Sport und Bewegung mit Heimatgefühl und Naturverbundenheit zu koppeln, hat sich das Biosphärenreservat Rhön auf die Fahnen geschrieben. Dazu betreibt es im Rahmen der Leader-Förderung auch ein Mountainbikekonzept. "Wir wollen keine Olympiasieger ausbilden, wir wollen Kindern zeigen, wie man seine Freizeit sinnvoll verbringen und dabei seinen Sport naturverträglich ausüben kann", sagt Andreas Schubert von der Abteilung Mountainbike des SV Geroda. Wohl auch deshalb waren fast alle der Gerödaer und Platzer Mountainbiker beim "Ramadama" in Geroda mit von der Partie.
Noch länger als im Mountainbiketeam "Schwarze Berge" bemüht man sich an vielen Schulen in der Rhön darum, den Kindern die Natur über das Mountainbiken näherzubringen. In den Fahrradfuhrparks (Bikepools) stehen den Schülern Mountainbikes unter fachkundiger Anleitung zur Verfügung.
"Die ideale Fächerkombination für die Leitung eines Bikepools wäre Sport und Biologie", sagt Michael Kreil, Rektor an der Realschule Bad Brückenau und Leiter des Mountainbike-Lehrteams in Bayern. "Ideal schon", so Kreil weiter, "aber natürlich nicht Voraussetzung. Ohne eine abgeschlossene Ausbildung zum Radsporttrainer geht es aber für den Lehrer nicht, wenn er den Bikepool an einer Schule leiten möchte. Denn wie bei jeder Sportart müssen auch beim Mountainbiken verschiedene Techniken vermittelt werden, ohne deren Beherrschung der Sport keinen Spaß macht und das Verletzungsrisiko steigt".


14 Schulen machen mit

Eher unbemerkt und im Stillen haben sich die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld gerade im schulischen Bereich zu Mountainbikehochburgen entwickelt. An 14 Schulen können Kinder inzwischen regelmäßig auf dem Mountainbike trainieren. Damit liegen alleine in den beiden Rhöner Landkreisen zehn Prozent aller bayerischen Bikepoolschulen.
Und dann gibt es da noch das Schullandheim in Rappershausen. Das Schullandheim ist die bayerische Adresse schlechthin, wenn es um das Radfahren und Mountainbiken für Schulklassen geht. Mehr als 100 Mountainbikes stellt die Gemeinde Hendungen als Träger des Schullandheims den bayerischen Klassen, die das Schullandheim besuchen, zur Verfügung.
Und mit denen kann nun auch auf einigen Kilometern auf sogenannten Singletrails, das sind schmale, unbefestigte und naturnahe Wege, durch die Wälder unweit des Schullandheims gefahren werden. Das besondere an diesen Trails: Sie wurden komplett in Eigenleistung von den Schülern der Realschule Bad Brückenau und den Fahrern des Mountainbiketeams "Schwarze Berge" angelegt. "Rappershausen ist für uns ein Glücksfall", sagt Andreas Schubert.
"Rappershausen liegt zwar nicht gerade um die Ecke, doch unsere Mädchen und Jungen kommen jedes Frühjahr und jeden Herbst immer wieder gerne mit zum 'Trailbauwochenende'. Wer kann schon von sich sagen, ein Mountainbikerennen auf einer selbst gebauten Strecke gefahren zu sein? Wer kann schon von sich behaupten, Wege angelegt zu haben, auf denen Schüler aus ganz Bayern unterwegs sind und auf denen ein Frankencuprennen ausgetragen wird? Wer kann schon von sich behaupten, Trails gepflegt zu haben, auf denen bereits Bayerische Meisterschaften ausgetragen wurden?"
Und damit nicht genug. Michael Kreil, seines Zeichens auch Beauftragter für den Schulsport des bayerischen Radsportverbandes, ist es gelungen, eine Deutsche Meisterschaft im Mountainbiken für Schulmannschaften zu initiieren. "In diesem Jahr werden wir diesen "Deutschlandcup" in Rappershausen noch als Einladungsrennen mit Mannschaften nur aus einigen Bundesländern austragen. Um eine "echte" Deutsche Meisterschaft durchführen zu können, müssen an den Schulen in manchen Bundesländern noch die erforderlichen Strukturen aufgebaut werden. 2018 aber wird es soweit sein, und 2020", so Kreil, "können wir unsere Mountainbiker dann hoffentlich im Rahmen der Wettkämpfe 'Jugend trainiert für Olympia' in Berlin starten lassen."


Erfahrung bei der Trail-Pflege

Dass dann, 2020, in Rappershausen ein Wettbewerb weniger stattfinden wird, ist sicherlich zu verschmerzen und für die jungen Mountainbiker aus Geroda und Bad Brückenau kein Grund, nicht wieder im Frühjahr und im Herbst nach Rappershausen zu reisen. Die angelegten Trails und Wege müssen schließlich gepflegt werden. Abfall, der übers Jahr im Wald "vergessen" wurde, muss eingesammelt werden.


Pflege der MTB-Strecken

"Ich glaube", sagt Andreas Schubert, "man muss in der Rhön lange suchen, bis man Jugendliche findet, die über mehrere Jahre Erfahrungen in Anlage und Pflege von Mountainbikewegen verfügen, wie die aus unserem Team ‘Schwarze Berge‘. Vielleicht können wir uns auch an der Pflege der neuen MTB-Strecken beteiligen, die im Rahmen des aktuellen Leader-Projekts ausgewiesen werden sollen. So wie der Rhönklub sich um die Wanderwege kümmert, können sich unsere Fahrer auch bei der Pflege hier einbringen. Viele Schulen mit einem Bikepool würden da bestimmt auch mitmachen", ist sich Schubert sicher. Wolfgang Dünnebier