Der Plan, Bad Kissingen auf der Schiene an den Verkehrsknotenpunkt Fulda anzubinden, geistert schon länger in den Köpfen der politischen Verantwortlichen. Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner und Landrat Thomas Bold hatten das Thema im Mai 2018 im Wirtschafts- und Umweltausschuss zum ersten Mal angesprochen. Dort herrschte denn auch Einigkeit, dass man die notwendigen Schritte zur Aufnahme dieses Bahnverkehrswegs in den Bundesverkehrswegeplan einleiten sollte.

Denn wer von Bad Kissingen aus mit dem Zug nach Fulda will, dem bleibt nichts anderes übrig als eine schnelle Verbindung über Würzburg zu buchen oder mit der Saaletalbahn nach Gemünden zu zuckeln und dort auf den Anschluss zu warten. Mit einer bis zwei Stunden Fahrzeit bis Fulda muss man dann rechnen.

Umgekehrt gelangen Geschäftsleute und Kurgäste von Fulda aus auch nur über diese Umwege in die Kurstadt. In der Sitzung 2018 hatten Bold und Kirchner darauf hingewiesen, dass für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region aber entsprechend gute Verkehrsanbindungen entscheidend seien.

Zustimmung aus der Wirtschaft

In den vergangenen zwei Jahren wurden offenbar zahlreiche Verhandlungen zu dieser Thematik geführt, deren Ergebnisse jetzt am Montag, 17. Februar, im Kreistag zur Sprache kamen. Der Zuspruch für das Ansinnen des Landkreises ist offensichtlich groß, hieß es. Denn schon im Jahr 2018 hatten sich beispielsweise die Bezirksgremien der IHK Würzburg-Schweinfurt für die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und die IHK Fulda mit dem Thema auseinandergesetzt und zugestimmt, dass man diese neue Strecke forcieren soll. Auch der mainfränkische Rat der Regionen hatte dieses Vorhaben in seiner Sitzung im Dezember 2019 befürwortet.

Sogar für Güterzüge

Die anvisierte direkte Schienenverkehrsachse von Schweinfurt über Bad Kissingen nach Fulda wäre nämlich nicht nur für Einheimische und pendelnde Geschäftsleute interessant. Auch Touristen und Kurgäste würden dann den Landkreis aus allen Richtungen schneller erreichen können als bisher, so das Argument der Befürworter.

Es wurde sogar die Hoffnung geäußert, dass, sollte die Strecke ausgebaut sein, zwischen Schweinfurt und Fulda vielleicht wieder Güterzüge verkehren würden - der Warenverkehr weg von der Straße wieder hin auf die Schiene käme.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Bahnstrecke Bad Kissingen-Fulda muss neu gebaut werden, und es gehören zur Planung auch hie und da neue Bahnhöfe dazu. Damit die Trasse in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wird, sind zahlreiche Vorgespräche, Abstimmungen und letztendlich eine Machbarkeitsstudie notwendig, hieß es im Kreistag.

Der Bundesverkehrswegeplan wurde 2016 in Berlin beschlossen. Nachbesserungen seien für 2021 in Aussicht gestellt, sagte Bold.

In der Kreistagssitzung wurde deutlich: Von Seiten des Landkreise hat man in den vergangenen zwei Jahren etliche Bemühungen unternommen, um beim Verkehrsministerium den Weg für das neue Vorhaben zu ebnen. Im Oktober 2019 hatten sich sowohl Kreischef Thomas Bold als auch die Bürgermeister der 26 Städte und Kommunen im Landkreis schriftlich an Ministerpräsident Markus Söder, an den vormaligen bayerischen Verkehrsminister Hans Reichhart und an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewandt, mit der Bitte, das Vorhaben zu unterstützen. Parallel dazu gab es Gespräche in München.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn der Freistaat sagte unlängst verbindlich zu, die länderübergreifende Machbarkeitsstudie zu fördern. Der Zeitpunkt der Studie müsse nun so gewählt werden, dass die Ergebnisse bei der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans im Jahr 2021 nicht schon wieder veraltet sind, sagte Bold im Kreistag.

Für Bold ist der Anschluss des Landkreises an den ICE-Knotenpunkt Fulda von herausragender Bedeutung, sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Beamtenbund wanderte ab

Die zügige An- und Abreise von Geschäftsleuten und Kurgästen Richtung Norden müsse langfristig gewährleistet werden, so Bold weiter. In diesem Zusammenhang erinnerte Bold an den Deutschen Beamtenbund, der seine Tagung über Jahrzehnte in der Kurstadt abgehalten hatte und dann plötzlich wegblieb, unter anderem mit dem Argument, man würde Bad Kissingen per Zug so schlecht erreichen.

In den vordringlichen Bedarf

Der Landkreis Bad Kissingen wird nun, zusammen mit dem Landkreis Fulda, die Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen, sagte Bold. "Das heißt, wir werden ein geeignetes Ingenieurbüro suchen." Zunächst aber müsse erarbeitet werden, was das Büro leisten soll. Angenommen, die Studie würde zügig erstellt und die Strecke als Änderung 2021 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, könnte es, nach Bolds Angaben, möglicherweise schon in den nachfolgenden Jahren mit der Planung losgehen. Wesentliche Voraussetzung dafür sei allerdings, dass das Vorhaben zunächst in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird. Isolde Krapf