In den 1960er Jahren, als das Schweinfurter Theater gebaut wurde, war Asbest so normal wie heute Kunstfasern. Überall wurde es verbaut, hineingemischt, selbst in Wandputze, Decken oder Fensterbretter. Heute weiß man: Der Stoff ist krebserregend. Ihn auszubauen ist aufwändig, ihn zu entsorgen teuer. Asbest ist nicht der einzige Schadstoff, den Experten in der Vorbereitung der Generalsanierung des Theaters der Stadt Schweinfurt gefunden haben, die heuer beginnen und bis 2024 abgeschlossen sein soll.

Daneben finden sich im 1966 eröffneten Theater unter anderem auch Polychlorierte Biphenyle, PCB, oder auch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, PAK. Eine große Überraschung sei das nicht gewesen, sagt Kerstin Eichel vom Städtischen Hochbauamt. Sie ist Bauleiterin des 42 Millionen Euro schweren Projekts, mit dem insgesamt zehn Fachbüros und eine Vielzahl von Sachverständigen betraut sind. Die Altlast, mit der man sich herumschlagen muss, ist der Bauzeit geschuldet.

Überall im Gebäude wurde geprüft, bewertet. Gelbe Kreuze hängen dort, wo keine Schadstoffe gefunden worden sind; rote zeigen belastete Bereiche an. Wie das Büro des neuen Theaterleiters Christof Wahlefeld. Als der kurz nach dem Einzug ein Bild abhängen wollte, riet man ihm kurz und trocken, den Nagel lieber in der Wand zu lassen und nicht herauszudrehen.

2001 wurde schon einmal saniert, wurde Asbest ausgebaut, allerdings nur im vorderen Bereich des Theaters, inklusive Foyer. Die Schadstoffbelastung ist ein Grund dafür, dass das Haus komplett zurückgebaut werden muss. Vom Theater aus den 1960ern hin zu einem Rohbau, dann zu einem nach modernen Maßstäben sanierten Haus.

Am Ende wird es nicht anders aussehen als jetzt. Denn: Schweinfurts Theater ist ein denkmalgeschütztes Kunstwerk, geschaffen vom Architektenpaar Erich Schelling und Trude Schelling-Karrer, und darf nicht verändert werden. So wird auch der geplante Anbau unsichtbar sein, zweigeschossig, 400 Quadratmeter in der Tiefe.

Gravierende Mängel gibt es auch in Sachen Brandschutz und nicht zuletzt bei der Technik, angefangen von Rohren, die inzwischen verrostet sind, bis hin zur Bühnentechnik. Auch sie stammt aus den 1960ern.

Wie vor einhundert Jahren müssen Bühnenbilder mit sogenannten Handkonterzügen hoch- und runtergelassen werden. Das ist nicht nur anstrengend, sondern vor allem gefährlich. In diesem Jahr ist die Betriebserlaubnis des TÜV ohnehin abgelaufen, und moderne Elektrozüge sind längst nötig, sagt Thechnikchef Jochen Kuhn bei einer Führung für den Schul- und Kulturausschuss des Stadtrates. Zusammen mit seinem Team bereitet er alles vor. Bühnenbilder, Ausstattung und schließlich die drei wertvollen Flügel, die ganz oben unter dem Dach in Klimakammern stehen, müssen ins Ausweichquartier gebracht werden.

Vieles ist schon ausgebaut, der Zuschauerraum fast leer. Die Bühne dient als Zwischenlager für alles, was ausgebaut wird - vom Scheinwerfer bis hin zur Glühbirne, die unter Denkmalschutz steht.

Edles (und teures) Inventar gibt es im Schweinfurter Theater einiges, darunter Leuchten von Swarowski oder die Glastropfen aus Murano. Aufwändig sind auch die dreieckigen Akustik-Teile an den Seitenwänden des Zuschauerraums. Sie müssen einzeln abgenommen werden. Die Leitungen, die darunter verlaufen, können so nicht bleiben, das haben Scans gezeigt, erklärt Bauleiterin Kerstin Eichel.

42 Millionen Euro wird die Stadt in die Generalsanierung investieren. Der Freistaat Bayern will 75 Prozent der förderfähigen Kosten tragen.

Gefunden haben die Fachleute schon jetzt, vor Beginn der Sanierung, einige Kuriositäten. Zum Beispiel einen Schacht voll Wasser ganz unten im Theater, der offensichtlich von Schichtenwasser kontinuierlich gefüllt wird. Wofür der Schacht da ist, man weiß es nicht.

Wer ein Stück aus dem Schweinfurter Theater, zum Beispiel einen alten Scheinwerfer, erwerben möchte: Am 30. April wird es einen Flohmarkt geben. Katja Behringer