Schon 2017 sollte das einstige Gasthaus an der früheren B 19 zwangsversteigert werden. Doch nach der Verhandlung gab es damals keinen neuen Eigentümer. Seinerzeit war zwar ein Bieter anwesend, der gleich das Mindestgebot von rund 7500 Euro bezahlen wollte. Doch der Gläubiger, der die Zwangsversteigerung betrieben hatte, war mit diesem Betrag nicht einverstanden, so dass das Gericht den Zuschlag nicht erteilte.

In den vergangenen fünf Jahren ist die Gebäude-Ruine bei Rottershausen weiter verfallen. 2019 musste das Landratsamt das Haus sichern und Obergeschoss samt Dach auf eigene Kosten abreißen, denn der Eigentümer war und ist nicht auffindbar. Kurze Zeit später stufte auch die Denkmalschutzbehörde die einst historisch bedeutsame Posthalter-Station als nicht mehr erhaltungswürdig ein.

Neues Gutachten erstellt

In den vergangenen Jahren schien weiter niemand dafür zuständig zu sein, die Ruine entweder abzureißen oder wieder herzurichten. Doch im vergangenen Jahr wurde die Großgemeinde Oerlenbach aktiv und strebte als Gläubiger eine Zwangsversteigerung dieses Areals an.

Im April 2022 wurde ein neues Gutachten über den aktuellen Verkehrswert der ehemaligen Gaststätte mit Fremdenzimmern und Pächter-Wohnung samt Freifläche (1309 Quadratmeter) erstellt. Dieses bescheinigte, dass das Haus nicht mehr zu sanieren ist und "insgesamt abbruchreif" sei. Der Liquidationswert wurde vom Gutachter im größeren fünfstelligen Minusbereich angesiedelt. Deshalb könne der Verkauf allenfalls zu einem symbolischen Wert von einem Euro angesetzt werden, heißt es in der Expertise weiter.

Wer will nun solch ein verfallenes Gebäude bei einer Zwangsversteigerung erwerben? Das war die spannende Frage am 26. Oktober im Amtsgericht Schweinfurt. Ein Bieter war bereits bekannt: Die Großgemeinde Oerlenbach als betreibender Gläubiger wollte ein Gebot abgeben, hatte Bürgermeister Nico Rogge im Gespräch mit dieser Redaktion im Vorfeld mitgeteilt. Doch würde es noch weitere Interessenten geben?

Gerichtskosten erlösen

Nachdem Rechtspfleger Bernhard Fiehl bei der Verhandlung am Mittwoch die Regeln des Verfahrens erklärt und zu Einzelheiten im Grundbuch Bezug genommen hatte, stellte er das Mindestgebot von 7062,07 Euro in den Raum, das seinen Angaben zufolge zumindest die Gerichtskosten erlösen würde.

Bürgermeister Rogge bot im Namen seiner Kommune als Erster genau 7062,07 - also das Mindestgebot. Ein Mann aus Windshausen bot 8000 Euro, die dritte Bieterin aus Bad Kissingen gab 8001 Euro an. Als Rogge auf 8100 Euro erhöht hatte, traten zwei weitere Privatpersonen aus Schweinfurt (8150 Euro) und aus Oerlenbach (8250 Euro) als Bieter in Aktion.

Über eine weite Strecke gaben schließlich nur der Mann aus Windshausen und der Oerlenbacher Bürgermeister, Schlag auf Schlag, weitere Gebote ab und trieben so die Summe recht ordentlich auf 15.000 Euro in die Höhe, bevor sich der Bieter aus Schweinfurt nochmals mit 15.020 Euro bemerkbar machte.

Doch anschließend ging der Schlagabtausch zwischen dem Bieter aus Windshausen und Bürgermeister Rogge weiter. Mit 16.210 Euro versuchte dann der Privatmann aus Oerlenbach erneut ins Bietergeschehen reinzugrätschen, doch Bürgermeister Rogge bot 16.220 Euro. Ein Gegengebot blieb dann aber aus. Also hieß es vonseiten des Gerichts: "16.220 Euro zum Ersten, 16.220 Euro zum Zweiten und 16.220 Euro zum Dritten!"

Gebäude und Areal des Gasthauses Schwarzen Pfütze werden demgemäß der Gemeinde Oerlenbach "zugeschlagen", formulierte Rechtspfleger Fiehl anschließend. Das Gasthaus ging sofort mit Verkünden des Zuschlags an die Kommune über. Die Dienstbarkeiten, wie zum Beispiel Hypotheken und Schulden, werden nun im Grundbuch gelöscht, so dass die Großgemeinde Oerlenbach ein lastenfreies Grundstück erwirbt, wenngleich sie als Eigentümer nun öffentliche Steuern und Gebühren übernehmen muss. Zudem wird eine Grunderwerbssteuer fällig. Eine Besonderheit stellt der Nutzungsvertrag mit der Firma Vodafone bezüglich eines Mobilfunkmasts auf dem Areal der Schwarzen Pfütze dar. Die Firma hatte 2011 mit dem vorhergehenden Eigentümer einen Mietvertrag bis 2030 geschlossen, den nun die Kommune Oerlenbach mit der Firma neu verhandeln soll.

Großgemeinde hat Pläne

Bürgermeister Rogge zeigte sich nach dem Versteigerungstermin "erleichtert", dass die Kommune das Anwesen zu einem "vernünftigen Preis" erwerben konnte. "Wir haben jetzt das Heft des Handelns in der Hand", sagte er. Denn für viele Menschen war die Ruine des Gasthauses ein unhaltbarer Zustand. Es war sogar von einem "Schandfleck" die Rede.

Die Großgemeinde plant nun, laut Rogge, das Gelände der Schwarzen Pfütze in "ökologische Freilandflächen" umzuwandeln. Dabei will man auch ein dort schon länger bestehendes Biotop einbeziehen. Übrigens soll auf irgendeine Art und Weise an das frühere Landgasthaus erinnert werden, sagte Rogge und erzählte, dass man in Rottershausen bestrebt ist, die Geschichte der Schwarzen Pfütze nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Isolde Krapf