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Schweinfurt: Was Firmen aus der Krise lernen

Die Wirtschaft leidet, weil Umsätze wegen Corona ausbleiben. Doch die besonderen Arbeitsbedingungen bringen auch Vorteile mit sich. Was Schweinfurter Unternehmen beibehalten.
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Immer mehr Home Office: In der Corona-Zeit wurde für viele Menschen das Zuhause zum Arbeitsplatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Immer mehr Home Office: In der Corona-Zeit wurde für viele Menschen das Zuhause zum Arbeitsplatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Vielen Unternehmen wird die Corona-Krise noch lange als Schreckgespenst in Erinnerung bleiben. Die Pandemie führt bis heute zu immensen Umsatzausfällen, Kurzarbeit und nicht zuletzt zu Arbeitslosigkeit. Auch vor der Region Schweinfurt macht das Virus und dessen Folgen nicht Halt. Doch trotz massiver Einschnitte bringt die Krise auch vereinzelt positive Aspekte mit sich. Wie Schweinfurter Unternehmen mit den besonderen Arbeitsbedingungen umgehen und was sie aus dieser Zeit beibehalten möchten, hat die Zeitung recherchiert.

Um unnötigen Kontakt zu vermeiden, und um die hygienischen Standards zu befolgen, haben viele Menschen mit einem Bürojob in den vergangenen Monaten in ihren eigenen vier Wänden gearbeitet. Wenn möglich, sollten Büroarbeiten im Homeoffice erledigt werden, schrieb das Bundesarbeitsministerium bereits im April in seinen Corona-Arbeitsschutzstandards. Dem folgten auch Arbeitnehmer aus der Region Schweinfurt. Und tun es immer noch.

"Rund zwei Drittel der Beschäftigten in Schweinfurt sind derzeit dauerhaft oder mit Unterbrechungen im Homeoffice tätig", sagt Pressesprecherin Vera Szmoniewski über den Schweinfurter Standort des Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmens Fresenius. Insgesamt habe man gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit von zuhause aus gemacht. Dabei konnten die Beschäftigten selbst große Meetings mit guter Organisation ohne Probleme online durchführen. "Das mag dazu führen, dass künftig digitale Kommunikationsmedien noch stärker genutzt werden und auch häufiger aus dem Homeoffice heraus gearbeitet wird als noch vor der Corona-Krise", erklärt Szmoniewski.

Erfahrung positiv

Voraussetzung hierfür sei, dass dies im Einklang mit der jeweiligen Funktion und auch der persönlichen Präferenz stehe. Für Kolleginnen und Kollegen in der Produktion sei Homeoffice beispielsweise keine Option. Neben Fresenius haben auch andere Unternehmen auf Homeoffice umgestellt.

In den zurückliegenden Wochen und Monaten wurde etwa beim Maschinenbauunternehmen Schaeffler vermehrt in den eigenen vier Wänden gearbeitet. Allerdings bedeutete dies für viele Arbeitnehmer keine große Umstellung. "Das Konzept wurde bereits vor der Krise genutzt und wird auch in Zukunft fester Bestandteil der Unternehmenskultur sein", bestätigt Unternehmenssprecher Marco Bosch.

Auch bei der Kugellagerfabrik SKF in Schweinfurt wurde Homeoffice von "sehr vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Büro-Arbeitsplätzen genutzt", teilt Pressesprecherin Klara Weigand auf Nachfrage der Redaktion mit und ergänzt: "Unsere Erfahrungen waren und sind bisher positiv."

Allerdings müsse man beachten, dass nahezu alle Bereiche in Deutschland und der Welt betroffen waren und sind und ihre Aktivitäten deshalb zurückgefahren wurden. "Wir möchten zunächst wieder zurück zur 'neuen Normalität' und werden danach mit dem Betriebsrat erörtern, ob und wie unsere bestehende Homeoffice-Regelung überarbeitet werden muss", so Weigand.

Neben der Möglichkeit des Homeoffice haben viele Betriebe einen weiteren Erfahrungswert aus der Corona-Krise mitgenommen. Laut einer Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts halten es 57 Prozent der deutschen Unternehmen für wahrscheinlich, dass sie ihre Geschäftsreisen dauerhaft einschränken als Folge der Coronakrise.

"Die Notwendigkeit bestimmter Dienstreisen dürfte künftig neu bewertet werden", sagt auch Vera Szmoniewski von Fresenius. Die Tatsache, dass viele Meetings und Besprechungen auch via Videokonferenz möglich sind, könnten enorme Kosten für Dienstreisen einsparen.

Meetings per Video

Ähnlich sieht es bei Schaeffler aus. Dort hätten sich durch die Coronakrise einige Arbeitsabläufe nachhaltig verändert. "Videokonferenzen sind etabliert und auch ohne Pandemie ersetzen sie in Zukunft sicher eine Vielzahl von Meetings und damit verbundene Dienstreisen", erklärt Pressesprecher Marco Bosch. Gleiches gilt für SKF. Dort sei es denkbar, dass Reisetätigkeiten zukünftig einen geringeren Anteil der Arbeitszeit ausmachen werden, heißt es auf Anfrage der Redaktion.

Kehrt Normalität zurück?

Auch wenn die Corona bedingten Einschränkungen in vielen Bereichen zurückgefahren wurden, können viele Unternehmen noch nicht von Normalität sprechen. Zwar betont Klara Weigand von SKF, dass die "neue Normalität" inzwischen gelebt werde. Die wirtschaftlichen Auswirkungen spüre man dagegen deutlich.

Auch bei Fresenius sind die Arbeitsbedingungen mit denen vor der Krise nicht zu vergleichen. "Beispielsweise haben wir die Zahl der Zugänge zum Werk reduziert. An den Eingängen werden Desinfektions- und weitere Schutzmaßnahmen durchgeführt und es erfolgt eine Kontrolle der Körpertemperatur über Wärmebildkameras", erklärt die Pressesprecherin. Nicolas Bettinger