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Gemünden
Theater

Scherenburgfestspiele: Bislang mehr als 20 000 Zuschauer

Gut die Hälfte der diesjährigen Scherenburgfestspiele ist um. Geschäftsführerin Julia Kiefer freut sich über Auslastung, Wetter und die Neulinge auf der Bühne.
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Bereits am vergangenen Freitag konnten die Scherenburgfestspiele Bianca Finak als 20 000. Besucherin begrüßen (von links): Abendspielleiterin Eva Scheiner, Bianca Fink und Festspiel-Geschäftsführerin Julia Kiefer. Elke Röder
Bereits am vergangenen Freitag konnten die Scherenburgfestspiele Bianca Finak als 20 000. Besucherin begrüßen (von links): Abendspielleiterin Eva Scheiner, Bianca Fink und Festspiel-Geschäftsführerin Julia Kiefer. Elke Röder
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Es läuft bei den Scherenburgfestspielen in Gemünden. "Die Auslastung ist richtig gut", sagte Julia Kiefer, die Geschäftsführerin des Festspielvereins in einer Zwischenbilanz. Am vergangenen Freitag konnte sie die 20 000. Besucherin mit Blumen, Sekt und einem Gutschein fürs nächste Jahr beglückwünschen. Die Wochenendvorstellungen sind praktisch ausverkauft. Wer in den verbleibenden Tagen kurzfristig einen Theaterbesuch auf der Scherenburg plant, sollte also die Aufführungen unter der Woche ins Auge fassen, für die noch Karten zu haben sind.

Mit dem Wetter habe man heuer bisher auch "unfassbar viel Glück" gehabt, so Kiefer. Im vergangenen Jahr waren zwei Abende verregnet. Der kräftige Regen des vergangenen Wochenendes ging an den Scherenburgfestspielen aber vorbei. Er fiel ausgerechnet auf den einzigen Sonntag der diesjährigen Festspielzeit, an dem keine Aufführung stattfand.

In jedem Jahr bleibt ein Sonntag der Scherenburgfestspiele spielfrei. Er wird traditionell genutzt, um mit dem Ensemble etwas jenseits der Bühne zu unternehmen. Heuer wanderten die Theaterleute durch die Weinberge um Karlstadt und bekamen in der Kreisstadt eine Stadtführung. Als sie am Abend nass bis auf die Haut mit dem Zug wieder in Gemünden eintrafen, ließen es sich einige Ensemble-Mitglieder trotzdem nicht nehmen, noch auf einen Schoppen beim Abschlussfest des Saalemusicums am Huttenschloss vorbeizuschauen.

Schirme für Rollstuhlfahrer

Die bei einigen Aufführungen extreme Hitze betraf weniger die Zuschauer als vielmehr das Ensemble, das bei Aufführungen am Vormittag in der Sonne agieren muss, bei "Jim Knopf und die Wilde 13". Nur in der Vorstellung, in der die Mainfränkischen Werkstätten mit ihrer kompletten Belegschaft zu Gast waren, musste man mit Sonnenschirmen improvisieren. Denn unter den 150 Besuchern der Behinderteneinrichtung waren auch rund ein Dutzend Rollstuhlfahrer, die nur in der Sonne vor der schattigen Tribüne Platz haben. Die bei jeder Aufführung anwesenden Rettungssanitäter halfen dreimal bei kleineren Verletzungen. Zweimal musste der Notarzt zu Hilfe gerufen werden, weil Zuschauerinnen kollabiert waren.

Befriedigt registriert Kiefer, wenn Zuschauer angesichts der Leistungen der Schauspieler zur Einschätzung kommen, "das war doch ein Profi, oder?". Etwa bei Julia Bader, die im Kinderstück "Jim Knopf und die Wilde 13" als Briefträger und im prächtigen Kostüm des Goldenen Drachen der Weisheit auf der Bühne steht. Da trägt die intensive Probenarbeit in den vier, fünf Wochen vor der Premiere Früchte, so Kiefer.

Was die Laienschauspieler in Gemünden in dieser Zeit mit täglich vier Stunden Probe am Vormittag auf die Beine stellen, nötig selbst den Profis Achtung ab. Die studieren ein neues Stück in der Regel zwar auch in vier, fünf Wochen ein, nehmen sich aber acht Stunden Zeit pro Tag, um an den Details zu feilen, also doppelt so lange, erläutert Kiefer.

Auch die Leistung von Lena Müller nötigt Julia Kiefer großen Respekt ab. Wie Bader ist sie neu im Ensemble. Beide kamen durch den erstmals auch für Neueinsteiger geöffneten Theater-Workshop im vergangenen Oktober dazu. Das ist Lena Müller nicht anzumerken, so überzeugend führt sie als Kellnerin Hanna durch den ganzen ersten Teil der Komödie "Pension Schöller", in dem sie durchgehend auf der Bühne steht.

Regieassistentin springt ein

Mit dem Gräfendorfer Florian Biemüller, der aus einer Silvesterlaune heraus Anfang des Jahres im Festspielbüro vorsprach, hat sich ein dritter Neuzugang mit einer tragenden Rolle bestens ins Ensemble eingefügt. Der Sänger mit langjährige Chorerfahrung rockt als Guru Gustav-Rudolph im Musical "Und es war Sommer" die Bühne. Auch viele andere tragen ihren Teil bei zum Erfolg der bisherigen Aufführungen.

Eine von ihnen wird ihren nächsten Auftritt allerdings verpassen. Gabi Bayerschmidt kann bei der nächsten Aufführung des Musicals "Und es war Sommer" nicht auf der Bühne stehen. Sie hat sich den Arm gebrochen. Deswegen wird Regieassistentin und Gesangstrainerin Eva Scheiner am Mittwochabend nicht hinter, sondern auf der Bühne zum Einsatz kommen. Sie springt für Gabi Bayerschmidt ein und übernimmt die Rolle der Sabine Kaiser, die gegen ihren Macho-Ehemann Helmut rebelliert.

Bewährte Dreier-Kombination

Einen kuriosen Moment boten die Scherenburgfestspiele heuer auch schon: Wolfgang Schulz, der seit vielen Jahren als Schauspieler auf der Bühne steht, brachte als Major von Mühlen die Premiere von "Pension Schöller" kurz zum Stocken. Er bekam einen fürchterlichen Hustenanfall, der in den Regieanweisungen von Regisseur Reyk Bergemann nicht vorgesehen war. Schulz hatte so tief Luft geholt, dass er das kleine Schaumstoffkäppchen verschluckte, welches das kleine drahtlose Mikrofon schützt, das die Schauspieler an der Wange tragen.

Die Dreier-Kombination von Komödie, Musical und Kinderstück, die heuer wie im vergangenen Jahr gewählt wurde, hat sich in den Augen von Julia Kiefer bewährt. Sie soll auch im kommenden Jahr beibehalten werden.

Kiefer sichtet derzeit die Stücke, die für 2020 in Erwägung gezogen werden. Außerdem wird über ein Extra nachgedacht, weil im nächsten Jahr mit den 30. Scherenburgfestspielen ein kleines Jubiläum ansteht.

Karten für die restlichen Vorstellungen und Infos gibt es unter Tel.: (09351) 5424 und übers Internet.Michael Mahr

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