Es bröckelt in den Saaletaler Weinbergen. Viele Mauern sind in einem erbärmlichen Zustand. Abseits der ausgetretenen Pfade fällt das nicht so auf. Aber auf dem prominent gelegenen Eselspfad im Ofental etwa müssen Spaziergänger nach längeren Regenperioden schon mal über Steine steigen, wenn wieder ein Stück Wall eingestürzt ist.
Dabei gibt es schöne Einzelbeispiele, bei denen sich Winzer kümmern und den Erhalt der Kulturlandschaft mit Körperkraft und finanziellem Engagement sicher stellen. Auch die Untere Naturschutzbehörde engagiert sich mit dem Landschaftspflegeverband. Für die Natur ist das ein großer Gewinn. Denn die Trockenmauern sind einzigartige Lebensräume für seltene Tierarten von der Zippammer, über farbenfrohe Falter bis zur Glattnatter.
Doch mit der Aufgabe vieler kleiner Weinberge ist diese gemauerte Idylle in Gefahr. Aufmerksamkeit verdient sie auch bei der Zusammenlegung von Flächen.
"Für den Naturschutz sind die Mauern wichtig", sagt Stefan Ruppert als Vorsitzender des Weinbauvereins. Er weiß, wovon er spricht. Bei der Zusammenlegung eigener Weinberge vor wenigen Jahren hat er für die bessere Befahrbarkeit der Steillage durch Maschinen einzelne Mauern entfernt. Zum Ausgleich hat das Familienweingut 18 Meter Mauer neu angelegt. Bei rund 200 Euro pro Quadratmeter per Vergabe an eine Fachfirma sei das schon eine finanzielle Herausforderung.
Trotz des Aufwandes legt er das Thema den Mitgliedern des Weinbauvereins ans Herz. Auch wenn die Rettung aller Mauern kaum zu schaffen sein wird. "Es gibt alte Weinberge mit 30 Eigentümern in allen Kontinenten", schmunzelt er. Solche Erbengemeinschaften seien schwer für den Mauerbau zu gewinnen.
Hilfreich kann da die Unterstützung der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG, Veitshöchheim) sein. Auch im aktuellen Jahr verspricht ein Programm 100 Euro pro Quadratmeter wieder errichteter Weinbergsmauern. "Aus Hammelburg gab es noch keine Anträge", sagt Peter Wolter, der von Anfang Februar bis Ende Juni Anträge auf Förderung entgegen nimmt.
Er rechnet in diesem Jahr mit Bereitstellung einer doppelten Fördersumme von 200 000 Euro. Anträge werden berücksichtigt, bis die Summe erschöpft ist. Wer trotzdem mit Unterstützung bauen möchte, muss dann warten.


Selber aufbauen

Wolter ist klar, dass Mauern je nach Höhe, Ausführung, Fremdvergabe oder Eigenleistung auch schon mal bis zu 500 Euro pro Quadratmeter kosten. Die LWG hat deshalb bereits schon Selbstbaukurse angeboten. Allerdings müssen die Mauern gewissen Qualitätskriterien entsprechen. Zur guten Statik tragen zehn Prozent Hangneigung nach hinten und gute Hinterfütterung bei.
Gefördert wird nur die Stützung aktiver Weinberge. Wem die Arbeit darin über den Kopf wächst, kann zur Förderung der Mauern eine Obstplantage anlegen. Auch Stadtbaumeister Detlef Mohr ist die Bedeutung der Weinbergsmauern bewusst. "Es ist noch keine Gefahr im Verzug", denkt er zum Zustand in der Landschaft. Allerdings fehle bisweilen die Zeit, sich überall ein Bild zu machen.
Richtig fertig wird man mit dem Thema ohnehin nie. Eine Trockenmauer hält rund 50 Jahre, dann geht die Arbeit von vorne los, weiß Peter Wolter. Wer sich sich für das Thema interessiert, kann bei der Gebietsversammlung der LWG am Mittwoch, 31. Januar, um 19 Uhr im Gasthaus Brust nachfragen. Dort gibt es sogar ein Theaterstück, bei dem das Präsidium der Anstalt Themen rund um den Weinbau auf die Bühne bringt. dübi