Die "Schwarze Pfütze" gibt es seit 1819. Dort rasteten zunächst Kutscher und Postillione. Im 19. Jahrhundert war das Gasthaus Ausflugsziel für Kurgäste aus Bad Kissingen. "Sohn ohne Heimat" hieß der Film, in dem die Schwarze Pfütze 1950 als Kulisse diente. Jahrzehntelang war das Haus später ein repräsentatives Speiserestaurant.

Doch Ende der 1990er Jahre war damit Schluss. Es hieß, der Pächter habe sich übernommen. Aber auch die Besucher blieben aus, wohl auch deshalb, weil damals die neue A 71 den bis dato regen Autoverkehr der einstigen B 19, an der Schwarzen Pfütze vorbei, in eine andere Richtung lenkte. In dem Gasthaus wohnten später eine Zeit lang Asylbewerber, bevor 2004 für zwei Jahre ein Swingerclub dort eröffnete.

Eigentümer bezahlte nicht und tauchte ab

Seit 2010 ist die Gaststätte mehr oder weniger zu. Nach einem Brand im Jahr 2013, bei dem der frühere Pächter ums Leben kam, dümpelte das historische Gebäude vor sich hin. Niemand schien dafür zuständig zu sein, die Ruine entweder abzureißen oder wieder herzurichten.

Die Eigentumsverhältnisse gestalteten sich schwierig. Der einstige Eigentümer, der auf einer Insel im Pazifik wohnt, verkaufte das Anwesen an einen Mann aus Schweinfurt, der sich zwar als neuer Eigentümer ins Grundbuch eintragen ließ, die Kaufsumme aber nicht entrichtete.

2017 kam Bewegung in die Sache, als der im Ausland lebende einstige Eigentümer der Schwarzen Pfütze versuchte, als Gläubiger an sein Geld zu kommen und eine Zwangsversteigerung anstrebte. Bei dem Termin vor dem Schweinfurter Amtsgericht gab es zwar einen Interessenten, der das Einstiegsgebot von rund 7500 Euro zahlen wollte, doch der frühere Eigentümer des Landgasthauses und Gläubiger lehnte ab.

In den vergangenen fünf Jahren verfiel das Gebäude weiter. 2019 musste das Landratsamt die Ruine sichern und Ober- sowie Dachgeschoss auf eigene Kosten abreißen, weil der im Grundbuch eingetragene Eigentümer nicht auffindbar war. 2020 strich die Denkmalschutzbehörde dann das verfallene Gebäude aus der Denkmalliste.

"Schandfleck"

Im September 2021 ließ sich die Großgemeinde Oerlenbach ins Grundbuch als Gläubiger eintragen und strebte eine Zwangsversteigerung an. Am Mittwoch, 26. Oktober, um 9 Uhr ist es im Amtsgericht Schweinfurt soweit. Bürgermeister Nico Rogge macht im Gespräch mit dieser Redaktion deutlich, dass die Kommune nun tätig werden will, weil die Schwarze Pfütze für viele Menschen inzwischen ein "Schandfleck" sei.

Im April 2022 wurde ein Gutachten über den Verkehrswert der ehemaligen Gaststätte mit Fremdenzimmern und Pächterwohnung samt Freifläche (1309 Quadratmeter) erstellt. Dazu war das Grundstück schon im Januar besichtigt worden. Allerdings war der Grundstückseigentümer nicht zum Ortstermin erschienen, so dass keine Innenbesichtigung möglich war und man nach äußerem Anschein urteilen musste, heißt es in dem Gutachten. Aufgrund des Brandschadens sei die Standfestigkeit des Gebäudes nur noch teilweise gegeben und der gesamte Innenausbau samt Haustechnik sei "zerstört, das heißt insgesamt abbruchreif". Eine Sanierung sei nicht mehr möglich, so der Gutachter weiter.

Im Gutachten wird der Liquidationswert, das ist der Wert von Grund und Boden, vermindert um die Freilegungskosten, mit einem Minusbetrag von 78.360 Euro angesetzt. Eingepreist ist dabei schon eine zeitlich bis 2030 begrenzte jährliche Einnahme aus der Vermietung einer 15 Quadratmeter großen Fläche für einen Mobilfunkmast der Firma Vodafone. Der Gutachter spricht von einem "Unwert". Kein Verkäufer würde zum Negativwert verkaufen, deshalb könne der Verkauf allenfalls zu einem symbolischen Wert von einem Euro angesetzt werden, heißt es weiter.

Der Verkehrswert hat jedoch nichts zu tun mit dem Startpreis der Zwangsversteigerung. Der Startpreis ist das sogenannte niedrigste Gebot, das zum Beispiel die Kosten für den Gutachter und für das Verfahren beinhalten muss. Dieses Mindestgebot wird erst zu Beginn der Verhandlung genannt.

Da es sich um eine öffentliche Zwangsversteigerung handelt, können nicht nur die Gläubiger mitbieten, sondern auch jede andere Person. Die Kommune Oerlenbach wird als Gläubiger, der die Zwangsversteigerung anstrebte, auf jeden Fall unter den Bietern sein. Bürgermeister Nico Rogge hatte sich schon im vergangenen Jahr im Gemeinderat und in der Bürgerversammlung Rottershausen für die Zwangsversteigerung Rückhalt geholt.

Falls die Großgemeinde das Grundstück ersteigern kann, sollen dort "ökologische Freilandflächen" entstehen, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Inzwischen hat er dafür eine Förderzusage des Amts für Ländliche Entwicklung bekommen. "Auch was den Erwerb des Grundstücks angeht, werden wir von dort finanziell unterstützt." Isolde Krapf