Die Saaletalbahn mit ihrer wunderbaren alten Infrastruktur mit Formsignalen und fast 30 Kilometern durchgehender Telegrafenleitung war in den vergangenen Jahren teils monatlich, aber zumindest jährlich Ziel von Fotosonderfahrten für Eisenbahnfotografen.

Teils kamen Dampflokomotiven zum Einsatz, hin und wieder aber auch für die Strecke typische Diesellokomotiven. "Große Beliebtheit bei Fotografen hat in den vergangenen Monaten auch der planmäßige Güterzug von DB Cargo erlangt, der Hammelburg an Dienstagen und Donnerstagen von Schweinfurt aus an die große weite Schienenwelt anbindet", weiß Marcus Benz, der sich als Betriebsleiter bei den Fahrten historischer Zuggarnituren engagiert.

Viele Gelegenheiten, solche Bilder einzufangen, gibt es wohl nicht mehr. Denn bis Mitte September 2021 sollen die alten Flügelsignale und die Telegrafenmasten abgebaut werden. Einige der letzten Fahrten mit dem besonderen Flair fanden vergangenes Wochenende zwischen Gemünden und Elfershausen statt.

43 Fotografen

Der Verein DBK Historische Bahn (Crailsheim) machte mit einer Lok aus dem Jahr 1938 und einem angehängten Güterzug einen Abstecher ins Saaletal. 43 Fotofreunde aus dem gesamten Bundesgebiet und den Niederlanden buchten diesen Anlass, um entlang der Strecke zu Motiven zu kommen. "Bald ist Tabula rasa mit der Eisenbahnromantik", sagt Stephan Herrmann (Kleinmachnow), der seit 20 Jahren als Mitglied der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde Löbau solche Fahrten organisiert.

Die Saaletalbahn sei eigentlich die letzte Strecke deutschlandweit, um Bilder zu machen, die fast perfekt einen Eindruck früherer Jahre erwecken. Die Kombination von oberirdischen Telegrafenleitungen, Flügelsignalen und mechanischen Weichen gebe es in dieser Fülle sonst nirgends mehr.

Ein bisschen Hollywood im Saaletal

"Die Strecken werden immer weniger", beschreibt der Organisator die Entwicklung. Ziel der aktuellen Fahrt war es, einen originalgetreuen Zug im Umfeld von 1965 zu simulieren. "Wir spielen immer ein bisschen Hollywood", sagt Herrmann, der schon mehrfach Fahrten im Saaletal durchgeführt hatte. Deshalb kam eine Dampflok der Baureihe 64 zum Einsatz, wie sie bis Mitte der 1960er Jahre in Gemünden stationiert war. Mit bis zu 65 Stundenkilometern zuckelte der Zug mit Lokführer Roland Markquardt im Führerstand mehrfach über die Strecke. Dabei erfüllte er viele Wünsche der Fotografen, die in Trauben und zum Teil auf Leitern an besonders spektakulären Aussichten auf ihr Motiv warteten.

Einmal wollten sie die Lok mit Dampf, dann wieder ohne, mal pfeifend, mal langsam, mal schnell, sagt er. Mit viel Gefühl hatte der Lokführer den 950-PS-Boliden samt seinem Vereinsteam im Griff. Doch auch im Hintergrund gibt es viel zu tun. Alles will organisiert sein: Von der Eintaktung der Fahrten in den regulären Betrieb der Erfurter Bahn bis hin zur Bereitstellung von Wasser und Kohlen im Hammelburger Bahnhof.

Fahrplan ist g

"Auf jede Stunde Fahrtzeit kommen zwei bis drei Stunden Bürozeit", beschreibt Organisator Stephan Herrmann den entstandenen bürokratischen Aufwand samt Kostenkalkulation. Beworben werden die Fahrten in der Fachpresse. Wegen der hohen Betriebskosten wurde der Fahrplan jenseits des Teilnehmerkreises geheim gehalten. Gut 500 Euro ließ sich jeder Fotograf das Erlebnis kosten. Da wäre es nicht gut angekommen, wenn Unbeteiligte Motive abgegriffen hätten.

Das voraussichtliche Ende der Fotofahrten bringt auch einen Einschnitt beim Tourismus. "Die meisten der Teilnehmer, pro Fahrt etwa zwischen 30 und 70 Fotografen, teils mit Anhang, haben in der Regel im Raum Hammelburg, Gräfendorf und Bad Kissingen übernachtet", rechnet Marcus Benz vor.

Wichtiger Faktor für die Gastronomie

Die Gäste stammten regelmäßig auch aus Österreich und den Niederlanden, aber auch Fotografen aus Italien, Frankreich, Großbritannien sowie sogar Irland und Japan waren hier. Dazu komme noch das Lok- und Zugpersonal sowie das Veranstalterteam. Das sei eine nicht zu verachtende Größe für Gastronomie und Handel gewesen, so Benz.

Wohl ab 20. August wird die Strecke bis zum Ferienende zum Totalumbau der Sicherungstechnik gesperrt. Noch mindestens eine Fotofahrt mit einer Diesellok sei bis dahin geplant. "Mal sehen, was daraus wird", sagt Benz. Wolfgang Dünnebier