"Spektakulär, einzigartig, beeindruckend." Als am Mittwochmorgen zwei tonnenschwere Riesen durch die Luft schwebten, sparten die Schaulustigen nicht mit Superlativen. Die bisher größten im Schaeffler-Sondermaschinenbau (SMB) in Schweinfurt gebauten Maschinen traten eine mehrwöchige Reise an. Die imposanten Großlager-Schleifmaschinen, die Ringe mit einem Außendurchmesser von bis zu zwei Metern bearbeiten können, werden nun nach Nanjing zu Schaeffler in China verschifft. Dort sollen sie im Bereich der Windenergie zum Einsatz kommen.

Begonnen hatte die Reise der Riesenmaschinen bereits am späten Dienstagabend. Um kurz nach 22 Uhr setzte sich am Tor 4 bei Schaeffler ein Schwertransport mit zwei Sattelschleppern in Bewegung, für den in der Stadt einige Ampeln gedreht und auch Straßen gesperrt werden mussten. "Auf den Brücken konnte der Sattelschlepper teilweise nur mit sechs Stundenkilometern fahren", sagte Justin Ward von der Firma "Mehrbreier TransMeWo", die für die Maschinenverlagerung zuständig war.

Schwertransport auf dem Main: Nicht alle Brücken geeignet

Aufgrund des immensen Gewichtes - eine Maschine wiegt 105 Tonnen - und der überdimensionalen Maße - 7,5 x 6 x 6 Meter - musste die Route zum Main etwas angepasst werden. Aus der eigentlich nur sechs Kilometer langen Strecke zur Mainbrücke Bergrheinfeld wurden somit 25 Kilometer, die die Riesenmaschinen teilweise im Schneckentempo zurücklegen mussten.

"Nicht alle Brücken sind für ein solches Gewicht ausgestattet, nicht überall hat man entsprechend breite Straßen", sagte Marco Bosch, Unternehmenssprecher von Schaeffler, vor Ort. Er freue sich, dass der Transport, der wochenlang geplant wurde, reibungslos verlief. Über Gädheim, Gochsheim und Sennfeld gelangte der Schwertransport mitten in der Nacht auf Mittwoch zur Verladestelle in Grafenrheinfeld. Am nächsten Morgen kam dann ein 750-Tonnen-Kran vor den Augen zahlreicher Schaulustiger zum Einsatz. "Das ist schon eine Besonderheit, diese Art des Transportes haben wir hier zum ersten Mal", betonte Bosch. Auch er zeigte sich beeindruckt, als der Kran die Riesenmaschinen vom Sattelschlepper auf das Schiff "Barbuda" hievte.

Zwar gingen Maschinen von hier immer wieder auf längere Reisen per Lkw, diese Größenordnung mache nun allerdings den Transport mit einem Binnenschiff notwendig, erklärte Bosch. Mehrere Stunden dauerte das Unterfangen, für das die Wasserschutzpolizei sogar den Flussverkehr sperrte. Verpackt in reichlich Planen schwebten die Schleifmaschinen dann durch die Luft und landeten sanft innerhalb einer Markierung an Bord des Binnenschiffs. Damit fahren die Kolosse nun acht Tage über Main und Rhein bis nach Antwerpen in Belgien. Dort, so Marco Bosch, würden die Maschinen seetüchtig gemacht. "Sie müssen gut eingepackt werden, damit sie durch die salzhaltige Luft keinen Rost ansetzen", erklärte der Unternehmenssprecher. Erst dann würden sie eine sechswöchige Seereise nach China antreten. Zwar werde auch in chinesischen Schaeffler-Werken selbst an großen Gerätschaften gebaut, die besagten Schleifmaschinen bedürften allerdings des Schweinfurter Fachwissens, so Bosch. "Hier haben wir eben doch noch ein anderes Know-how." Da die Maschinen auf ein Tausendstel genau eingestellt sind, könne man diese nicht einfach in mehreren Einzelteilen verschicken und dort wieder zusammenbauen lassen.

"Eine ganz neue Dimension"

Zu den zahlreichen Schaeffler-Mitarbeitern, die sich das imposante Schauspiel nicht entgehen ließen, zählte auch Reiner Gehles. Der 63-jährige Elektriker war selbst acht Jahre bei Schaeffler in China tätig. Für ihn sind Transporte aus Deutschland nach Asien also nichts Neues. Dennoch sagte er, als er nur wenige Meter vom riesigen Kran entfernt stand: "Das ist heute schon etwas Besonderes, das sind schon ganz neue Dimensionen", so Gehles.

Für den Familienvater, der lange vor den Toren Shanghais lebte, ist die Welt in Schweinfurt eine andere. Zwar freue er sich, wieder hier zu sein. "Dort ist aber einfach deutlich mehr los", sagte er lachend und blickte auf die riesigen Maschinen, die jetzt von seiner alten Heimat in seine zwischenzeitliche Wahlheimat reisen werden. Nicolas Bettinger