2017 begann die GVS-Unternehmensgruppe (Rottweil) mit den Planungen des Großprojekts, im Zuge dessen zum einen das Schlachthof-Areal umgewandelt, zum anderen das Postgelände in der Innenstadt baulich aufgewertet werden soll. Laut Planung wird zunächst an der Oskar-von-Miller-Straße ein neues Post-Verteilzentrum gebaut. Die Logistik der Post soll unmittelbar danach aus der Innenstadt in dieses neue Gebäude umziehen.

Bekannt ist auch schon, dass in einem zweiten Schritt die aktuellen Post-Liegenschaften in der Stadt umgestaltet werden sollen, wobei die Postbank-Filiale bestehen bleibt. In einem Neubau im derzeitigen Posthof können sich Ärztinnen und Ärzte ansiedeln. Zudem ist in den Plänen vorgesehen, in dem Haus eine Apotheke, eine Kindertagesstätte, ein Café sowie ein Seniorenzentrum anzusiedeln.

Aber auch der Schlachthof selbst wird, nach Angaben der Stadt, saniert und neu belegt, unter anderem mit einem Café plus Rösterei, einer Oldtimer-Werkstatt und anderen Räumen mit historischem Hintergrund.

Jahrelange Planung

Dass derart umfangreiche Planungen nicht von heute auf morgen umzusetzen sind, leuchtet ein. Dementsprechend feilten GVS-Unternehmensgruppe, die Post und die Stadt Bad Kissingen jahrelang an der Umsetzung dieses detailreichen Projekts. Unter anderem hatte auch das Landesamt für Denkmalschutz sowohl beim Umbau der geschichtsträchtigen Ochsenkathedrale als auch bei der Sanierung des denkmalgeschützten Postgebäudes in der Innenstadt entscheidende Worte mitzureden.

Noch im Frühjahr 2022 hatte die Behörde, für die Planer offenbar unvermutet, Bedenken bezüglich einzelner Maßnahmen angemeldet, so dass sich der Baubeginn erneut verzögerte.

Zudem gehört ein komplexes Vertragswerk zu den Besonderheiten dieses Bad Kissinger Großprojekts. Der Projektentwickler GVS musste sich der Stadt gegenüber unter anderem dazu verpflichten, den Schlachthof Unesco-konform und in einem bestimmten Zeitrahmen zu sanieren und umzubauen.

So müssen beispielsweise Fenster, Dach und Fassade des historischen Gebäudes innerhalb von fünf Jahren, also bis zum ersten Quartal 2027, saniert sein, sagt der städtische Pressesprecher Thomas Hack auf Anfrage dieser Redaktion. Das geplante Erlebnis- und Mobilitätszentrum soll innerhalb von zehn Jahren, also spätestens bis zum ersten Quartal 2032, in Betrieb genommen werden.

Zwei Millionen Euro Sicherheitsleistung

Vertraglich festgelegt ist auch: Sobald die Pläne fix sind und der Baubeginn ansteht, muss die GVS-Gruppe eine Sicherheitsleistung von zwei Millionen Euro bei der Stadt Bad Kissingen hinterlegen. Denn falls das Projekt aus irgendwelchen Gründen nicht zu Stande kommt, könnte die Stadt diese Summe dann selbst zur Sanierung verwenden.

Die Stadt hat das Schlachthof-Gelände zwar längst an GVS verkauft. Laut Hack fand jedoch noch kein Eigentumsübergang statt. Vertraglich festgelegt sei auch eine "Rückkauf-Option". Die Sicherheitsleistung wurde bislang noch nicht hinterlegt, teilt der Pressesprecher mit.

Was die Bedenken der Denkmalbehörde angeht, sind die offenbar inzwischen ausgeräumt. Erst am Mittwoch gab es noch einmal ein klärendes Gespräch mit dieser Behörde, sagt GVS-Projektentwickler Martin Geiger.

Aber nicht nur Denkmalschutz-Belange mussten in jüngerer Zeit noch erörtert werden, auch bezüglich der Baugenehmigung zum Post-Logistikzentrum habe weiterer Abstimmungsbedarf bestanden. So wurde, laut Geiger, die Tekturplanung noch einmal neu eingereicht. "Wir müssen uns offenbar noch eine Weile mit den beengten Verhältnissen im alten Logistikzentrum abfinden", sagt Alexander Böhm, Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group (Frankfurt) auf Anfrage der Redaktion zum Stand der Dinge.

Nach seinen Angaben ist der Neubau am Schlachthof für die Post "dringlich", denn die Platznot an der Münchner Straße werde immer größer. "Es ist ja kein Geheimnis, dass zwar das Briefaufkommen stark gesunken ist, aber die Pakete immer mehr werden." Er hoffe nun auf den Bau des neuen, etwa 50 Meter langen Verteilzentrums, im ersten Quartal 2023.

Dass sich der Baubeginn immer weiter verzögerte, liegt laut GVS-Projektentwickler Geiger an einer "Vielzahl von Faktoren". Zunächst habe die Corona-Pandemie alles lahmgelegt. "Dann kam die Ukraine-Krise, wo wir erkennen mussten, dass ohne bestimmte Materialien gar nichts weitergeht." Zum Beispiel sei eine Zeit lang kein Stahl verfügbar gewesen. "Den brauchen wir aber zum Bau der Logistik-Hallen."

Zwischendurch habe man zudem die Pläne überarbeiten müssen, als bekannt wurde, dass Bad Kissingen sich möglicherweise für eine Landesgartenschau bewirbt. "Inzwischen sind wir auf einem sehr guten Weg", sagt Geiger zum Gesamtprojekt. "In zwei bis drei Wochen sollte alles geklärt sein." Am 1. März 2023 soll es, nach Geigers Ausführungen, mit den Bauarbeiten am neuen Post-Logistikzentrum endlich losgehen. "Wir wollen das schnell umsetzen, denn die Post hat das Problem, dass die Kapazitäten in der Stadt längst nicht mehr ausreichen, um dort einen vernünftigen Betriebsablauf zu gewährleisten."

Interimslösung für Postbank-Filiale

Nach den Sommerferien 2023 soll die Post-Logistik aus der Innenstadt in die neuen Räumlichkeiten am Stadtrand umziehen, sagt der Immobilien-Fachmann. Danach geht's an der Münchner Straße mit den Bauarbeiten in die Vollen. Die Postbank-Filiale wird, laut Geiger, während der Bauarbeiten vorübergehend umgesiedelt. Die Stadt habe hierzu eine Ersatz-Unterkunft angeboten.

Die GVS-Unternehmensgruppe hatte das Finanzvolumen für das Großprojekt am Stadtrand und in der Stadt zu Beginn der Planungen mit rund 50 Millionen Euro beziffert. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben. "Ja, die Kosten werden steigen, weil die Baukosten massiv in die Höhe gingen." Die Baupreise seien aber gerade wieder etwas im Abwärtstrend, so Geiger. Einberechnen müsse man zudem die Inflation. "Die Kosten werden steigen, aber vielleicht nicht ganz so stark."Isolde Krapf