Der Netzbetreiber hat Mitte Dezember den Genehmigungsantrag bei der Bundesnetzagentur eingereicht - ohne eine Variante durch Thüringen. "Das liegt nicht daran, dass Thüringen nicht zum Tennet-Netzgebiet gehört. Wir würden Südlink auch dann bauen und betreiben, wenn der Bund den Bau durch Ostdeutschland will", sagt Thiel. Gegen den Verlauf durch Thüringen spreche, dass es dort keine Vorbelastung wie in Hessen durch die A 7 gebe. Im Osten müsse man viel Naturraum in Anspruch nehmen.

Bürgerinitiativen drängen auch mit dem Argument auf die Realisierung durch Erdkabel, dass diese kaum teurer seien als überirdische Trassen. Thiel widerspricht: "Wir haben andernorts schon 1200 Kilometer Leitung verlegt. Wir kennen die Preise. Erdkabel sind vier- bis achtmal so teuer wie Freileitungen", sagte Thiel. Der Bund wolle im Prinzip Freileitungen. Nur dort, wo sich eine Leitung auf weniger als 400 Meter einer Siedlung nähert, sind Erdkabel vorgesehen. "Wir bauen so schonend und günstig wie möglich. Ist die unterirdische Variante billiger, wählen wir sie."

Vorwurf der Salami-Taktik

Tennet wird vorgeworfen, nach der Salami-Taktik vorzugehen: Jetzt wird die Südlink-Trasse festgelegt, später baut Tennet die Trasse Mecklar-Grafenrheinfeld - auch durch Osthessen. Thiel erklärte, die Pläne für die zweite Trasse seien einfach noch nicht so weit. Das sei der Grund für die nacheinander erfolgenden Planungen.
Auf die Kernzone im Biosphärenreservat werde Tennet Rücksicht nehmen. "Wir werden niemals einen Mast in eine Kernzone stellen. Vermutlich werden wir sie eng umgehen."

Der Windkraftstrom aus Norddeutschland sei - wie jeder Windstrom - nicht grundlastfähig, also wetterunabhängig verfügbar. Er sei aber in ein europäisches Netz eingebunden, in das auch Wasserstrom aus Norwegen fließt. Das erhöhe die Grundlastfähigkeit.

Als nächster Schritt sollen "nicht vor März 2015" Bürger und Kommunen in Antragskonferenzen ihre Bedenken vortragen können. Wie viele Konferenzen es gibt, ist offen. "Eine Konferenz pro Landkreis werden wir bei 29 beteiligten Kreisen aber nicht schaffen", sagt Thiel. In zwei Jahren sollen die gewählten, dann noch 1000 Meter breiten Korridore feststehen. Der Bau soll frühestens 2019 beginnen.

New York Times berichtet

Die New York Times hat in ihrer internationalen Ausgabe vom 26. Dezember auf der Titelseite über die Proteste in Osthessen gegen Südlink berichtet. Der Artikel ist im Internet nachzulesen http://www.nytimes.com/2014/12/25/world/europe/germans-balk-at-plan-for-wind-power-lines.html?_r=0