Die Bauarbeiter kamen Anfang der Woche ohne Ankündigung und stellten selbst ortskundige Einwohner vor eine schwierige Orientierungsübung. Sie sperrten aus zunächst unbekannten Gründen den Bahnübergang und damit die Hauptzufahrt in den Ort. Für die Fahrt nach Hammelburg bescherte dies, je nach Ausgangslage, im Dorf einen satten Umweg von zwei Kilometern, den so vorher niemand auf dem Zettel hatte.

Erschwerend kam hinzu, dass für den gleichen Montag die Hauptstraße im Ort wegen der laufenden Verlegung von Glasfaserkabeln gesperrt worden war. Die beiden Blockaden stellten sämtliche Fahrgewohnheiten durch den Ort auf den Kopf. Jetzt musste man sich in dem Labyrinth mit überraschenden Sackgassen erst einmal zurechtfinden. Fußgänger, die aus Richtung Gewerbegebiet zu den Bahnsteigen wollten, mussten wegen Schotterarbeiten auf dem Bahnübergang in Wildwest-Manier die Gleise queren.

"Das war schon eine Herausforderung", sagt Ortssprecher Norbert Schaub zu den kurzfristigen Orientierungsproblemen für die Bürgerinnen und Bürger. Ärgerlich sei, dass die DB Netz vorher nicht über Art um Umfang der Arbeiten aufgeklärt hatte. So habe er sich bei den schon laufenden Bauarbeiten kurzfristig selbst an Ort und Stelle schlau gemacht.

Ursache für das Projekt sei eine Neujustierung der Gleise auf dem Übergang, brachte Schaub dabei in Erfahrung. Für viele Westheimer kommt die Baumaßnahme deshalb überraschend, weil der Bahnübergang erst 2021 im Zuge der Modernisierung der Saaletalbahn mit neuer Sicherungstechnik versehen worden war.

Eine gute Nachricht nahm Schaub von der Baustelle mit: "Die Straße soll am Samstag wieder befahrbar sein", erfuhr er aus inoffizieller Quelle. Seinem Wunsch, doch noch über eine Pressemitteilung zu informieren, sei man offensichtlich nicht nachgekommen. Immerhin ist die Hauptstraße im Dorf bis auf den Bahnübergang bereits seit Dienstag wieder frei.

Unterdessen gibt es im Internet Kritik darüber, dass Stadt und DB Netz die Baustelle an der Bahnlinie und die gleichzeitige Verlegung von Glasfaserkabel nicht ausreichend koordiniert hätten.

Wolfgang Dünnebier