Der Musikverein Feuerthal feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen. Unter den Stimmungsbands der Region sind die Feuerthaler Musikanten schon lange eine große Nummer. Zum Jahreswechsel hat Georg Schaller aufgehört. Der singende Dirigent hat die Vielseitigkeit entscheidend geprägt.

15 Jahre Dirigent und prägender Sänger bei den Feuerthaler Musikanten. Vermissen Sie das schon?
Georg Schaller: Es war ja meine freie Entscheidung, aufzuhören. Aber wenn Freitag 20.30 Uhr ist, und Probe, denkt man schon daran, weil das Ganze einfach eine Herzenssache war. Mir ist das alles andere als egal, was da in den nächsten Jahren passiert.

Da sind ja einige Stunden mit der Blasmusik zusammen gekommen. Kann man das benennen?
In den Spitzenzeiten der achtziger Jahre hatten wir 30 bis 40 Zeltauftritte pro Jahr. Da waren wir jedes Wochenende zwei drei Mal unterwegs. Heute wäre das ganz große Pensum nicht mehr denkbar. Früher hat einem das weniger ausgemacht. Aber auch zehn Zeltauftritte zu fünf Stunden und mindestens alle zwei Wochen Probe zu zweieinhalb Stunden, und dann kommen noch Termine, wie Beerdigungen, Kirchentermine und Geburtstagsständchen oben drauf. Da hängt schon viel Zeit dran.

Das größte Erlebnis mit der Kapelle?
Da fallen mir spontan das heimische Weinfest oder jeweils der letzte Auftritt jeder Sommersaison beim bayerischen Abend im hessischen Hunoldstal ein. Da haben wir zehn Mal hintereinander gespielt, obwohl die Kapelle jedes Jahr wechseln sollte. Nach zwei Tagen sind die knapp 300 Karten für das Schützenhaus ausverkauft. Die Gäste zahlen für den Bayerischen Abend zehn Euro Eintritt und kommen zu 90 Prozent in Dirndl und Lederhose. Da sagst du einmal "Alles aufstehen!" und die Bude steht. Aber es gab natürlich auch einige schöne Probewochenenden und Feiern mit den Musikanten, die in Erinnerung bleiben.

Wann ist der Entschluss zum Aufhören gefallen?
Vor über einem Jahr. Ich bin mir der Tragweite des Entschlusses bewusst, aber es ist mir zunehmend schwerer gefallen, mich zu motivieren, auch weil ich mich hobbymäßig anders orientiere. Ich denke, da ist es ehrlicher, aufzuhören. Ich bin für jedes Jahr dankbar und stolz, das ich machen durfte, natürlich auch, weil das Feedback immer positiv war. Meinen Entschluss habe ich rechtzeitig mitgeteilt, damit der Verein einen Nachfolger finden kann.

Wie sind Sie zu den Feuerthalern gekommen?
Ich habe mit sieben Jahren Orgelspielen in Hammelburg gelernt. Mein Vater war Jäger und ich wollte unbedingt so ein kleines Waldhörnchen haben. Er sagte zu mir, wenn du bei der Treibjagd in zwei Wochen "Die Sau ist tot" spielen kannst, dann kriegst du so ein Waldhörnchen. Ich habe mir eines geliehen und in drei Tagen konnte ich das spielen. Dann musste ich vor der ganzen Jägerei vorblasen. Das war der Anfang. Mit 13 habe ich bei Otto Zeier in der Stadtkapelle das Trompetenspielen gelernt und bin vor dem richtigen Einstieg zu den Feuerthalern gewechselt. Das war unglaublich. Wir haben mehrfach die Dreifachturnhalle in Hammelburg gefüllt. Der Spaß war größer, als nur mit konzertanter Musik. Schon 1990 bin ich deshalb mit 22 kurz für ein Jahr als Dirigent eingesprungen, weil Wieland Reuter aus beruflichen Gründen keine Zeit hatte.

Gibt es einen Fehler, über den Sie im Nachhinein lachen können?
Da gibt es bestimmt einige, aber das müssten sie meine Musiker fragen. Für mich als Sänger ist es das Schlimmste, einen Texthänger zu haben. Das ist mir, glaube ich, einmal passiert. Dann musste ich halt mit "Lalala" weitermachen.

Die Feuerthaler sind unter den Stimmungskapellen in der Region eine große Nummer. Wie kam das?
Die Feuerthaler Musikanten groß gemacht hat Wieland Reuter, der singende Gärtner. In der Spitzenzeit Ende der 1980er Jahre waren wir in der Region ziemlich einzigartig. Wir waren mit die ersten, die Keyboard und E-Bass mit dabei hatten. Gesang gab es bei den Kapellen eigentlich gar nicht. Da waren wir mit wenigen anderen die Ausnahme. Letztlich war es die Mischung, Blasmusik mit Gesang und modernerem Sound zu verbinden.

Bei den Feuerthalern wollten ja viele mitspielen.
Wir waren meist 25 bis 30. Aktuell sind es 18 bis 20. Es ist gar nicht mehr so einfach, zum Proben alle komplett zusammen zu bekommen.

In letzter Zeit ist es ein bisschen ruhiger um die Feuerthaler Musikanten geworden.
Ich hätte mir ein ereignisreicheres Abschlussjahr gewünscht. Wir hatten 2015 ein tolles Jahr mit 13 Zeltauftritten. Alle waren begeistert. 2016 waren es dann leider nur vier.

Woran liegt es?
Es gibt immer weniger Feste ringsherum. Die Auflagen werden immer größer und es wird auch immer schwieriger genügend Helfer für solche Veranstaltungen zu finden. Wir haben früher am Freitag in Westheim, am Samstag in Langendorf und am Sonntag in Fuchsstadt gespielt und überall waren die Zelte voll. Das ist heute undenkbar und auch ein bisschen der Zeit geschuldet.
Volksmusik liegt aber im Trend?
Ich habe uns nie so als Volksmusikkapelle gesehen. Wir haben ein sehr breites Repertoire und mit Böhmischer Musik angefangen, ging es in die modernere Volksmusik und dann schon in Richtung Schlager, Oldies und aktuelle Sachen von Robbie Williams bis zu den Toten Hosen.

Wie ist die Entwicklung im Nachwuchsbereich?
Nicht gut. Wir haben wiederholt vor zwei Jahren einen Aufruf gestartet und es kamen zwei Kinder ohne Eltern und wollten Schlagzeug lernen. In einem größeren Ort können die Kinder da rein wachsen, im kleinen Feuerthal mit seinen 250 Einwohnern ist das natürlich nicht so einfach. Wieland Reuter hat gerne davon geschwärmt, zehn Prozent der Ortsbevölkerung musizierend auf der Bühne zu versammeln. Es war schon immer unser Ziel, keine Musiker zu kaufen. Besonders wichtig ist es für alle, ins Team zu passen.

Wo sehen Sie die Feuerthaler in der Zukunft?
Ich freue mich, wenn die Kapelle auch weiterhin von allem etwas bieten kann.
Das Gespräch führte Wolfgang Dünnebier.