorwürfen äußern - aber erst am nächsten Verhandlungstag, der am 21. Juli voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll. Die Frau sitzt seit dem 2. Oktober in Untersuchungshaft. fan