Vorausgesetzt der Impfstoff ist rechtzeitig verfügbar, möchte der Freistaat noch in diesem Jahr mit Impfungen zum Schutz vor den Folgen von Infektionen mit dem Corona-Virus beginnen. Die Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern haben deshalb den Auftrag, bis 15. Dezember funktionierende Impfzentren einzurichten. Wo das Impfzentrum für den Kreis Kissingen hinkommt, gaben Landrat Thomas Bold und Kissingens Oberbürgermeister Dirk Vogel am Freitag bekannt: Der Tattersall wird Anlaufstelle von Menschen, die sich vor dem Corona-Virus schützen wollen. Aus Sicht der beiden Kommunalpolitiker ist das "der ideale Standort" für diesen Zweck.

Nach Bolds Worten erfüllt das städtische Gebäude zahlreiche für ein Impfzentrum wichtige Voraussetzungen. Es sei ebenerdig zugänglich und liege zentral in Bad Kissingen, der größten Stadt im Landkreis, die selbst von anderen Städten und Gemeinden im Landkreis aus betrachtet Zentralität aufweise. Der Tattersall sei sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto gut zu erreichen. Ausreichend Parkplätze stünden in unmittelbarer Nachbarschaft zur Verfügung.

"Der ideale Standort"

Ein Vorzug Bad Kissingens als Standort für das Impfzentrum sei die allgemein gute ärztliche Versorgung. Dazu gehöre auch die hohe Zahl an Ärzten vor Ort. Das ist nach Angaben des Landkreises deshalb wichtig, weil die Kassenärztliche Vereinigung für das Impfzentrum Ärzte und weiteres medizinisches Fachpersonal bereitstelle.

Dass Vogel die Wahl des einst als Reithalle errichteten und zuletzt als Veranstaltungsraum genutzten Tattersalls "eine gute Entscheidung" nannte, hat auch mit Einschränkungen durch Corona zu tun. Der Kissinger Stadtrat und seine Ausschüsse kamen dort zuletzt zwar zu Sitzungen zusammen. Ansonsten aber wird die Halle kaum für Veranstaltungen genutzt. Zum Beispiel im Vergleich mit großen Sporthallen, ist das, perspektivisch gesehen, ein weiterer Vorteil.

Der Aufbau des Impfzentrums im Tattersall beginnt nach Bolds Angaben am 1. Dezember. Unterstützt werde das Landratsamt dabei vom Technischen Hilfswerk. Die logistische Herausforderung sei groß, sagt der Landrat. Es sei aber "in unser aller Interesse, wenn viele Menschen den Impfstoff möglichst schnell erhalten und damit wieder ein Stück Normalität in unser Leben zurückkehren kann".

Zwei Impfstraßen und mobile Teams

Geplant sind im Tattersall zwei Impfstraßen. Dort sollen nach Bolds Angaben pro Woche bis zu 2000 Menschen geimpft werden können. Gedacht sei an den Einsatz von ein bis zwei Ärzten, berichtete Dr. Ralph Brath, der bei dem Projekt für die ärztliche Koordinierung zuständig ist. Dazu kämen zwei nichtärztliche Mitarbeiter sowie Personen, die für Arbeit zur Registrierung und für Verwaltungsaufgaben zuständig sind. Über das Impfzentrum hinaus, so der Landrat, sind außerdem im Landkreis mobile Impfteams vorgesehen, die unter anderem die Impfungen in Pflegeheimen übernehmen. Wie die Massenimpfungen im Detail ablaufen können, wissen die örtlich Beteiligten noch nicht genau. Dafür seien erst noch Vorgaben und Informationen des Gesundheitsministeriums notwendig. Nach Angaben von Brath und Bold sind vor diesem Hintergrund im Moment viele organisatorische Notwendigkeiten noch schwer einzuschätzen.

Brath findet zwar auch den Tattersall als Standort für das Impfzentrum "hervorragend". In Bezug auf die Abläufe gebe es aber noch sehr viele Unbekannte. Noch sei ja kein Impfstoff zugelassen.

Man könne im Moment auch noch nicht einschätzen, wann wie viel Impfstoff zur Verfügung stehen werde. Eine wichtige Frage sei zudem: "Wir wird die Impfmentalität der Bevölkerung sein?"

Ein halbes Jahr mit Option

Weil also noch gar nicht klar ist, wie groß die Aufgabe für den Landkreis Bad Kissingen bei den Impfungen der nächsten Monate ausfallen wird, ist auch noch nicht konkret einzuschätzen, wie lange es dauert, bei zwei Impfungen pro Person den ganzen Bedarf an Impfungen zu bewältigen.

Die Nutzung des Tattersalls als Impfzentrum sei zunächst einmal für ein halbes Jahr vereinbart, erklärte Landrat Thomas Bold dazu. An eine Verlängerungsoption ist aber auch bereits gedacht.

Siegfried Farkas