Von
Siegfried Farkas

Bad Kissingen — Die Auswahl der Darsteller historischer Persönlichkeiten für das Rakoczy-Fest gehört zu den wichtigsten Personalien in Bad Kissingen. Die Bekanntheit, die zumindest die populären Figuren denen verschaffen, die sie verkörpern, hat schon Prinzregenten, Badeärzten, zeitweiligen Fürstbischöfen und ehemaligen Quellenköniginnen zu Sitzen im Stadtrat verholfen.
Jetzt stehen wieder zwei dieser wichtigen Personalien an. Edgar Kast, der 34 Jahre lang Ludwig I. beim Fest war, und Silvia Matthes, die fünf Jahre lang Kaiserin Sisi verkörperte, danken überraschend ab.

Zeit für Jüngere

Mit der Abdankung des echten Ludwig I., der unter anderem wegen einer Affäre mit der Tänzerin Lola Montez 1848 seinen Thron räumte, lässt sich Kasts Rückzug nicht gleichsetzen. "Ehrenvoll und stolz habe ich das beendet", erklärte er auf Anfrage. Ursprünglich habe er sich als Ziel gesetzt, die Rolle 24 Jahre auszufüllen, jetzt sind zehn mehr daraus geworden. Ludwig selbst habe mit 62 aufgehört, er sei jetzt 68. Irgendwann sei einfach Zeit aufzuhören. Und für ihn sei jetzt dieser Punkt erreicht.
Für die Historischen sei so ein Rückzug vielleicht ein Einschnitt. Offenbar gab es zum Abschied auch Tränen. Doch jedes Ende trage einen Neuanfang in sich. Sein Abschied jedenfalls verschaffe gleichzeitig einem Neuen seine Chance.

Festbesucher erwarten "Sissi"

Gut überlegt hat sich auch Silvia Matthes ihre Entscheidung, als Sisi aufzuhören. Die fünf Feste als Kaiserin Elisabeth seien "wunderschön" gewesen. "Ich war froh, dass ich das machen durfte." Dass sie sich jetzt trotzdem verabschiedet, habe ein bisschen mit "dem Alter" zu tun, erklärt sie. Und meint damit die Einstellung des Publikums zu dieser Figur. Sie habe die Kaiserin Elisabeth dargestellt, sagt Silvia Matthes. Besucher des Fests dächten aber meist an Romy Schneider, die beim ersten Film der Trilogie 17 Jahre alte Darstellerin der Sisi in den Sissi-Filmen. Dieser "Erwartung der Leute", eine Jüngere zu sehen, gibt sie nun nach.
Männer hätten es da vielleicht ein bisschen leichter, sagt die 52-Jährige und kann bei dieser Aussage auf ein nahe liegendes Beispiel verweisen. Ihr Mann Rolf war in der Rolle des Franz Josef auch beim Fest ihr Mann. Er macht weiter. Für ihre Nachfolgerin in der Rolle der Kaiserin sei das bestimmt kein Nachteil, sagt Silvia Matthes.

Großes Bedauern

"Sehr, sehr schade" sei es, sagt Bruno Heynen, einer der beiden Cheforganisatoren des Fests, "dass die beiden aufhören". Die Ankündigung sei überraschend gekommen und die Situation dann sehr emotional gewesen. Er und Thomas Lutz bemühten sich zwar, "möglichst rasch Nachfolger zu finden", es sei aber nicht einfach, die Rollen nachzubesetzen. Die Motive der beiden respektiere er. Sicher sei die Authentizität des Festes wichtig, "aber der Publikumserwartung kann man sich eben nicht einfach widersetzen". Auf ein "hyperjunges neues Paar" werde man aber jetzt bestimmt nicht wechseln. "Die müssen ja auch Ausstrahlung haben."
Es gebe bereits Interessenten und an Ratgebern fehle es ebenfalls nicht, sagt Heynen. Auch er habe sich Gedanken über eine Lösung gemacht, es sei aber noch zu früh, dazu etwas zu sagen. Überhaupt werde die Entscheidung sicher nicht nur von ihm und Lutz abgewogen. Es gehe da ja um die Darstellung Bad Kissingens nach außen.