"Ich wünsche mir nur Gesundheit, sonst nix." Statt Geschenke hat Emma Stenzel deshalb zu ihrem 90. Geburtstag an diesem Freitag, 26. Mai, ihre Familie und Freunde um eine Spende für die Afrikahilfe Hammelburg gebeten. Zufrieden und dankbar blickt die Sulzthaler Jubilarin auf die vergangenen neun Jahrzehnte zurück. Auch wenn sie ihre Jugendzeit im Krieg erleben, von klein auf immer fest anpacken musste und ihr Schicksalsschläge nicht erspart blieben, so ist die 90-Jährige doch dankbar, dieses hohe Alter körperlich und geistig rüstig erleben zu können.
Die Augen sind zwar seit ihrer Bypass-Operation, bei der sie einen Schlaganfall erlitt, schlechter geworden, die Zeitung liest sie trotzdem täglich. Die Nachrichten sind auch das Wichtigste beim Fernsehen. Erst dann werden die Lieblingssendungen angeschaut.
Als Emma Stenzel am 26. Mai 1927 als drittes Kind ihrer Eltern Margarethe und Leopold geboren wurde, befand sich die Weimarer Republik in ihrer Hochphase. Der unbeschwerten Kindheit folgte mit Kriegsausbruch 1939 jedoch eine von harter Arbeit geprägte Jugend. Die Brüder Hermann und Ludwig waren im Krieg, so musste die damals Zwölfjährige in der elterlichen Landwirtschaft mithelfen und eigene Träume begraben. Gerne wäre sie Friseurin geworden, aber zuhause wurde jede Hand gebraucht. Verwandte und Freundinnen ließen sich später aber gerne von ihr frisieren.


Beim Tanz hat's gefunkt

1957 läuteten die Hochzeitsglocken. Emma heiratete Otto Stenzel, der als Flüchtling nach Sulzthal gekommen war und im Fernmeldeamt arbeitete. "Beim Feuerwehrball hat er immer mit mir getanzt", erinnert sich die 90-Jährige mit strahlenden Augen. Das junge Paar wohnte anfangs zur Miete im Haus des Lehrers. Nach der Geburt der Töchter Sibylle 1958 und Dagmar 1962 zog es in eine größere Wohnung.
Als das "Irmsel" als Baugebiet erschlossen wurde, baute sich die Familie dort ein Haus. Die Fundamente wurden mit der Hand ausgegraben. Für Maschinen und Bauarbeiter hatte man kein Geld. Und für Urlaub erst recht nicht. Erst als Rentnerin gönnte sich Emma kleine Ausflüge, unter anderem mit dem Gesangverein, in dem sie viele Jahre mitsang. Mit ihren Freundinnen reiste sie nach Fatima, Mallorca und Venedig.
Um die Familienkasse etwas aufzubessern, ging Emma putzen - im örtlichen Reitstall und in Bad Kissingen. Freie Zeit nutzte sie für Spaziergänge, um ihrer Diabetes-Erkrankung entgegenzuwirken, werkelte im Garten oder strickte Pullover und Socken. 1990 starb Ehemann Otto. Das Elternhaus hat Tochter Sibylle übernommen, die mit Schwester Dagmar ihre Mutter betreut. Regelmäßig besucht Emma die Seniorennachmittage und den Seniorenkreis in der Gaststätte. Dort schätzt Emma vor allem die gute "Leberklößchensuppe". is